Stand: 10.12.2018 16:56 Uhr

Weihnachtsempfehlungen von unseren Autoren

von Ulrike Sárkány
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Helen Oyeyemi versammelt in ihrem Erzählband "Was du nicht hast, das brauchst du nicht" zehn absolut erfrischende Geschichten.

NDR Kultur Redakteurin Ulrike Sárkány ist ja gewöhnlich für die langen Romane zuständig, aber zum Verschenken zu Weihnachten empfiehlt sie jetzt mal kürzere Formen, die man auch in kleinen Portionen genießen kann: einen Erzählband, ein Hörbuch und ein Kochbuch.

"Was du nicht hast, das brauchst du nicht" ist der Titel einer Geschichtensammlung, die sich hervorragend zur Lektüre während der Raunächte zwischen Weihnachten und Neujahr eignet. Allerdings sollte man auch allem Unkonventionellen gegenüber aufgeschlossen sein, denn hier wird nicht nur die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten überschritten.

Die afro-britische, jetzt in Prag lebende Schriftstellerin Helen Oyeyemi, 1984 in Nigeria geboren, erzählt ziemlich fantasievolle Märchen über modernes Leben, in denen Puppe oder Mensch, männlich oder weiblich, schon tot oder nie geboren einfach nicht so deutlich auseinandergehalten werden, wie man das realistischerweise erwarten würde. Die zehn Geschichten, in denen Schlüssel und das Aufschließen von Türen immer wieder eine Rolle spielen, sind absolut erfrischend - auch wenn wir selbstverständlich nach den Weihnachtsferien wieder losgehen, um für all das zu sorgen, was wir dummerweise nicht haben, aber leider dringend brauchen.

  • Erzählband: "Was du nicht hast, das brauchst du nicht" von Helen Oyeyemi / CulturBooks Verlag

Großes Vergnügen: Claus Peymann liest Thomas Bernhard

"Es ist üblich, dass die Leute, wenn Sie eine Kant-Plakette bekommen oder einen Dürer-Preis, lange Reden über Kant halten oder über Dürer, fade Fäden ziehen von dem Großen zu sich selbst und ihr Hirn ausquetschen über der Versammlung wie ein faules Lexikon." Zitat

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Das Hörbuch "Meine Preise" ist bei Tacheles! erschienen und kostet 14,99 Euro.

Der da so eloquent über Literaturpreisverleihungen schimpft, ist Claus Peymann - allerdings Claus Peymann, der Thomas Bernhard liest. Der große Theatermacher sagt über seine Begegnungen mit dem großen Schriftsteller, dass er, der sonst ja gern Wortführer sei, bei ihm immer nur zugehört habe.

Thomas Bernhard starb am 12. Februar 1989, also vor bald 30 Jahren. Er hinterließ ein Manuskript mit dem Titel "Meine Preise", und jetzt hat Claus Peymann diese Texte für ein Hörbuch eingelesen.

"Mehrere Zeitungen hatten die Meldung, dass ich den Staatspreis bekomme, so aufgemacht, als handelte es sich um den großen Staatspreis, während es doch der mich demütigende kleine gewesen war. Ich würgte an dieser Tatsache." Zitat

Weil er nur den kleinen österreichischen Staatspreis bekam, als er schon über 40 war, mutmaßte Bernhard, dass man ihn damit demütigen wollte, weil man ihn für größenwahnsinnig und arrogant hielt. Es ist ein großes Vergnügen, wie Claus Peymann das vorträgt.

  • Hörbuch: Claus Peymann liest "Meine Preise" von Thomas Bernhard / Roof Music

Kochbuch für die kalten Monate

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Ein tolles Geschenk für Jung und Alt: Nigel Slaters "Das Wintertagebuch".

Etwas, das wirklich für jeden ein tolles Geschenk ist, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, ist das Wintertagebuch von Nigel Slater, der als der poetischste unter den Kochbuchschreibern gilt.

Sehr sympathisch allein schon die Tatsache, dass die Feierlichkeiten bei Nigel Slater schon am 1. November beginnen und erst zu Lichtmess am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, wieder enden. Er schwärmt von den besonderen Stimmungen, die nur die kalte und dunkle Jahreszeit bietet, und die schönen Fotos im Buch unterstreichen sein Konzept der einfachen Speisen und Getränke, die trotzdem ausgesprochen raffiniert sein können.

  • Kochbuch: "Das Wintertagebuch. Rezepte, Notizen und Geschichten für die kalten Monate" von Nigel Slater / DuMont Verlag

Die genauen Teilnahmebedingungen lesen Sie hier.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.12.2018 | 10:20 Uhr

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