Stand: 21.11.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Häufig Fleischbrät und Zusatzstoffe im Döner

von Nadine Becker, Benjamin Cordes

Was als Döner aus Kalbfleisch verkauft wird, enthält häufig auch Putenfleisch, Fleischbrät und Zusatzstoffe wie Glutamat. Zu diesem Ergebnis kommen Laboruntersuchungen im Auftrag von Markt. In einer Stichprobe hat die Redaktion Kalbsdöner aus Imbissläden in Hamburg von einem akkreditierten Lebensmittellabor auf die verwendeten Fleischsorten untersuchen lassen. Die Döner entsprachen nicht den Leitlinien des Lebensmittelbuches und dürfen deshalb nicht als "Döner" bezeichnet werden.

Döner im Labortest

Hoher Anteil Fleischbrät in vier Proben

Vier der fünf als Kalbsdöner verkauften Produkte enthielten neben Rind- und Putenfleisch auch einen hohem Anteil Brät. "Sowohl der Zusatz von Putenfleisch, als auch der erhebliche Zusatz von Brät und nicht deklarierten Zusatzstoffen ist im klassischen Döner nicht erlaubt", sagt Dr. Volkmar Heinke, Lebensmittelchemiker am Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern.

Gemäß den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse dürfen im Döner Scheibenfleisch sowie bis zu 60 Prozent Hackfleisch und Gewürze enthalten sein, jedoch kein Brät. "Brät ist etwas, das in eine Brühwurst gehört", sagt Heinke. Dabei handele es sich um "zum Teil zerrissene Skelettmuskulatur, inklusive Gefäßen, Nerven und Fettgewebe. Das kann also im Prinzip alles sein".

Verkauf nur als "Drehspieß" erlaubt

Kalbsdöner, die Brät, Glutamat oder Putenfleisch enthalten, dürfen laut Lebensmittelbuch nicht als "Döner" oder "Döner Kebab" verkauft werden, sondern lediglich als "Drehspieß". Zusatzstoffe und verwendete Fleischsorten müssen auch bei einem solchen Drehspieß für den Verbraucher klar gekennzeichnet sein. Doch keiner der getesteten Betriebe hielt sich an diese Vorschrift. 

Vieles deutet darauf hin, dass die Betreiber vorsätzlich handeln. Nach Markt-Recherchen sind die fertig angelieferten Spieße der Großproduzenten als "Drehspieß" gekennzeichnet und tragen den Hinweis, dies auch dem Endverbraucher klar kenntlich zu machen. Doch manche Betreiber ignorieren die Deklarationspflicht und verkaufen den Drehspieß als "Döner".

Mängel bei 90 Prozent der Kalbfleischproben

Die Irreführung der Verbraucher beschäftigt auch die Behörden. Eine Anfrage bei den zuständigen norddeutschen Landesämtern ergab, dass diese in eigenen Untersuchungen etwa 90 Prozent der Kalbfleischproben wegen vieler Mängel beanstandeten. Im Fall einer Strafverfolgung wegen Betrugs drohen den Imbissbetreibern Geldstrafen und in besonders harten Fällen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 21.11.2016 | 20:15 Uhr

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