Stand: 17.08.2018 15:33 Uhr

Lohnt sich eine Elementarschadenversicherung?

Überschwemmungen, Hochwasser und Sturzfluten können ganze Häuser verwüsten. Wer kommt im Notfall für Schäden an Hausrat und Bausubstanz auf? Nach einer Studie der Versicherungswirtschaft geht die Mehrzahl der Deutschen davon aus, dass der Staat Flutopfern hilft. Bisher war das eine Fall-zu-Fall-Entscheidung. Doch das ändert sich nun.

Nahaufnahme eines Regals mit Geschirr. Eine Frau nimmt gerade einen Suppenteller heraus, in dem brackiges Wasser steht, denn in ihrem Haus stand Hochwasser. © NDR/SpiegelTV

Von Wasser verwüstet

45 Min -

Aufgequollene Möbel, dreckiges Wasser und Schlamm überall: Eine Familie im Harz begutachtet die Schäden nach dem Hochwasser im August 2017.

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Bayern stellt jetzt klare Regeln auf: Mit Stichtag 1. Juli 2019 gibt es für Hochwasseropfer keine Soforthilfe mehr aus Steuergeldern, wenn die Gebäude gegen Elementarschäden versicherbar gewesen wären. Härtefälle bleiben von der Regelung ausgenommen. Auch in Sachsen werden staatliche Hilfen bei Elementarschäden nur gewährt, wenn "Risiken nicht versicherbar sind". Perspektivisch soll es eine länderübergreifende Regelung für die Vergabe von Hilfszahlungen geben.

Hausrat- und Wohngebäudeversicherung haften nur eingeschränkt

Die Gefahr von Überschwemmungen und Sturzfluten wird in Zukunft noch wachsen. "Jetzt sind auch Gebiete betroffen, von denen man es vielleicht vor zehn Jahren noch nicht erwartet hätte", erklärt Markus Gerd Möller von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

1. Eine Hausratversicherung deckt Schäden an beweglichen Gegenständen ab: Möbel, Elektrogeräte, Hausrat. Als Schadensursache gelten Einbruch, Raub, Vandalismus, Blitzeinschläge. 
2. Mit der Wohngebäudeversicherung deckt man Schäden am Haus selbst ab, in der Regel hervorgerufen durch Leitungswasser, Hagel, Feuer und Sturm. 

Wenn aber Starkregen zu Überflutungen führt und der Keller vollläuft oder Flüsse und Bäche über die Ufer treten und Schäden anrichten, zahlen Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung nicht. Für diese Fälle gibt es die sogenannte Elementarschadenversicherung, bisher eher eine Spartenversicherung. Damit können Hausbesitzer ihr Hab und Gut gegen gewaltige Naturereignisse - Elementarschäden - wie Überschwemmungen, Schneedruck oder Erdbeben absichern.

Die Versicherer gestalten ihre Policen nach einem System von vier Risikozonen, in das alle Wohngebiete in Deutschland eingestuft sind. Die Gefährdungsklasse hängt danach von der unmittelbaren Nähe zu einem Gewässer ab, das bei Starkregen schnell über die Ufer steigt. Zugriff auf das System haben die Versicherungsvertreter und -makler.

Hochwasser-Risikozonen der Versicherungswirtschaft
KlasseAuftreten von HochwasserAnteil der Haushalte in dieser Klasse
1Seltener als ein Mal alle 200 Jahre91,2 Prozent
2Seltener als ein Mal alle 100 Jahre7,1 Prozent
3Ein Mal in zehn bis 100 Jahren1,1 Prozent
4Mindestens ein Mal in zehn Jahren0,6 Prozent
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Diese Daten werden jährlich angepasst. Noch liegen demnach mehr als 91 Prozent der Haushalte also in der (vermeintlich) sicheren Gefährdungsklasse 1. Angesichts immer häufiger auftretender Unwetter gibt es jedoch auch für Menschen, die in Risikozone 1 wohnen, keine Garantie, von Sturzfluten oder Hochwasser verschont zu bleiben. "Jeder muss für sich persönlich entscheiden, wie hoch sein Versicherungsbedürfnis ist", meint Markus Gerd Möller, Fachanwalt für Versicherungsrecht. "Wenn ich eben ganz sichergehen will, dann schließe ich eine Elementarschadenversicherung ab."

Sich unter anderem folgende Fragen zu beantworten, könne bei der Entscheidung helfen, so Möller:

  • ŸHat es in dem Gebiet, in dem ich wohne, in den vergangenen zehn Jahren schon ein Mal ein Hochwasser gegeben?
  • Wohne ich in einer Senke?
  • Liegt ein - vielleicht auch kleines - Gewässer in der Nähe, das oftmals über die Ufer tritt?

Eine Elementarschadenversicherung kann teuer sein

Wer eine Elementarschadenversicherung abschließt, muss sich womöglich auf nicht unerhebliche Kosten gefasst machen. Gerade Menschen, die wirklich darauf angewiesen sind und in einer höheren Risikozone wohnen, müssen auch am meisten bezahlen: Die Versicherung kann dann mit ein paar Hundert Euro im Jahr zu Buche schlagen.

Außerdem kann der Eigenanteil im Schadensfall bis zu 25.000 Euro betragen. Doch die Unternehmen können sogar eine Police verweigern, wenn ihnen das Risiko zu hoch ist. "Es gibt keine verpflichtende Stelle, die sagt, gerade die, die das höchste Schutzbedürfnis haben, müssen auch versichert werden", erklärt Anwalt Möller.

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"Für diejenigen, die von einer solchen Überschwemmung betroffen sind und keine Versicherung haben, ist es eine Katastrophe", warnt Verbraucherschützer Möller. Und weist aber gleichzeitig darauf hin, dass es für einen Großteil der Versicherten mit einer Elementarschadenversicherung ärgerlich wäre, eine Versicherungsprämie zu bezahlen, wenn jahrzehntelang kein Schaden einträte.

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