"Regionale" Lebensmittel: So tricksen Händler und Hersteller

Stand: 15.01.2021 17:16 Uhr

Viele Verbraucher kaufen gern Lebensmittel aus der eigenen Region. Das wissen auch Hersteller und Händler und werben nicht selten mit der regionalen Herkunft ihrer Produkte.

Der Kauf regionaler Produkte kann Hersteller aus der näheren Umgebung unterstützen und unnötige Transportwege vermeiden. Doch den Begriff Regionalität fassen Händler und Produzenten oft weit. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es nicht immer ganz einfach, die jeweilige Definition zu erkennen und zu verstehen.

"Regional" als Marketing-Strategie

Bei Lebensmitteln ist die Kennzeichnung "regional" für viele Kunden mittlerweile das wichtigste Kaufkriterium - gefolgt von Preis und Bio-Qualität. Zu diesem Schluss kommt eine von Werbepsychologen durchgeführte Studie. Demnach sind viele Verbraucher dazu bereit, für "regionale" Lebensmittel mehr Geld auszugeben.

Kennzeichnung regionaler Produkte

Regionale Begriffe sind bis auf wenige Ausnahmen gesetzlich nicht geschützt. Das kritisieren Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer und fordern gesetzliche Vorgaben. Bisher gibt es nur zwei Siegel:

  • Die "geschützte Ursprungsbezeichnung" legt rechtlich eindeutig fest, dass Lebensmittel in allen Produktionsschritten in einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Region hergestellt werden. Produkte mit diesem Siegel sind zum Beispiel Parmaschinken und griechischer Fetakäse.
  • Beim Siegel "geschützte geografische Angabe" muss nur der letzte Produktionsschritt in der entsprechenden Region stattfinden. Das trifft zum Beispiel auf Holsteiner Katenschinken zu.

Gesetzlich nicht geschützte Begriffe wie "Heimat" oder "Region" auf der Verpackung können bedeuten, dass die Lebensmittel aus dem Umland, aus dem Bundesland, aus Deutschland oder sogar aus dem Ausland kommen.

Verbraucherzentralen fordern Kennzeichnungspflicht

Wie weit der Weg von der Produktionsstätte "regionaler" Lebensmittel bis in den Supermarkt sein darf, ist gesetzlich nicht festgelegt. Kunden könnten sich deshalb nicht darauf verlassen, dass "regionale" Produkte tatsächlich aus der direkten Umgebung kommen, kritisieren Verbraucherschützer. Sie fordern eine eindeutige und verbindliche Kennzeichnung, wenn mit dem Begriff oder mit Bildern aus der Region geworben wird. Für Käufer soll erkennbar sein: Wo kommen die Rohstoffe her? Und wo werden sie verarbeitet?

Herkunftsangaben: Regionalfenster können täuschen

Immer mehr Hersteller und Händler werben auf Verpackungen mit Herkunftsangaben. Zum Beispiel geben sie in einem "Regionalfenster" an, woher Obst, Gemüse oder die Hauptzutaten eines zusammengesetzten Produktes stammen.

Für Verbraucherschützer ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es gibt einen Haken: Produkte mit dem Regionalfenster können bundesweit vertrieben werden. Eine Markt-Stichprobe ergab, dass in schleswig-holsteinischen Discountern auch Gemüse mit dem Regionalfenster aus Baden-Württemberg, dem Rheinland und Sachsen-Anhalt verkauft wird.

Regionale Lebensmittel finden

Auf Anfrage von Markt verweist das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung auf die Initiative Regionalfenster, die sich für eine bessere Kennzeichnung regionaler Produkte einsetzt. Zu den Mitgliedern zählen Hersteller und Händler von Lebensmitteln, teilweise aus dem ökologischen Landbau. Kunden sollen sofort erkennen können, woher ein Produkt kommt. Die Kennzeichnung ist jedoch freiwillig.

Ein "Informationsportal zur Regionalvermarktung" hat das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen gestartet. Es soll Betriebe fördern, die landwirtschaftliche Produkte vor Ort weiterverarbeiten oder regional vermarkten.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 18.01.2021 | 20:15 Uhr

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