Stand: 30.07.2019 10:00 Uhr

Was bedeuten die größten Tierwohl-Labels?

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Arme Schweine? Tierwohl-Labels sollen Fleisch kennzeichnen, das aus tierfreundlicher Haltung stammt.

Schweine, die auf engstem Raum gehalten werden, Hühner, die mit Antibiotika gefüttert werden, oder Rinder, die sich auf stundenlangen Tiertransporten quälen: Vielen Menschen ist die Vorstellung, dass Nutztiere unnötig leiden müssen, zuwider. Tierwohl-Labels sollen erkennbar machen, welches Fleisch von Tieren aus verantwortungsvoller und artgerechter Haltung stammt.

Zwei Rinder stehen auf einer Weide. Unten rechts wird ein Tierwohl-Label eingeblendet

Fleisch: Was bringt das "Haltungsform"-Siegel?

Markt -

Die Kennzeichnung "Haltungsform" soll Verbraucher informieren, woher abgepacktes Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten wurden. Doch Verbraucherschützer kritisieren das Siegel.

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Unverbindliches staatliches Tierwohl-Label kommt 2020

Doch nach wie vor existiert kein einheitliches Siegel. Stattdessen gibt es mehrere Labels, die unterschiedlich hohe Standards in der Tierhaltung einfordern. Jüngst hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein neues staatliches Tierwohl-Label vorgestellt, das ab 2020 zunächst nur für Schweinefleisch eingeführt werden soll. Siegel für Rind und Geflügel sollen folgen. Das dreistufige Label mit jeweils ansteigenden Anforderungen sieht unter anderem mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere im Stall sowie bessere Bedingungen bei Transport und Schlachtung vor.

"Haltungsform" kommt staatlichem Label zuvor

Mit dem gemeinsamen Tierwohl-Label "Haltungsform" kommen mehrere Supermarktketten der Einführung des staatlichen Siegels zuvor. Es kennzeichnet die Haltungsbedingungen in vier Kategorien: Stallhaltung (rot), Stallhaltung Plus (blau), Außenklima (orange) und Premium (grün). Die Haltungsbedingungen von Tieren der Kategorie Stallhaltung erfüllen dabei nur die gesetzlichen Mindestanforderungen, was den Platz angeht. In der Kategorie Premium haben die Tiere Auslauf im Freien. Landwirtschaftsministerin Klöckner kritisierte die "Haltungsform"-Kriterien als unzureichend, weil sie sich im Wesentlichen nur auf die Bedingungen der Stallhaltung bezögen.

Verbraucherschützer kritisieren Klöckner-Pläne

Viel Kritik gibt es auch am geplanten staatlichen Siegel, dass ein freiwilliges, unverbindliches Label sein wird. Kritiker, darunter etwa die Verbraucherorganisation Foodwatch, fordern eine verpflichtende Kennzeichnung. Tierschützer monieren zudem, dass die Kriterien vor allem in der ersten Stufe nicht streng genug seien.

Freiwillige Tierwohl-Label, die dem Verbraucher eine Orientierung geben sollen, gibt es in Deutschland bereits mehrere. Nach welchen Kriterien werden sie vergeben? Ein Überblick:

Bio-Siegel

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Beim Tierschutz haben die großen deutschen Bio-Anbauverbände striktere Richtlinien als das EU-Bio-Siegel.

Bio-Betriebe haben generell relativ strenge Richtlinien bezüglich der Tierhaltung. Zu unterscheiden ist aber zwischen deutschen Bio-Anbauverbänden wie Naturland, Bioland oder Demeter und dem EU-Biosiegel, das teilweise niedrigere Anforderungen stellt. So schreibt etwa das EU-Siegel nicht vor, wie viel Auslauf Milchkühe und Mastrinder haben sollen, sondern lediglich, dass ein Maximum an Weidegang zu gewährleisten ist. Auch müssen die Tiere nicht ausschließlich Bio-Futter erhalten. Für Transport und Schlachtung macht das EU-Bio-Siegel im Gegensatz zu den deutschen Anbauverbänden, die Wert auf kurze Transportstrecken und -zeiten legen (maximal vier Stunden), keine speziellen Vorgaben.

Neuland

Neuland ist ein Verein, der ein sogenanntes Markenfleisch-Programm aufgelegt hat. Bezüglich der Tierhaltung legt Neuland strenge Kriterien an, die denen der deutschen Bio-Anbauverbände ähneln, etwa, was den freien Auslauf für Hühner beziehungsweise den Weidegang für Rinder und Milchkühe betrifft. Die Ställe bieten ausreichend Platz und sind mit Stroh ausgestattet. Ferkel werden immer unter Betäubung kastriert, es werden keine vorbeugenden Medikamente verabreicht und der Transport zum Schlachthof darf nicht länger als vier Stunden dauern.

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Bereits seit 1988 besteht der Neuland-Verein. Sein Ziel ist eine tiergerechte Haltung.

Anders als bei Bio-Betrieben muss bei Neuland das Futter nicht aus biologischem Anbau stammen, allerdings wird ausschließlich mit einheimischem und gentechnikfreiem Futter gefüttert. Träger des Neuland-Vereins sind unter anderem der Deutsche Tierschutzbund und der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Fleisch von "Neuland" ist in ausgewählten Fleischereien sowie in den Hofläden der "Neuland"-Betriebe erhältlich. Eine Liste mit Bezugsquellen findet sich auf der Neuland-Homepage.

Label "Für mehr Tierschutz"

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Die mit zwei Sternen gekennzeichnete Premium-Stufe schneidet bei Verbraucherschützern gut ab.

Das Label "Für mehr Tierschutz" hat der Deutsche Tierschutzbund im Jahr 2013 eingeführt. Das zweistufige Siegel bewertet die Haltung von Masthühnern, Mastschweinen und seit Anfang 2016 auch von Legehühnern in der konventionellen Landwirtschaft. Die Einstiegsstufe, auf dem Label mit einem Stern gekennzeichnet, garantiert dabei etwa Hühnern und Schweinen mehr Platz. Außerdem müssen Hühnerställe Sitzstangen und Pickgelegenheiten bieten, die Tiere dürfen pro Tag nur in Maßen gemästet werden. Schweinen stehen Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Mastschweinen ist das Kürzen der Schwänze und das Kastrieren ohne Betäubung verboten. Zudem dürfen die Tiertransporte nicht länger als vier Stunden dauern - in diesem Punkt und bei den Vorschriften zu Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere ist dieses Label strenger als das EU-Bio-Siegel.

Nur Premium-Stufe steht für "hohes Tierschutzniveau"

Die Premium-Stufe, die mit zwei Sternen gekennzeichnet ist, setzt strengere Kriterien an. Hühner und Schweine müssen Auslauf ins Freie bekommen, Schweine bekommen zudem eine Einstreu aus Stroh. Laut Verbraucherzentrale kennzeichnet die Premiumstufe "ein hohes Tierschutzniveau". Die Einstiegsstufe biete dagegen lediglich "mehr Tierschutz als der gesetzliche Mindeststandard, aber noch kein sehr hohes Tierschutzniveau", so die Verbraucherschützer. Fleisch mit dem Label ist unter anderem bei Netto, Famila und Edeka erhältlich, zertifizierte Eier unter anderem bei Hit, Lidl und Edeka-Südwest.

Label "Tierschutz kontrolliert"

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Das zweistufige Label des Vereins "Vier Pfoten" zertifiziert nach ähnlichen Kriterien wie das Label "Für mehr Tierschutz".

Hinter diesem Label steht die gemeinnützige Tierschutz-Stiftung "Vier Pfoten". Es besitzt ebenfalls eine Einstiegs- und eine Premium-Stufe, deren Anforderungen ungefähr vergleichbar sind mit denen des Labels "Für mehr Tierschutz". So bieten zertifizierte Betriebe ihren Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten und bei der Premium-Stufe auch Auslauf im Freien an und sichern zu, dass die Transporte zum Schlachthof nicht länger als vier Stunden dauern. Zudem erhalten die Tiere ähnlich viel Platz wie bei Bio-Landwirten. Problem: In Norddeutschland sind Fleischprodukte, die das Siegel tragen, kaum erhältlich.

Produktkennzeichnung "Initiative Tierwohl"

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Bei der Produktkennzeichnung der "Initiative Tierwohl" werden Betriebe, die mehr für das Tierwohl tun, belohnt.

Die "Initiative Tierwohl" ist eine Gemeinschaftsaktion der Landwirtschaft, der Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels. Ziel der Initiative: möglichst vielen Tieren zu besseren Lebensbedingungen verhelfen. Dabei werden Betriebe, die über das gesetzliche Maß hinaus etwas für das Tierwohl tun, belohnt: Erfüllen sie bestimmte Kriterien eines festgeschriebenen Katalogs, erhalten sie einen Geldbetrag aus einem Fonds, der von verschiedenen Lebensmittelkonzernen finanziert wird. Der Initiative gehören unter anderem Rewe, Aldi, Edeka und Lidl an. Derzeit führen die Konzerne 6,25 Cent pro Kilogramm Schweine- oder Geflügelfleisch an den Fonds ab. Die Grundanforderungen an die Betriebe liegen zwar über den gesetzlichen Mindestanforderungen, sind aber niedrig: Tiere nehmen beispielsweise an einem Antibiotika-Monitoring teil, bekommen in ihren Ställen ein Mindestmaß an Tageslicht und mindestens zehn Prozent mehr Platz.

Kritik von Verbraucherschützern und Tierschutzbund

Seit April 2018 erfüllt die "Initiative Tierwohl" bei Geflügelfleisch eine Hauptforderung der Verbraucherzentralen: Ein Logo auf dem Produkt zeigt, dass das angebotene Fleisch tatsächlich von einem teilnehmenden Betrieb mit den verbesserten Standards stammt. Zuvor war das nur bei einem Teil der Produkte der Fall. Für Schweinefleisch wird die entsprechende Kennzeichnung - zunächst zeitlich und regional begrenzt - noch in den Supermärkten getestet. Allerdings weisen die Verbraucherschützer weiter darauf hin, dass die Produktkennzeichnung insgesamt nur einen sehr kleinen Beitrag für eine verbesserte Tierhaltung leistet, da die Standards noch sehr niedrig seien.

Fazit: Mehr Tierwohl kostet mehr Geld

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Umfragen zufolge würden Verbraucher für Fleisch von Tieren aus besserer Haltung mehr zahlen.

Da auch künftig alle Tierwohl-Siegel auf Freiwilligkeit basieren, müssen die Kunden an den Fleischtheken entscheiden, was ihnen das Tierwohl wert ist. Eine Übersicht, welche Standards die einzelnen Label setzen, gibt die Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Sicher ist: Für Fleisch aus artgerechter Haltung muss der Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Umweltschutzverbände raten überdies dazu, den Fleischkonsum insgesamt zu reduzieren und Fleisch nur als Delikatesse und in Maßen zu genießen.


08.02.2019 12:24 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Ein Bild zeigte irrtümlich nicht die Produktkennzeichnung der "Initiative Tierwohl", sondern das Logo der Initiative. Zudem war noch die Supermarktkette Real als Teilnehmer der Initiative aufgeführt. Diese beteiligt sich jedoch seit Ende 2017 nicht mehr an der Initiative.

 

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