Stand: 24.02.2020 15:48 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Vorräte: Notfallvorsorge im Krisenfall

Eine Frau steht an einem Supermarktregal © picture alliance / imageBROKER Foto: Jochen Tack
Wie sinnvoll ist es, Notvorräte anzulegen?

Ein tagelanger Stromausfall in Deutschland - kein schönes Szenario. Denn ohne Strom funktioniert vieles nicht mehr: Der Verkehr liegt lahm, Geldautomaten streiken, Tankstellen und Supermärkte bleiben geschlossen. In dieser Situation könnten Lebensmittel knapp werden. Wie sinnvoll ist es daher, Notvorräte anzulegen?

Der Staat hat Krisenvorräte eingelagert

Der Staat hat vorgesorgt, damit im Krisenfall keine Panik ausbricht: Seit den 1960er-Jahren werden Krisenvorräte eingelagert. An 150 geheimen Standorten sind rund 800.000 Tonnen Lebensmittel versteckt, umgerechnet rund zehn Kilogramm für jeden Bundesbürger. Bevorratet werden zum Beispiel Reis, Trockenerbsen und Linsen, die nahrhaft und bis zu zehn Jahre haltbar sind. Im Notfall sollen daraus warme Mahlzeiten entstehen. Mehr als die Hälfte der Notvorräte ist Getreide, aus dem im Krisenfall Mehl und dann Brot werden.

Allerdings gibt es auch Kritik an der staatlichen Vorratshaltung: Forscher der Freien Universität Berlin halten das Konzept für nicht praktikabel. Denn zum einen seien die eingelagerten Rohstoffe nicht verzehrfertig, sondern müssten zubereitet werden. Zum anderen seien die Standorte nur auf Bundesebene bekannt. Die zuständigen Stellen wüssten nicht, wo diese Standorte sind, und könnten dementsprechend keine Notfallplanung treffen.

Bundesamt rät zur privaten Notfallvorsorge

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte selbst vorsorgen. Das Amt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät, pro Person Vorräte für mindestens zehn Tage anzulegen:

  • 20 Liter Wasser
  • 2,6 Kilogramm Milch und Milchprodukte
  • 3,5 Kilogramm Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln
  • 6,5 Kilogramm Gemüse- und Obstkonserven.

Für eine vierköpfige Familie sind das rund 130 Kilogramm Not-Vorräte. Das ist teuer und beansprucht viel Lagerplatz.

Konservierungsmittel sind umstritten

Wichtig ist zudem, auf die Haltbarkeit der eingelagerten Lebensmittel zu achten. Die Lebensmittelindustrie arbeitet mit verschiedenen Konservierungsstoffen. Verbraucherschützer warnen allerdings, dass fast alle der in Europa zugelassenen Konservierungsstoffe bedenklich seien. So wird zum Beispiel auf Käse Natamycin gesprüht - ein Mittel, das auch gegen Fußpilz eingesetzt wird. In anderen Lebensmitteln steckt Kaliumsorbat. Es steht im Verdacht, unsere Gene zu schädigen. Häufig verwendet wird Natriumbenzoat, das sich im Körper zu krebserregendem Benzol verwandeln kann.

Gibt es Alternativen zum Pökeln?

Wurst und Schinken werden meistens mit Räuchern und Pökeln haltbar gemacht.  Doch gerade letzteres steht mittlerweile in Verruf: Zwar schützt das Pökelsalz Natriumnitrit das Fleisch vor gefährlichen Keimen und macht es schmackhaft und appetitlich rot. Dennoch warnt sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO vor gepökeltem Fleisch.

Wissenschaftler forschen daher an Alternativen zum Pökelsalz, etwa Gemüseextrakte. Pflanzen wie Rote Beete oder grüner Salat enthalten von Natur aus Nitrat. Dieses kann sich mit Hilfe spezieller Bakterien in das konservierend wirkende Nitrit wandeln. Der Vorteil: Dieser pflanzliche Konservierungsstoff ist gesünder.

Lebensmittel haltbar machen

Es gibt weitere Möglichkeiten, Nahrungsmittel lagerfähig zu machen:

  • Beim Pasteurisieren wird Milch kurz bei hoher Temperatur erhitzt. Bei 75 Grad Celsius sind schon nach 15 Sekunden alle schädlichen Bakterien vernichtet.
  • Mit Hitze werden auch Säfte haltbar gemacht und etliche Lebensmittel, die in Gläsern oder Konservendosen verkauft werden.
  • Noch schonender ist es, Lebensmittel per Vakuum haltbar zu machen:  Ohne Luft verpackt, arbeiten die zersetzenden Mikroorganismen nämlich viel langsamer.
  • Ähnlich funktioniert auch die sogenannte Schutzbegasung.

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Dieses Thema im Programm:

Arte | Xenius | 24.02.2020 | 16:50 Uhr

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