Stand: 08.06.2018 11:54 Uhr

Was schützt vor Zecken?

von Annette Niemeyer
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Ein Zeckenstich kann Borreliose oder FSME-Erreger übertragen.

Zecken kommen in Deutschland überall in der Natur vor - nicht nur im Wald, auch in Stadtparks, Gärten und Wiesen. Sie befallen Menschen, Mäuse, Katzen und Hunde, aber auch Vögel. Eine Zecke braucht in jedem Entwicklungsstadium (Larve, Nymphe, erwachsenes Tier) eine Blutmahlzeit, um sich weiterentwickeln zu können. Gefährlich für Menschen ist nicht der Stich der Zecke, sondern die durch sie übertragenen Krankheitserreger: Borrelien und Viren, die eine spezielle Form der Hirnhautentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME) hervorrufen.

Zecken auf einem weißen Tuch.

Zecken im Garten: Welche Mittel schützen?

Markt -

Gegen Zecken im Garten sollen spezielle Sprays, Rollen und Fallen schützen. Wie sinnvoll ist der Einsatz? Und wie gefährlich sind die Wirkstoffe für andere Tiere wie Bienen und Katzen?

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Körper nach Zecken absuchen

Zecken sitzen auf Gräsern oder Blättern und lassen sich dort von Tieren oder Menschen abstreifen. Auf der Suche nach einer guten Stichstelle wandern sie über den Körper. Dort kann man sie überall finden, bei Kindern häufig im Kopfbereich. Der Parasitologe Masyar Monazahian vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt empfiehlt, den Körper nach jedem Aufenthalt in der Natur sorgfältig abzusuchen.

Zeckenentferner: Karte oder Pinzette?

Hat man eine festgesaugte Zecke gefunden, kann man sie mit den Fingerspitzen oder einem Hilfsmittel entfernen. Zecken-Karten im Kreditkartenformat sind praktisch, weil man sie immer im Portemonnaie bei sich haben kann. Allerdings bekommt man sehr kleine Zecken damit manchmal nicht zu fassen.

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Eine spezielle Zeckenzange eignet sich gut, um die Blautsauger zu entfernen.

Für kleine Blutsauger sind spitz zulaufende oder gebogene Zecken-Pinzetten besser geeignet. Damit fasst man die Zecke dicht an der Hautstelle, an der sie sich festgesaugt hat, und zieht sie senkrecht heraus. Gröbere Modelle aus Plastik kann man zum Zecken-Entfernen an Hunden oder Katzen verwenden, wenn die Zecke sehr vollgesogen ist. Weniger geeignet sind Kosmetik-Pinzetten, wie sie zum Auszupfen von Haaren verwendet werden: Sie verdecken die Sicht auf die Zecke, wenn man sie herausziehen möchte.

Es besteht übrigens kein Grund zur Panik: Wer das Rausziehen nicht alleine schafft, kann in Ruhe zum Arzt gehen, denn nach dem Stich dauert es eine Weile, bis Borrelien übertragen werden. In den ersten 8 bis 24 Stunden ist die Gefahr einer Übertragung gering.

Zeckensprays für den Körper häufiger anwenden

Tests der Stiftung Warentest im Mai 2017 haben gezeigt, dass Zeckensprays mit den Wirkstoffen Icaridin und DEET in der Regel gut wirken. Die Sprays überdecken den menschlichen Körpergeruch und riechen für Zecken offenbar abstoßend. Giftig für Zecken sind die Sprays aber nicht. Wichtigster Tipp zum Gebrauch der Sprays: Man muss sie alle zwei bis drei Stunden neu auftragen. Der von einigen Herstellern versprochene achtstündige Schutz ist nicht realistisch.

Zecken im Garten mit Permethrin bekämpfen?

Einige Hersteller bieten spezielle Mittel an, die Zecken im Garten bekämpfen sollen. Sie enthalten meist den Wirkstoff Permethrin. Die Mittel sind in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, zum Beispiel als Flüssigkeit, die im Garten versprüht wird, oder als sogenannte Zeckenrollen. In den Rollen steckt mit Permethrin imprägnierte Baumwolle, die Mäuse gern zum Nestbau verwenden. Da Mäuse ein wichtiges Wirtstier für Zecken sind, kann so die Anzahl der Zecken im Garten reduziert werden.

Wichtig: Das bedeutet aber nicht, dass man auf das Absuchen des Körpers nach dem Aufenthalt im Freien verzichten kann, sagt Parasitologe Monazahian. Denn Wirtstiere wie Igel oder Marder können immer wieder neue Zecken in den Garten tragen.

Permethrin: Einsatz im Garten umstritten

Allerdings ist Permethrin nicht nur für Zecken giftig, sondern auch für Bienen oder Katzen. Deshalb sehen Umwelttoxikologen wie Gesine Witt, Professorin für Umweltchemie und Ökotoxikologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg, den Einsatz im Garten durchaus kritisch.

Die Hersteller führen an, dass Permethrin vor allem im Labor sehr toxisch für Bienen sei, im Freiland aber auch eine abstoßende Wirkung auf Bienen habe, sodass sie die behandelten Flächen meiden.

Dass Permethrin für Katzen gefährlich sein kann, war lange Zeit nicht bekannt. Festgestellt wurde es dadurch, dass Katzenbesitzer ihren Tieren Zeckenhalsbänder mit dem Wirkstoff Permethrin anlegten, die eigentlich für Hunde verkauft wurden. Der Hersteller einer Zeckenrolle teilte Markt mit, bei Freilandversuchen habe es keine Hinweise gegeben, dass der Verzehr von Mäusen, die in Nestern mit Permethrin-getränkter Baumwolle leben, die Katzen gesundheitlich beeinträchtige. Man könne davon ausgehen, "dass das Risiko von Zeckenrollen für Katzen bei bestimmungsgemäßer Verwendung als sehr gering einzuschätzen ist".

Zecken im Garten mit Duftstoffen anlocken

Zeckenfallen kommen nach Herstellerangaben ohne Gift aus. Stattdessen locken sie Zecken mit Duftstoffen in eine Falle, die im Garten aufgestellt wird. Fragwürdig an der Methode: Die häufigst Zeckenart, der Gemeine Holzbock, bewegt sich erst, wenn sie auf dem Körper eines Wirtstiers gelandet ist. Nur die in Deutschland eher seltene Auwaldzecke bewegt sich aktiv auf ihren Wirt zu. Auf die Frage von Markt, wie Zeckenfallen funktionieren sollen, gab der befragte Hersteller keine Antwort.

Zecken nicht im Labor untersuchen lassen

Nach einem Zeckenstich haben die meisten Menschen Angst, dass Krankheitserreger übertragen wurden. Vielen erscheint es sinnvoll, die Zecke an ein Labor zu schicken und dort auf Borrelien und FSME-Viren überprüfen zu lassen. Doch davon raten Experten ab. Denn auch wenn in einer Zecke Borrelien nachgewiesen werden, bedeutet das nicht, dass sie auf den Menschen übertragen wurden. Und nicht jede Übertragung führt dazu, dass der gestochene Mensch tatsächlich erkrankt. In manchen Fällen wird das Immunsystem allein mit dem Erreger fertig. Und: Nicht immer stimmen die Laborergebnisse, sie können also Betroffene in unnötige Sorge versetzen oder aber in vermeintlicher Sicherheit wiegen.

Infektion mit Borrelien erkennen und behandeln

Nach einem Zeckenstich empfiehlt Parasitologe Masyar Monazahian auf Symptome einer Borreliose zu achten. Dazu sollte man nach dem Entfernen der Zecke die Einstichstelle dokumentieren (ein Foto mit dem Handy reicht) und bis zu sechs Wochen lang beobachten. Ist es zu einer Infektion mit Borrelien gekommen, bildet sich rund um die Einstichstelle in vielen Fällen eine sogenannte Wanderröte. Im Anfangsstadium können auch Grippe-ähnliche Symptome auftreten. Beim Verdacht auf Borreliose sollte man zum Hausarzt gehen. Er wird das Blut auf Antikörper untersuchen. Bestätigt sich der Verdacht, erfolgt in der Regel eine dreiwöchige Antibiotika-Therapie.

Nicht jede Zecke überträgt FSME-Viren

FSME-Viren treten vor allem in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Tschechien, Teilen von Polen, den Ländern des Baltikums und Skandinavien auf. Doch selbst in den FSME-Risikogebieten ist nicht jede Zecke mit den Viren infiziert. Das Risiko liegt bei etwa 1:500. Das bedeutet: Statistisch gesehen werden FSME-Viren dort bei jedem 500. Zeckenstich übertragen. In Norddeutschland sind FSME-Erkrankungen äußerst selten. In Niedersachsen zum Beispiel gab es 2017 laut offizieller Statistik nur fünf Fälle bei insgesamt rund acht Millionen Einwohnern.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 11.06.2018 | 20:15 Uhr

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