Die Fußballer des TSV Havelse bejubeln den Aufstieg in die Dritte Liga. © IMAGO / HMB-Media

Aufstieg! Der TSV Havelse ist Drittligist

Stand: 19.06.2021 17:13 Uhr

von Johannes Freytag

Als um 14:56 Uhr der Schlusspfiff ertönte, gab es kein Halten mehr. Aus den Lautsprechern dröhnte die heisere Stimme des Stadionsprechers, der "Jaaa! Dritte Liga, wir kommen!" grölte, auf dem Rasen fielen die TSV-Spieler übereinander her und führten Freudentänze auf. Auf den Rängen schwenkten die Fans rot-weiße Fahnen und feierten die Rückkehr ihres Clubs auf die überregionale Fußballbühne.

Havelse ist Drittligist - 30 Jahre nach ihrem kurzen Zweitliga-Intermezzo (1990/1991) ist den Garbsenern der große Wurf gelungen. Und das, obwohl sie in diesem Jahr lediglich zwei Pflichtspiele - nämlich die beiden Duelle mit Schweinfurt - bestritten haben. Wegen der Corona-Pandemie war die Saison in der Regionalliga Nord abgebrochen und Havelse per Verbandsbeschluss für die Aufstiegsspiele gegen den bayerischen Vertreter bestimmt worden.

Aufstiegscoach Zimmermann schon Montag bei Hannover 96

Statt gegen Flensburg, Rehden oder Jeddeloh darf Havelse nun gegen Traditionsclubs wie 1860 München oder den 1. FC Kaiserslautern sowie die niedersächsischen Rivalen VfL Osnabrück, Eintracht Braunschweig und SV Meppen antreten. Die Heimspiele werden in der Arena von Hannover 96 ausgetragen. Zum benachbarten Zweitligisten wechselt Havelses Trainer Jan Zimmermann. Schon Montag tritt Zimmermann seinen 96-Job an.

Und das mit etwas Wehmut, wie der 41-Jährige im NDR Interview offen zugab: "Egal, wo ich hingegangen wäre, ich hätte immer Kontakt zu dem Verein und den Jungs gehalten. Havelse wird immer mein Verein bleiben. Das sind meine Jungs, die sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe hier viele Freunde, deswegen wird mein Weg immer irgendwie nach Havelse führen."

Schweinfurt mit Chancen im Minutentakt...

In der tropischen Mittagshitze von Garbsen erlebten die 1.100 Zuschauer vom Anpfiff weg ein intensives, spektakukläres Spiel mit offenem Visier. Den ersten Aufreger gab es bereits nach vier Minuten, als Havelses Kevin Schumacher im Strafraum zu Fall kam, Schiedsrichter Christoph Günsch aber weiterspielen ließ. Danach hatte Schweinfurts Adam Jabiri gleich drei Großchancen zur Gäste-Führung: Zweimal scheiterte er an Keeper Norman Quindt (6., 7.), einmal klärte Tobias Fölster auf der Linie (8.). Auch Thomas Haas brachte den Ball nicht in Havelses Tor unter (11.).

...aber Havelse geht in Führung

Die Gäste waren das deutlich bessere Team: Angriff auf Angriff rollte auf die TSV-Defensive zu, der Torerfolg schien nur eine Frage der Zeit. Amar Suljic vergab den nächsten Hochkaräter, als er aus knapp zwei Metern den Ball am Pfosten vorbeispitzelte (21.). Der fast schon fahrlässige Umgang der Unterfranken mit ihren Torchancen wurde in der 35. Minute bitter bestraft: Nach einer Balleroberung im Mittelfeld stürmte Schumacher wuchtig in Richtung Schweinfurter Tor und hämmerte den Ball aus vollem Lauf von der Strafraumkante in den Winkel - 1:0 für Havelse, praktisch aus dem Nichts!

Wenig später fiel beinahe das 2:0, doch Noah Plumes Kopfball aus kurzer Distanz verfehlte das Tor (38.). Hatten die Gastgeber da noch Pech, so durften sie kurz vor der Halbzeitpause von Glück reden, als Jabiri nur die Latte traf (41.) und Schiedsrichter Günsch den ungestümen Einsatz von Niklas Teichgräber im Strafraum gegen Kevin Fery ungeahndet ließ (45.+1).

Wenig Torszenen in Hälfte zwei

Auch im zweiten Durchgang bot sich den Zuschauern das gleiche Bild: Schweinfurt stürmte, Havelse lauerte auf Konter. Aber es dauerte bis zur 65. Minute, ehe es wieder gefährlich vor dem TSV-Tor wurde: Jabiri verfehlte eine Hereingabe nur knapp.

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Fußballtrainer Jan Zimmermann © IMAGO / Joachim Sielski

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Defensiv standen die Hausherren gut, offensiv gelang ihnen jedoch nur wenig. Zwei aussichtsreiche Konterchancen wurden schlampig zu Ende gespielt (51., 60.). Aber die Havelse-Spieler kämpften um jeden Zentimeter, warfen sich leidenschaftlich in jeden Zweikampf - und mit jeder Minute, die verstrich, schwand bei den Gästen die Zuversicht, das Spiel noch drehen zu können. Schumacher (81.) und Fölster (83.) hätten sogar vorzeitig alles klar machen können, vergaben aber ihre Chancen. So musste sich der TSV-Anhang bis zum Schlusspfiff gedulden. Dann aber war der Jubel groß: "Nie mehr Vierte Liga - nie mehr, nie mehr", schallte es von den Rängen.

2.Spieltag, 19.06.2021 13:00 Uhr

TSV Havelse

1

Schweinfurt

0

Tore:

  • 1:0 Schumacher (35.)

TSV Havelse: Quindt - Kina, Fölster, Tasky, Teichgräber - Plume, Meien, Cicek (30. Langfeld / 86. Sonnenberg), Damer (76. Rufidis), Schumacher (85. Lakenmacher) - Jaeschke (75. Bremer)
Schweinfurt: Zwick - Haas, Billick, Rinderknecht (14. Maier), Grözinger - Fery (77. Pieper), Böhnlein (77. Ramser), Suljic, Adlung, Cekic (59. Marinkovic) - Jabiri
Zuschauer: 1100

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 19.06.2021 | 16:07 Uhr

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