Stand: 08.05.2019 16:57 Uhr

Hommage an das Komiker-Duo "Stan & Ollie"

Stan & Ollie
, Regie: Jon S. Baird
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Als "Dick und Doof" wurden sie in Deutschland bekannt: Stan Laurel und Oliver Hardy, die zum wohl berühmtesten Komiker-Duo der Filmgeschichte wurden. Gemeinsam drehten sie mehr als 100 Filme. Jetzt erzählt ein Spielfilm die Geschichte ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit: "Stan & Ollie".

Immer zu Scherzen aufgelegt - Stan Laurel (li., Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C Reilly) - Szene aus "Stan & Ollie" © SquareOne Entertainment

Filmtrailer: "Stan & Ollie"

Die Maskenbildner haben bei den Darstellern von "Dick und Doof" ganze Arbeit geleistet. Über die Menschen hinter den Kunstfiguren erzählt Jon S. Bairds jedoch zu wenig.

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Schon Kleinigkeiten bieten Anlass für komische Situationen

Es ist schon schön, wie sie die Bewegungen der Originale imitieren, bei ihrem Tanz vor der Kulisse einer Stadt im Wilden Westen. Steven Coogan und John C. Reilly spielen das Komiker-Duo Stan und Ollie. In ihren Bewegungen schwingt die linkische Grazie von Stan Laurel und Oliver Hardy mit, deren Hadern mit der Schwerkraft, mit den Konventionen, mit einer Welt, die ihnen immerzu Widerstände entgegensetzt. Vielleicht brachten Stan und Ollie die Widerständigkeit der Welt aber auch selbst erst hervor. In Jon S. Bairds Film wird eine einfache Klingel an der Hotelrezeption für die beiden Komiker zum Anlass für ein Gerangel.

Wem sehen wir hier beim Streiten zu? Den Filmfiguren Stan Laurel und Oliver Hardy oder den Figuren, die diese beiden Schauspieler über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben? Damit sei auch schon auf ein Problem dieses biografischen Films hingewiesen. Immer wieder überträgt er die Witze und komischen Techniken von Stan Laurel und Oliver Hardy eins zu eins auf deren reales Leben - und das ist nur bedingt lustig. Ohnehin fehlt diesem Film, der sich permanent vor seinen beiden Helden zu verbeugen scheint, darüber hinaus eine gewisse Haltung beziehungsweise eine Idee zu seinen Figuren.

Eine England-Tournee soll den Erfolg beleben

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Stan (Mitte, Steve Coogan) und Ollie (links, John C Reilly) sowie ihre beiden Ehefrauen sind von dem unerwarteten Empfang in Irland gerührt.

Die Geschichte beginnt in den 50er-Jahren, als die großen Kinozeiten von Laurel und Hardy vorbei sind. Die beiden begeben sich auf eine Tournee durch England, die nicht sonderlich erfolgreich ist, aber nach und nach zu einem großen Hit wird. Doch statt sich auf seine damals etwa 60-jährigen Helden einzulassen, einen Raum zu schaffen für ihren Blick auf die Welt, auf ihre Karriere - lassen John S. Baird und sein Drehbuchautor Jeff Pope lieber die Ehefrauen der beiden Komiker auftreten: eifersüchtige, divenhafte Zicken. Es sind Frauenfiguren, die man so karikiert schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat.

Der Film presst die Geschichte der womöglich genialsten Komiker der Filmgeschichte in die Muster einer amerikanischen Erfolgsstory: Zwei Entertainmentstars, die eigentlich schon abgeschrieben wurden, zeigen es allen noch einmal und landen mit ihrer Tournee einen Erfolg. Zwei vermeintliche Loser erkämpfen sich durch ihre Kunst einen Triumph.

Die Probleme zwischen Laurel und Hardy kommen im Film zu kurz

Doch was eigentlich interessiert den Regisseur an Laurel und Hardy? Wie genau entstanden die Gags der beiden? Wie entwickelten sie ihre physisch virtuose Technik, ihren Rhythmus, ihr untrügliches Timing? Darum geht es nicht. Und da diesem Film ein Herz, eine Mitte, eine Haltung fehlt, interessiert man sich auch nur mäßig für die kleinen und großen Dramen dieser Künstlerfreundschaft. Etwa dafür, dass Oliver Hardy seinen Partner einmal für eine Vertragsverlängerung verraten hat. Oder für den gemeinsamen Umgang mit Oliver Hardys Gesundheitsproblemen.

Es ist bekannt, dass Stan Laurel der Autor und inhaltliche Impulsgeber des legendären Komiker-Duos war, während Oliver Hardy sich mit der Rolle des ausführenden Schauspielers begnügte. Während Hardy nach Drehschluss Golf spielte, arbeitete Stan Laurel besessen weiter an Szenen, Gags und Pointen. Er war es auch, der immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Produzenten Hal Roach suchte. Meistens ging es ums Geld.

Sind Laurel und Hardy einfach zu groß für einen Film? Sind ihre Leinwandfiguren so übermächtig, dass man sich vielleicht gar nicht für die Menschen dahinter interessiert? Vielleicht. Vielleicht hätte ein Film über Stan und Ollie auch eine ganz andere Geschichte erzählen sollen, über Menschen, die hinter ihren Kunstfiguren verschwinden. Hin und wieder gibt es in dem Film nämlich die eine oder andere Dialogzeile, die zeigt, wohin die Reise hätte gehen können.

Stan & Ollie

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Großbritannien, USA, Kanada
Zusatzinfo:
mit Steve Coogan, John C. Reilly, Nina Arianda
Regie:
Jon S. Baird
Länge:
99 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
9. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 09.05.2019 | 07:20 Uhr

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