Stand: 14.05.2020 16:21 Uhr

Vom Ballett zur Intendanz: "Man kann auch andere Kinder lieben"

Seit 20 Jahren arbeitet Ralf Dörnen als Ballettdirektor am Theater Vorpommern, ab Sommer 2021 übernimmt er die Leitung des Hauses. Er kenne das Theater und seine Sparten seit mehr als 20 Jahren wie kein anderer. Und: Er sei ein hervorragender Teamspieler und habe eine große integrierende Fähigkeit, heißt es in der Begründung des Auswahlgremiums. Die Entscheidung vom Aufsichtsrat und den Gesellschaftern des Theaters Vorpommern war einstimmig. 55 weitere Kandidaten hatten sich um die Intendanten-Stelle beworben.

Ralf Dörnen: Tänzer mit gesellschaftlichem Engagement

Ralf Dörnen wurde 1960 geboren. Er tanzte viele Jahre am Hamburger Ballett im Ensemble von John Neumeier, später auch als Solotänzer, bevor er im Jahr 2000 nach Greifswald kam und das Ballett Vorpommern übernahm. Dörnen erhielt 2016 den Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Hansestadt Greifswald würdigte ihn mit der Rubenow-Medaille für sein soziales, künstlerisches und gesellschaftliches Engagement.

Ralf Dörnen © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Seine Erfahrung als Ballettdirektor und seine große Teamfähigkeit haben Ralf Dörner den neuen Job als Intendant eingebracht.

Bei mehr als 50 Bewerbern ist Ralf Dörnen überrascht, dass die Wahl letztlich auf ihn gefallen ist. "Man weiß ja auch von anderen Theatern, dass da immer sehr, sehr viele Bewerbungen sind. Ich finde es eine mutige Entscheidung von den Entscheidungsträgern", sagt er im Interview mit NDR 1 Radio MV, "dass es jemand ist, der aus dem Ballett kommt." Dass jemand, der seine Karriere mit Tanz angefangen hat, sei seines Wissens "deutschlandweit das erste Mal."

Auf die Frage, wann er mit der konkreten Planung für die nächsten Monate beginne, antwortet Dörnen: "Morgen! Ich muss jetzt anfangen, Leute zu kontaktieren. Ich muss mir Gedanken machen, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Dazu muss ich die richtigen Leute finden und das wird jetzt auf jeden Fall sofort anfangen."

Noch mehr Ballett auf dem Spielplan?

Wird auf dem Spielplan des Theaters Vorpommern unter seiner Regie nun mehr Ballett stehen als zuvor? "Nein, aber es steht mindestens genau so viel Ballett drauf", so die eindeutige Antwort. Der Tanz solle nicht zulasten der anderen Sparten gehen. "Oper ist eine Sparte für sich. Schauspiel ist eine Sparte für sich. Das Konzert bleibt das Konzert. Das ist alles gut und richtig so", so Dörnen. "Es wird eventuell Dinge geben, die sich verändern, weil ich teilweise eine andere Sichtweise auf Theater habe. Das bringe ich mit. Das ist vielleicht eine ästhetisch andere Sicht, weil ich vom Tanz komme." Inwieweit Dörnens tänzerische Vergangenheit das Geschehen auf der Bühne verändere, müssten dann aber andere beurteilen. "Ich möchte gutes Theater in allen Sparten machen - für diese Region, für die Leute, die zu uns kommen."

"Meine allererste Liebe ist das Ballett"

Aktuell ist er ja noch Ballettdirektor. Wie wird er sich als Intendant in Zukunft um diesen Bereich kümmern? Zwar wird Dörnen sich zurück-, aber nicht gänzlich aus der Sparte Ballett herausziehen. "Ich habe einen sehr guten Assistenten. Er muss mehr übernehmen", so der Intendant in spe. Es bleibe aber bei einer Zusammenarbeit. "Und ich nehme an, dass wir dazu noch einen Ballett-Meister oder eine Ballett-Meisterin engagieren werden", ergänzt Dörnen. "Meine allererste Liebe ist das Ballett, das ist so. Aber das heiß nicht, dass man nicht auch andere Kinder lieben kann."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.05.2020 | 19:00 Uhr