Szene des Stücks "Oskar und die Dame in Rosa" am Schauspiel Hannover © Schauspiel Hannover Foto: Katrin Ribbe

Premiere auf der digitalen Bühne: "Oskar und die Dame in Rosa"

Stand: 25.02.2021 12:00 Uhr

Das Stück "Oskar und die Dame in Rosa" feierte am 25. Februar auf der digitalen Bühne des Schauspiels Hannover Premiere. Darin geht es um einen Jungen, der weiß, dass er bald sterben muss.

von Agnes Bührig

Ring frei für den Kampf des Lebens. Oskar und die Dame in Rosa begegnen sich in einer fiktiven Arena, markiert durch eine breite orange Umrandung, die auf dem Boden klebt. Er ist zwölf, unheilbar an Krebs erkrankt und ringt mit dem Tod; sie ist eine ehemalige Ringerin, die ihm erzählt, wie sie aussichtslose Kämpfe zum Sieg wendete.

Johanna Freigang spielt eine Dame, die wenig von einer Dame hat: "Die beiden begegnen sich das erste Mal, als Rosa sehr stark flucht. Das findet Oskar sehr spannend, weil er das nicht so oft hört. Dann stellt er ihr ganz viele Fragen, doch sie will das gar nicht, weil sie keine Lust hat, mit einem kleinen Kind zu sprechen. Aber irgendwie findet sie ihn dann auch cool, weil er sehr direkt ist und sie zwingt, Zeit mit ihm zu verbringen."

Philosophische Fragen über das Leben und den Tod

Mit seinen Eltern kann Oskar nicht über das sprechen, was er beim Belauschen eines Arztgespräches erfahren hat: Er wird sterben. Mit Rosa ist das anders. Sie geht spielerisch mit dem Thema um, muntert ihn mit kleinen Geschichten auf und bringt ihn zum Lachen. Mit Rosa kann Oskar Witze machen, darüber sprechen, was nach dem Tod passiert, darüber spekulieren, was dieses Unbekannte sein könnte - philosophische Fragen, die Regisseurin Ruth Langenberg interessiert haben: "Was ist eigentlich das Leben? Können wir wirklich fassen, was das Leben oder der Tod ist? Was können wir daraus mitnehmen, und wie funktioniert das? Wie behandelt man dieses Geschenk, das das Leben eigentlich ist, gut?"

Diese Fragen beantwortet das Stück im Zeitraffer, denn für jeden seiner letzten Tage im Leben durchlebt Oskar zehn Jahre eines Menschenlebens. Plötzlich ist er Teenager, verliebt in eine Patientin.

Ein Kammerspiel mit Anklängen an die digitale Welt

Wenige Requisiten auf der Bühne deuten die Orte der Geschichte an, im Krankenhaus, im Ring. Wie in einem Computerspiel tauchen manchmal kleine Symbole am Rand des Bildschirms auf, zählen Punkte wie im Wettkampf, füllen und leeren Herzchen. Die Kamera springt von konkreten Szenen in der Totalen in die Nahaufnahme des Erzähltextes.

Das Filmische ist für beide Schauspieler Neuland. "Ich fand es eine große Herausforderung, dass wir beide alle Rollen spielen und dadurch immer etwas finden müssen, woran man die Figur immer wieder erkennt", sagt der Schauspieler Paul Wiesmann.

"Oskar und die Dame in Rosa" am Schauspiel Hannover hat etwas von einem Kammerstück. Geradlinig durcherzählt und in der Videoversion geschickt mit kleinen Anklängen an die digitale Welt aufgepeppt, beleuchtet es unaufgeregt die große Frage nach dem Tod.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 25.02.2021 | 06:40 Uhr