Stand: 19.12.2017 11:03 Uhr

Elyas M'Barek: Vom Windhund zum Wohltäter

Dieses bescheuerte Herz
, Regie: Marc Rothemund
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Seit dem Riesenerfolg der "Fuck ju Göhte"-Filme ist Elyas M'Barek der Publikumsliebling und Teenieschwarm des deutschen Films. Jetzt stimmt er etwas ernstere Töne an in dem Film "Dieses bescheuerte Herz", der auf einer wahren Geschichte basiert. Er erzählt von der zunächst erzwungenen Freundschaft zwischen einem sorglosen Arztsohn und einem herzkranken Teenager.

Aus der Pflichtübung wird Freundschaft

Lennys Vater möchte, dass sein Sohn Zeit mit dem 15-jährigen David verbringt. Lenny, gespielt von Elyas M'Barek, ist alles andere als begeistert. Aber der verwöhnte Sohn, für den der Sinn des Lebens bisher aus unendlichen Partys und auch schon mal dem Versenken eines Sportwagens im heimischen Pool bestand, hat keine Wahl, denn sein Vater droht damit, ihm den Geldhahn zuzudrehen.

Also beißt Lebemann Lenny in den sauren Apfel und trifft David. Der weiß nicht, ob er seinen 16. Geburtstag erleben wird und hat eine Liste von Dingen erstellt, die er gern noch erleben möchte: Coole Klamotten kaufen und im Hotel so viele Pommes und so viel Cola bestellen wie er will, ist vergleichsweise leicht zu erledigen. Andere Punkte auf der Liste gestalten sich da schon schwieriger: seine Mutter wieder glücklich sehen, einem Mädchen eine rote Rose schenken, ein Mädchen küssen, sich verlieben ...

Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellt sich Lenny nach und nach der Verantwortung dieser unerwarteten Form von Freundschaft. Langsam, aber sicher wächst bei beiden die Bereitschaft zum Geben und Nehmen. Dann trifft David auch noch das Traummädchen und Lenny wird buchstäblich "überlistet".

M'Barek sucht das Leichte in der Tragik

Tricks kennt Elyas M'Barek als Lehrer Zeki Müller in den "Fack ju Göhte"-Filmen natürlich aus dem Effeff. Als Lehrertyp ist er klar Klassenbester, aber der Schauspieler ist ja nun langsam auch Mitte 30, vielleicht ein bisschen aus der Rolle herausgewachsen und möchte ein wenig von seinem Image loskommen?

"Das ist Quatsch", sagt M'Barek. "Ich hab ja auch 'Paddington' gemacht, der Film hätte mir ja noch viel mehr geholfen, aus irgendeiner Ecke herauszukommen. Außerdem will ich gar nicht aus einer Ecke herauskommen, ich weiß gar nicht, was die Leute immer wollen. Ganz ehrlich, ich find's total cool. Also: 'Fack ju Göhte' ist total geil, und wenn die Geschichte nicht auserzählt wäre, dann würde ich auch noch 20 weitere Teile drehen."

In erster Linie gehe es ihm um den Stoff, sagt M'Barek. Da war ihm von Anfang an wichtig: "Dass man nicht zu sehr auf die Tränendrüse drückt und nicht in jeder Situation, die vermeintlich traurig ist, noch mal Knöpfe drückt. Sondern, dass man Dinge eben auch leicht nimmt, obwohl sie eine wirkliche Tragik besitzen."

Überzeugende Darsteller

In der Tat hätte aus dem Stoff, der ähnlich wie der französische Knüller "Ziemlich beste Freunde" auf einer wahren Geschichte beruht, leicht eine schwülstige Schmonzette werden können. Man kann sich gut vorstellen kann, welche Szenen sich im wahren Leben nicht ganz so abgespielt haben dürften.

Aber bei mancher Übertreibung kollabiert "Dieses bescheuerte Herz" nicht im Kitsch, sondern schlägt oft genug in einem vergleichsweise feinfühligen, unterhaltsamen Rhythmus. Neben Elyas M'Barek überzeugen der Newcomer Philip Noah Schwarz als David und Nadine Wriets als seine couragierte Mutter.

Dieses bescheuerte Herz

Genre:
Drama, Komödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Elyas M'Barek, Philip Schwarz, Nadine Wrietz
Regie:
Marc Rothemund
Länge:
106 Min
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
21. Dezember 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 20.12.2017 | 06:40 Uhr

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