Auf einem Tablet wird zu Hause ein Konzert angesehen. © fotolia Foto: apops, Lasse Teubne

Mäzene als wichtige Stütze der Kulturschaffenden

Stand: 24.01.2021 21:30 Uhr

Die Kulturwelt ächzt unter den Folgen der Corona-Pandemie, den Künstlern fehlen Einnahmen. Welche Rolle spielt da das Mäzenatentum?

von Anina Pommerenke

Vor gut zwei Monaten forderte Herbert Grönemeyer die reichsten Deutschen dazu auf, mit Spenden die finanzielle Not der Kulturszene zu lindern. Die 1,8 Millionen Millionäre in Deutschland hätten die Möglichkeit, Existenzen zu sichern und Ängste zu lindern, so der Sänger.

Unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung engagieren sich seit über 30 Jahren Stifter für die Förderung der Kulturszene. Normalerweise hat die Stiftung ein Budget von etwa einer Millionen Euro im Jahr. Im vergangenen März rief Geschäftsführerin Gesa Engelschall zusätzlich den Hilfsfonds "Kunst kennt keinen Shutdown" ins Leben. Mit erstaunlicher Resonanz: "Diese Zeit und diese Not hat ganz viele großzügige Menschen auf den Plan gerufen", sagt sie. "Und wir haben im Jahr 2020 ein enormes Engagement von hochspendablen Mäzenen erlebt. Also so stark wie in keinem Jahr zuvor."

Hilfsfonds "Kunst kennt keinen Shutdown"

In nur vier Tagen konnte der "Kunst kennt keinen Shutdown" über 550.000 Euro einsammeln. Mittlerweile spenden Privatpersonen und Unternehmen mehr als 850.000 Euro für den Hilfsfonds. Zusätzlich stellte das Ehepaar Dorit und Alexander Otto eine Million Euro zur Unterstützung von selbstständigen Kulturschaffenden zur Verfügung. NDR Kultur ist Medienpartner der Aktion. "Das zeigt wirklich das fantastische bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt und es zeigt wirklich auch den Zusammenhalt", sagt Engelschall.

Brosda: Spenden wichtige Ergänzung zu staatlicher Hilfe

Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg, im Porträt. © dpa Foto: Jonas Klüter
Manche Spenden sind große Puzzleteile, die momentan sehr dabei helfen, dass wir gut durch diese Zeit kommen", betont Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda.

Bis zu 2.000 Euro Förderung können in Hamburg arbeitende Kulturschaffende beantragen. Davon kann man zwar nicht langfristig leben, doch es ist eine sinnvolle Ergänzung zu den staatlichen Hilfen, wie auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda betont: "Wir haben in der Kulturfinanzierung immer ein Zusammenwirken verschiedener Finanzierungsquellen. Der Staat macht eine ganze Menge, das ist ein Puzzlespiel - und jedes Puzzleteil hilft. Manche der Spenden, die gerade kommen, sind große Puzzleteile, die momentan sehr dabei helfen, dass wir gut durch diese Zeit kommen."

Auch Klassik-Festivals auf Förderer angewiesen

Auf Sponsoren und Förderer sind auch die großen Klassik-Festivals im Norden angewiesen. Bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern macht der Ticketverkauf 50 Prozent des Etats aus - mehr als 40 Prozent kommen von Sponsoren und Förderern. Somit standen im vergangenen Sommer plötzlich über 90 Prozent der Finanzierung auf der Kippe, wie die neue Intendantin Ursula Haselböck berichtet. Über besonderen Rückhalt konnte sie sich aus dem Publikum freuen: Viele Menschen hätten ihre Tickets nicht zurückgegeben und auf diesem Wege gespendet. Und auch die Bereitschaft der Unternehmen sei grundsätzlich hoch, wenn es um Unterstützung gehe. "Aber wir müssen natürlich sehen, wie sich das in der Zukunft weiterentwickelt, weil die Kultur am Rattenschwanz der wirtschaftlichen Entwicklung sehr nah dranhängt. Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, dann wirkt sich das natürlich längerfristig auch auf die Kulturförderung aus."

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Kultur als wichtiger Standortfaktor

Das Schleswig-Holstein Musikfestival kann bislang in der Krise weiter auf seine Sponsoren zählen, wie Sprecherin Laura Hamdorf sagt: "Zum Beispiel auf den schleswig-holsteinischen Mittelstand, ganz besonders im Maschinenbau - da haben wir ein paar Sponsoren und die haben wirklich keine Sekunde gezögert, uns weiterhin zu unterstützen." Es sei so wichtig, den Standort Schleswig-Holstein lebenswert zu halten. Und der Standortfaktor Kultur sei auch für diese Branchen wichtig, um Fachkräfte zu gewinnen.

Beide Seiten profitieren

Von dem Engagement profitieren letztlich also beide Seiten. Das sieht auch Dorit Otto so, die sich gemeinsam mit ihrem Mann als große Profiteurin einer vielfältigen Kulturszene sieht: "Wir lieben die Kultur, wir lieben die Veranstaltungen - und uns blutet ja wirklich das Herz zu sehen, was da passiert", sagt sie. "Denn es ist ja nicht so, dass die Kulturschaffenden einfach das Geld haben wollen. Die wollen auf die Bühne, die wollen ja ihrem Beruf nachgehen, und um das zu fördern ist es ganz wichtig, dass der, der kann, auch Unterstützung anbietet."

Jedes Engagement ist wichtig

Es ist nicht die Aufgabe der Mäzene, die Kultur im Alleingang zu retten. Doch jedes Engagement ist jetzt in Krise wichtig für den Erhalt einer vielfältigen Kulturwelt und um Perspektiven aufzuzeigen. Denn die fehlen vielen Kulturschaffenden in dieser Zeit.

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NDR Kultur | Kultur | 25.01.2021 | 09:55 Uhr