"I Am Greta": Ein Film dokumentiert Greta Thunbergs Leben

Stand: 12.10.2020 05:46 Uhr

Ohne Greta Thunberg hätte es die Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" wohl nie gegeben. Der Film "I Am Greta", der am 16. Oktober ins Kino kommt, dokumentiert ihr Leben.

von Walli Müller

Die 15-jährige Greta Thunberg sitzt im August 2018 vor dem Stockholmer Parlamentsgebäude. Auf dem Schoß ihr berühmtes Papp-Plakat - keiner kennt sie, Passanten sprechen sie erstaunt auf ihren "Schulstreik" an. Und da ist schon eine Kamera dabei? Man fragt sich, wer damals so hellsichtig war, gleich mitzufilmen. Tatsächlich war es der schwedische Regisseur und Kameramann Nathan Grossman, der den richtigen Riecher hatte.

"Ich habe den Tipp von einem Freund bekommen, der Gretas Familie kennt. Und ich beschäftige mich auch mit dem Klimawandel; also dachte ich mir, da geh ich mal mit der Kamera hin und schaue, ob etwas Interessantes passiert", sagt Grossman. "Sie saß da allein und ich hab sie gefragt, ob ich ihr ein Mikro anstecken darf. So ging das Ganze los." Es wurde dann eine Langzeit-Dokumentation daraus, die nun zeigt, wie Greta Thunberg innerhalb weniger Monate zum Jugend-Idol wird. Ein Kind mit Zöpfen, das plötzlich auf UN-Konferenzen und im EU-Parlament spricht.

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Szene aus dem Film "I Am Greta" © Filmwelt
2 Min

Filmtrailer: "I Am Greta"

Eine Dokumentation bringt Greta Thunbergs Leben ins Kino. Der Trailer zum Film. 2 Min

Die Film-Dokumentation zeigt Gretas private Seite

Ihre eindrucksvollen Reden haben wir alle im Ohr. Spannend an "I am Greta" sind die privaten Einblicke. Denn Grossman, der sich mit Greta und ihrem Vater gut versteht, darf auch vor und nach den öffentlichen Auftritten die Kamera laufenlassen. Daheim zwischen ihren 100 Kuscheltieren oder im Hotelzimmer, wenn Greta wieder und wieder um noch bessere Formulierungen für ihre Rede ringt - während der mitreisende Vater sie bekniet, es doch nun mal gut sein zu lassen.

Natürlich: Sie ist eigen - schon wegen des Asperger-Syndroms, das ihr Gehirn extrem analytisch funktionieren lässt. Andererseits hilft ihr das, den Hype um ihre Person zu verkraften, weil sie niemals sich selbst im Mittelpunkt sieht, sondern immer "Fridays for Future".

Vor Nathan Grossmans Kamera verstellt Greta sich nicht. Sie spricht in "I am Greta" über ihre Motivation und ihre Zweifel, wenn auch ihr manchmal alles zu viel wird - und man lernt die strenge Klima-Mahnerin von einer überraschend humorvollen Seite kennen.

Umweltfreundliche, aber beschwerliche Reisen mit dem Segelboot

"Niemand hat Greta je lachen gehört. Dabei ist ihr Lachen so lustig. Die Ton-Mischer haben es gehasst, weil es so scharf klingt. Sie wollten es runterpegeln. Aber ich hab gesagt, lasst den Lautsprecher zerren. Das ist ein Teil von ihr!", erzählt Grossman.

Szene aus dem Film "I Am Greta" © Filmwelt
Anstatt zu fliegen, nutzte Greta auch ein Segelboot.

Sogar über den Atlantik ist Grossman schließlich mit Greta Thunberg gesegelt. Das war in diesem Mini-Boot kein Vergnügen, wie man im Film sieht. Dazu dann noch die Hass-Kommentare über sie im Netz. Was für eine Zumutung, welche Überforderung für einen Teenager. Greta trägt es mit erstaunlicher Fassung.

Man kommt sehr nah heran an sie in diesem Film. Versteht, was sie antreibt, welche Verantwortung sie empfindet, aber auch welche Last sie auf ihre Schultern spürt. Das gibt ihr diese markigen, wütenden Worte ein, die sie Politikerinnen und Politikern entgegenschleudert: "My name is Greta Thunberg - and I want you to panic." Die Willenskraft dieser zarten jungen Person ist beeindruckend, das Film-Porträt über sie bewegend.

I Am Greta

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Schweden, Deutschland, USA, Großbritannien
Regie:
Nathan Grossman
Länge:
101 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
16. Oktober 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.10.2020 | 06:55 Uhr

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