Stand: 31.07.2018 22:00 Uhr

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

von Michael Latz, NDR 2
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Die Zulassungszahlen von E-Autos sind nicht so hoch, wie erwartet.

Ursprünglich wollte die Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen, um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu verringern. Dieses Ziel wird weit verfehlt. Zwar steigen die Zulassungszahlen inzwischen deutlich, aber bisher gibt es nur knapp 54.000 E-Autos in Deutschland - ein Anteil am Gesamtverkehr, der kaum von Bedeutung ist. Dieter Teufel vom Umwelt- und Prognose-Institut in Heidelberg (UPI) findet das gut. Er hat eine Ökobilanz für die Stromer erstellt und ist überzeugt, dass es noch zu früh ist, um Verbrennungsmotoren im großen Stil durch Strom zu ersetzen.

Wie grün ist grüner Strom?

Teufel und andere Mobilitätsforscher kritisieren, dass das Elektroauto gerne als Null-Emissions-Fahrzeug betrachtet wird. Dabei verursachen auch Elektroautos Kohlendioxid-Emissionen, solange aus der Steckdose ein Mix aus Atomkraft, Kohle und erneuerbaren Energien kommt. Das UPI argumentiert: Erst wenn Windkraft und Solarenergie auch die Kohle ersetzt haben, ist der Strom wirklich emissionsfrei.

Der Versorger Hamburg Energie, der rund 600 öffentliche Ladestationen mit zertifiziertem grünem Strom versorgt, widerspricht dem. Zwar stammt der Strom an der Ladestation rein physikalisch unter Umständen aus dem Kohlekraftwerk in der Nähe. Bilanziert und abgerechnet wird er aber als Ökostrom. Hamburg Energie muss dafür Zertifikate zum Beispiel bei einem Windpark kaufen und fördert auf diese Weise letztlich auch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch wer sein E-Auto zu Hause auflädt, hat über die Wahl seines Stromversorgers Einfluss darauf, aus welchen Quellen die Energie stammt.

Eckard Helmers von der Hochschule Trier warnt ebenfalls davor, den wichtigsten Beitrag des E-Autos zum Umweltschutz kleinzureden. Er betont, dass E-Autos vor Ort auf der Straße keine Abgase verursachen - weder Kohlendioxid noch die giftigen Stickoxide. Das allein schon sei ein großer Gewinn, selbst wenn der Strom nicht zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen sollte, so Helmers.

Vorbelastet durch den Akku

Unumstritten ist dagegen, dass Elektroautos bei ihrer Herstellung die Umwelt deutlich stärker belasten als herkömmliche Fahrzeuge. Die Gewinnung der Rohstoffe für die Batterien und deren Bau verbrauchen viel Energie. Die E-Autos starten daher mit einem großen Kohlendioxid-Rucksack. Je nach Größe der Batterien und je nach Berechnung müssen E-Autos mehrere Zehntausend Kilometer fahren, um aus dem Umweltdispo herauszukommen. Der Versuch, immer größere Reichweiten und Beschleunigungen zu erzielen, verschärft das Problem noch. Allerdings wird am Herzstück der E-Autos viel geforscht. In Kiel zum Beispiel suchen Wissenschaftler nach Alternativen zu den bisherigen Rohstoffen. Und in Braunschweig entwickeln Forscher erste Recycling-Methoden für Akkus aus Elektroautos.

Mehr Leistung, weniger Öko?

Ob das massentaugliche Elektroauto der Zukunft wirklich umweltfreundlich ist, wird auch eine Frage des Gewichts sein. Davon ist Mobilitätsexperte Wolfgang Lohbeck überzeugt. Vor mehr als 20 Jahren hat er für Greenpeace ein Drei-Liter-Auto entwickelt. Jetzt warnt er vor Stromern, die zwei Tonnen und mehr auf die Waage bringen und mit Reichweiten von mehr als 400 Kilometern werben. "Bei der Elektrifizierung der Mobilität müsste es einen Wettbewerb von unten nach oben geben. Je leichter, desto größer die Reichweite, desto geringer die Umwelt-Probleme, desto erschwinglicher. Alles muss nach unten gehen", sagt Lohbeck.

Genau diesen Ansatz verfolgt der Aachener Forscher Günther Schuh. Für die Deutsche Post hat er schon einen Lieferwagen entwickelt. Nun geht der Professor der RWTH mit einem Elektro-Kleinwagen in Serienproduktion. Der e.Go Life hat zwar nur eine Reichweite von 100 Kilometern - dafür wiegt der Viersitzer aber nur etwas mehr als das Batteriepaket eines Tesla. "Es ist ein Auto für kurze Strecken in der Stadt", erklärt Günther Schuh. "Für Lieferdienste, Firmen und 'Mama-Taxis'." Schnell und weit mit einer Batterie zu fahren, hält er dagegen für nicht sinnvoll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.08.2018 | 07:20 Uhr

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