Stand: 11.10.2019 15:50 Uhr  - Markt

Körperpflege ohne umweltschädliches Plastik

Im Selbstversuch hat Markt Autor Uwe Leiterer schon auf Zucker und Fleisch verzichtet. Jetzt möchte er herausfinden, ob er ohne Plastik leben kann - und wie sich der Verzicht auf seine Gesundheit auswirkt. Im Blog berichtet Uwe jede Woche über seine Erfahrungen.

von Uwe Leiterer

Eine Kosmetikprodukt mit Mikroplastik auf einem Löffel. © picture alliance / dpa Foto: Stefan Sauer
Kosmetikprodukte können winzige Plastikteile enthalten.

Fast überall in der Umwelt lässt sich Mikroplastik nachweisen, also Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern. Am schlimmsten trifft es offenbar die Meere: 2013 wurde auf der Nordseeinsel Juist in allen untersuchten Muscheln und Austern Mikroplastik gefunden. Plastikteile wurden auch in Kegelrobben und Schweinswalen nachgewiesen, sowie im Kot und in den Speiballen von Seemöwen und Seehunden.

VIDEO: Mikroplastik: Gefahr für die Gesundheit? (7 Min)

Wie Plastik im Meer zerfällt

In die Meere gelangen unterschiedliche große Kunststoffe:

  • Große Plastikstücke zerfallen sehr langsam. Sie werden durch Wellenbewegungen zerkleinert, das UV-Licht der Sonne macht sie porös. Die Plastikteile werden immer kleiner, bis sie schließlich als Mikroplastik bezeichnet werden können.

  • Weitaus problematischer sind Plastikpartikel, die schon als Mikroplastik über die Kanalisation in die Meere gelangt sind. Es handelt sich dabei um chemische Zusätze, die vor allem in Kosmetikartikeln eingesetzt werden.

Mikroplastik in Kosmetik - warum?

In Kosmetikartikeln wie Duschgel, Shampoo, Seife, Creme, Peeling und Lotion setzen viele Hersteller Mikroplastik ein. Die Produkte erhalten dadurch bestimmte Eigenschaften. Beispiele:

  • Im Peeling wirkt Mikroplastik als Schleifmittel.
  • Im Shampoo verhindert Polyquaternium-7 das Ziepen, indem es einen Plastikfilm um die Haare legt.
  • In Creme sorgt Acrylates Crosspolymer für ein geschmeidiges Gefühl.

Für die Hersteller ist es offenbar lukrativ, günstige Plastikzusätze zu verwenden. Sie können dadurch die Produktionskosten senken. Die Substanzen wurden von der chemischen Industrie in den vergangenen Jahrzehnten eingeführt und ersetzen andere, meist marginal teurere Substanzen, zum Beispiel den feinen Sand in Peelings. Die Partikel landen über die Abflüsse von Waschbecken und Badewannen in die Kanalisation und schließlich in die Meere.

Verbot für Mikroplastik in Kosmetik

In Großbritannien und Kanada ist Mikroplastik in Kosmetikartikeln inzwischen verboten. In den USA dürfen solche Produkte ab dem 1. Juli 2018 nicht mehr verkauft werden. In Deutschland haben die Hersteller Unilever, L’Oréal (Marke: The Body Shop) und Johnson & Johnson angekündigt, bis 2015 aus der Verwendung von Mikroplastik auszusteigen. Procter & Gamble wollte 2017 folgen. Doch auch heute noch enthalten die Produkte dieser und anderer Hersteller Mikroplastik. Das zeigt eine Liste des BUND (Stand: März 2018).

Plastik in Kosmetik erkennen

Die chemisch hergestellten Plastikzusätze können Verbraucher an folgenden Bezeichnungen in der Liste der Inhaltsstoffe erkennen:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)
  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane

Ob ein Kosmetikartikel Mikroplastik enthält, können Sie auch mit den kostenlosen Smartphone-Apps Code Check und Beat The Microbead herausfinden: Dazu fotografieren Sie einfach mit der App den Strichcode des Produkts.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Markt | 14.10.2019 | 20:15 Uhr

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