Gisela de Paz Solvas mit der Choreografie "Human" beim Ballettabend "Esperanza" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. © Mecklenburgisches Staatstheater/Silke Winkler Foto: Silke Winkler

Schweriner Ballett spielt "Esperanza"

Stand: 19.10.2020 15:29 Uhr

Nähe, Distanz, Annäherung, Abstand - was uns in der Corona-Krise beschäftigt, haben die Tänzerinnen und Tänzer des Schweriner Ballett-Ensembles in sehr persönlichen Choreografien auf die Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters gebracht.

von Karin Erichsen

"Esperanza" ist spanisch und heißt Hoffnung. Unter dieses Motto haben die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Schweriner Ensembles die erste Ballett-Produktion dieser Spielzeit gestellt. Die ersten beiden Vorstellungen am Wochenende waren in vielfacher Hinsicht besonders: Erstmals konnte das Ballett-Ensemble wieder auftreten. Das gemeinsame Tanzen ist wegen der Abstandsregeln gegenwärtig zwar nicht möglich, war hier aber auch nicht erforderlich. Denn der Tanzabend "Esperanza" besteht aus acht eigenständigen Choreografien für Solisten oder kleinere Gruppen: acht ganz persönlichen Positionen der Tänzerinnen und Tänzer zum Thema Hoffnung.

Tanz als Ausdruck der Gefühle und Gedanken

Daisuke Sogawa mit der Choreografie "Fuerte" beim Ballettabend "Esperanza" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. © Mecklenburgisches Staatstheater/Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Bei den Choreografien rückten die Künstlerinnen und Künstler selbst als Persönlichkeiten in den Vordergrund.

Der Premierenabend gewährte tiefe Einblicke in das Schweriner Ballett-Ensemble. Denn die jungen Tänzerinnen und Tänzer, die ansonsten auf der Bühne bestimmte Rollen verkörpern, rückten diesmal selbst als Persönlichkeiten in den Vordergrund und gaben den eigenen Gefühlen und Gedanken Ausdruck. Ballett-Direktorin Jutta Ebnoter begleitete die Produktion lediglich als Mentorin. Den Besuchern wurde anhand der Themen und der Musikauswahl deutlich, wie jung und wie international das Schweriner Ballett aufgestellt ist. Keines der Ensemble-Mitglieder ist in Deutschland zu Hause, und die Sehnsucht nach Heimat und Identität griffen viele der Künstler auf. Die spanische Tänzerin Elena Lucas sagte, der Ballett-Abend sei schon vor der Corona-Krise konzipiert worden. Aber die Beschränkungen wegen der Pandemie hätten ihre Sicht auf die Dinge noch einmal geschärft.

Der Abstand erzeugt Spannung

Um Anpassung und Behauptung in der Fremde ging es auch in der eindrucksvollen Szene von Marc Balló Cateura und Joseph Edy, die sich als gestrandeter Flüchtling und nur scheinbar selbstsicherer Europäer argwöhnisch umschlichen und Verhaltensmuster imitierten, annahmen und verwarfen. Der Abstand, den sie dabei einhalten mussten, erzeugte sogar eine besondere Spannung.

Richard Jones mit der Choreografie "R" beim Ballettabend "Esperanza" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. © Mecklenburgisches Staatstheater/Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Die Körper sprachen, Requisiten waren kaum erforderlich.

Was zeichnet den Menschen und speziell den Künstler aus, wie lassen sich Klischees und Geschlechterrollen aufbrechen, woraus ziehen wir immer wieder Kraft, Motivation und eben Hoffnung? Das waren weitere zentrale Themen des Abends, die die jungen Tänzer und Choreografinnen mit großer Expressivität ausloteten. Requisiten waren da kaum erforderlich: ein Spiegel, eine Schaufensterpuppe, eine Maske, ansonsten sprachen die Körper.

Ensemble vor ungewisser Zukunft

Die Künstlerinnen und Künstler stehen vor einer ungewissen Zukunft. Denn fast das gesamte Ensemble und die Ballett-Direktorin müssen mit Ende dieser Spielzeit das Schweriner Haus verlassen, wenn ein neuer Intendant die Theaterleitung übernimmt. Vor diesem Hintergrund erhielt der gesamte Abend noch einmal eine ganz neue, existentielle Dimension, die bei der Konzeption vor einigen Monaten noch keine Rolle gespielt hat.

Weitere Aufführungen am Theater
Bühnenszene: In einem Kubus ohne Wände, der in einem schmucklosen schwarzen Raum steht, sitzen drei Protagonisten: im Vordergrund Julia Keiling als Inès, hinten links Christina Berger (Estelle), hinten rechts Frank Wiegard als Garcin. © Meck. Staatstheater Schwerin Silke Winkler

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Schweriner Ballett spielt "Esperanza"

Das Ballett-Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin zeigt "Esperanza", ein Stück über Nähe und Distanz.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin/Großes Haus
Alter Garten 2
19055Schwerin
Telefon:
(0385) 53 00 123
Hinweis:
Mit: Gisela de Paz Solvas, Marc Ballo Cateura, Joseph Edy, Elena Lucas, Daisuke Sogawa, Naomi Uji, Vasco Ventura, Irene López Ros, Richard Jones

Kartenreservierung auch online auf der Webseite des Mecklenburgischen Staatstheaters.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 19.10.2020 | 19:00 Uhr

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