Stand: 25.04.2020 09:51 Uhr  - NDR Kultur

Die Hamburger Produzentin hinter "Systemsprenger"

von Danny Marques

Das zu großen Teilen in Hamburg gedrehte Kinodrama "Systemsprenger" ist beim Deutschen Filmpreis 2020 als bester Spielfilm ausgezeichnet worden. Über die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt und die junge, ebenfalls ausgezeichnete Hauptdarstellerin Helene Zengel wurde schon viel geschrieben. Beide arbeiten jetzt in Hollywood. Die Produzentin lebt in Hamburg: Frauke Kolbmüller ist durch "Systemsprenger" fast über Nacht zu einer der großen Nachwuchshoffnungen des deutschen Films geworden. Ein Porträt.

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Das Filmteam von "Systemsprenger" samt Produzenten bei der Berlinale 2020. Frauke Kolbmüller (rechts) hält einen Scheck in den Händen, mit dem die Produktion die Fördergelder zurückzahlt.

Frauke Kolbmüller hat eine ziemlich coole Visitenkarte. In geschwungener fetter Schrift steht da Oma Inge Film. Das ist ihre Produktionsfirma. Aber Oma Inge ist so viel mehr. "Oma Inge sind meine beiden Großmütter, die diesen Namen tragen. Filme machen ist Familybusiness, weil wir mit den Kreativen ein intensives Verhältnis aufbauen. Für mich ist Vertrauen wichtig und dass es am Ende Spaß macht. Und natürlich sind Omas Familienoberhäupter", so Kolbmüller.

Reise um die Welt mit Erfolgsfilm "Systemsprenger"

Besonders viel hat sie in den vergangenen anderthalb Jahren aber nicht von ihren Omas gesehen. Mit "Systemsprenger", dem Film über die verhaltensauffällige zehnjährige Benni, ist sie um die ganze Welt geflogen. Die eigentlich so kühlen Finnen seien im Kinositz zusammengesackt, erzählt sie. Auch in Mexiko sei es unglaublich gewesen. "In Mexiko war ich mir sehr unsicher, weil die doch andere Probleme haben als 'wie gehe ich mit schwierigen Kindern um'? Ich war überrascht und berührt, als die Zuschauer sagten: 'There are a thousand Bennis in Mexico', also, dort gebe es tausend Bennis", erzählt Kolbmüller.

Leipzigerin Kolbmüller absolvierte Hamburg Media School

Frauke Kolbmüller stammt aus Leipzig. 2010 kommt sie an die Hamburg Media School, um Produktion zu studieren. Viele junge Filmliebhaber wollen Regie führen oder Drehbücher schreiben. Sie hingegen ist "ein Zahlenmensch".

Schauspielerin Lisa Hagmeister (von links), Regisseurin und Autorin Nora Fingscheidt und Schauspielerin Gabriela Maria Schmeide bei der "Systemsprenger" Filmpremiere  in Hamburg © imago images / APress

"Systemsprenger": Fingscheidt und Hagmeister im Gespräch

NDR Kultur - NDR Kultur à la carte -

Um Kinder, die nicht ins System passen, geht es in dem Film "Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt. Zusammen mit Lisa Hagmeister erzählt sie von den Dreharbeiten.

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Produktion heißt für sie, anderen bei ihrer Arbeit zu helfen und selbst aber Teil der Kreativität zu sein. Hamburg zu verlassen, sei nach dem Studium nicht infrage gekommen. Die Hamburger Filmwelt sei besonders: "Ich mag, wie die Branche miteinander umgeht, wie sie auch eine Familie ist. Man kennt und schätzt sich, man respektiert sich."

Kolbmüller sieht sich als Teamplayerin. Als junge Frau in der Branche hat sie aber auch gelernt sich durchzusetzen. "Ich merke natürlich, dass es oft schwieriger ist, wahrgenommen zu werden - und nicht als Assistentin von jemandem wahrgenommen zu werden." Wenn man ein paar Filme gemacht habe, dann gehe das aber.

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Neues Projekt hat bereits Förderungsmittel erhalten

"Systemsprenger" hat Frauke Kolbmüller zusammen mit der Hamburger Firma Weydemann Bros. und Peter Hartwig produziert. Seit dem großen Erfolg des Films hat ihr Name eindeutig an Gewicht gewonnen. Vor ein paar Wochen erst hat die Filmförderung Hamburg-Schleswig Holstein Mittel für eines von Kolbmüllers neuen Projekten bewilligt: 195.000 Euro gibt es für das Drama "A Girl's Room". Dazu hat sie noch einige andere Filme in Planung, darunter einen Rache-Actionfilm. Wenn sie dann irgendwann mal wieder Zeit hat, wird sie vielleicht auch verarbeiten, was für ein sensationeller Erfolg der Film "Systemsprenger" war. "Ich denke, dass ich noch zwei Jahre brauche und dann rückblickend sagen kann, was da eigentlich passiert ist. Wenn man mittendrin steckt, begreift man das alles nicht so richtig."

Eigentlich ist die Geschichte selbst filmreif. "Systemsprenger" war weltweit ein Erfolg, hat bei vielen Festivals teilgenommen und etliche Preise gewonnen. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. In diesem Fall war es aber eine Oma - die Oma Inge Filmproduktion von Frauke Kolbmüller.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 24.04.2020 | 09:20 Uhr

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