Die Reportage

Ohne Stress und Strafe

Montag, 01. Januar 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Zoo Hannover: Nasenbärin Suelita, Pflegerin Angelika Kruth und NDR Info Reporterin Ulrike Ulferts. © NDR

Ohne Stress und Strafe: Klickertraining für Zootiere

NDR Info - Die Reportage -

Pfleger, Tierarzt, Transporteur: Auch halbwilde Tiere im Zoo kommen in engen Kontakt mit Menschen. Statt Betäubungsspritze setzen Zoos zunehmend auf das Klickertraining.

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Klickertraining für Zootiere
Von Ulrike Ufer

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Der sogenannte "Klicker".

Auch halbwilde Tiere im Zoo kommen ständig in engen Kontakt mit Menschen: die Pfleger wollen sauber machen, der Tierarzt muss die Zähne kontrollieren und manchmal steht sogar ein Transportunternehmer im Gehege. Statt strenger Dressur oder Betäubungsspritze setzen Tierparks deshalb zunehmend auf eine Methode punktgenauer positiver Verstärkung: das Klickertraining. Dabei signalisiert ein metallisches Klickgeräusch dem Tier, dass es sich mit einem bestimmten Verhalten in Kürze eine leckere Belohnung verdient hat. Unerwünschtes Verhalten ignorieren die Pfleger dabei geflissentlich, Sanktionen oder gar Strafen bleiben aus. Und wenn das Tier nicht mehr lernen mag, dreht es sich einfach um und kann weggehen. Auf diese Weise  werden zum Beispiel Gürteltiere in Hannover, Tiger in Hamburg und Bären in Rosengarten trainiert. Die Übungen basieren auf Methoden aus den USA, die wiederum auf Erkenntnisse des russischen Verhaltensforschers Iwan Pawlow aus dem Jahr 1905 zurückgehen.

Ohne Stress und Strafe

Klickern für Tiger

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Tigerin Maruschka im Hamburger Tierpark Hagenbeck wird mit Klickertraining ausgebildet.

Im Tigerhaus des Tierparks Hagenbeck in Hamburg: im Halbdunkel ist kühler Stein auszumachen, ein paar Gitterstäbe, dahinter noch einmal eine Lage Maschendrahtzaun. Für die Pfleger und die beiden Tiger eine reine Arbeitsumgebung - toben und tollen können die beiden eleganten Riesenkatzen draußen im weitläufigen Freigehege. Tobias Taraba hat tote Eintagsküken für die Unterrichtseinheit mitgebracht - in einer passenden Verpackung für Leckerlis. Einen ausgemachten Lieblingstiger hat Tobias Taraba nicht. Allerdings ist nach seiner Beobachtung das Weibchen Maruschka manchmal ein bisschen zurückhaltender und Jascha einfach ein sehr freundlicher Tiger - soweit sich das über ein Raubtier mit 200 Kilogramm Lebendgewicht sagen lässt.

Target-Training

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Ziel des Training: zum Beispiel die einfachere Gabe von Medikamenten.

Seit etwa einem halben Jahr arbeitet der Pfleger mit seinen beiden Lieblingen mit Klickertraining. Es ist ratsam, die Tiere nicht aus der Hand fressen zu lassen, sondern aus einem großen Metallgerät: "Jetzt mache ich erstmal die Packung mit den Küken auf. Dann brauche ich noch meine Pinzette und meinen Target. Ein Target kann alles mögliche sein, in diesem Fall ist es einfach ein Bambusstab, wo oben aus Klebeband eine Kugel geformt wurde. Und das erste Ziel, was ich jetzt mit den Tigern übe, ist, dass sie mit der Nasenspitze an dieses Target rangehen, es berühren. Daraufhin wird geklickert, die Belohnung gegeben, und Ziel ist es, dass sie dann auch irgendwann länger an diesem Target sind, dem Target folgen, also zum Beispiel auch Kommandos nach unten oder nach oben, und eventuell sich dann auch auch drehen und dass man dann halt Medikamente, wie zum Beispiel die jährliche Impfung, nicht mit einem Blasrohr geben muss, sondern dann einfach mit der Spritze durchs Gitter durch."

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