Stand: 20.08.2018 15:13 Uhr

Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen

von Melanie Stinn

In einer Stichprobe mit Produkten aus Getreide hat Markt das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nachgewiesen. Die Redaktion hat Müsli, Haferflocken und Brot aus konventioneller Herstellung und Bio-Produkte eingekauft und von einem Labor auf Glyphosat untersuchen lassen. In 7 von 29 Produkten wurde das Labor fündig. Keines der überprüften Bio-Produkte ist belastet.

Nahrungsmittel, die Weizen beinhalten.

Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen

Markt -

Müsli, Haferflocken und Brot können Glyphosat enthalten. In einer Stichprobe von Markt wurde das Unkrautvernichtungsmittel in 7 von 29 Getreide-Produkten nachgewiesen.

3,84 bei 51 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Stichprobe: In diesen Produkten steckt Glyphosat
ProduktGlyphosat-Gehalt in Milligramm pro Kilogramm
Burger Landknäcke Urtyp0,026
Dr. Oetker Vitalis Früchte-Müsli0,1
ja! Kernige Haferflocken0,13
Kölln Haferflocken0,013
Kölln Müsli Früchte Vollkorn0,18
Kölln Mühlenklassiker Haferflocken aus Müsli Mix0,023
Lieken Urkorn Kraft0,035

Die gemessenen Werte liegen unter dem gesetzlichen Grenzwert von zehn Milligramm pro Kilogramm. Und darauf weisen die Hersteller der belasteten Produkte auch hin. Rewe äußert sich nicht. Der Chemiker und Pestizid-Experte Dr. Günter Lach sieht jedoch keinen Grund zur Entwarnung. Generell sei der Einsatz von Glyphosat nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und weltweit inzwischen zu hoch: "Egal ob das Lebensmittel sind, ob das Wasser ist, Böden, Luft - aus meiner Sicht ist das Maß überschritten."

Wirkung auf die Gesundheit ist umstritten

Bei Glyphosat handelt es sich um ein Umweltgift, ein sogenanntes Total-Herbizid. Es ist das weltweit meistverwendete Pflanzenschutzmittel.

Was ist Glyphosat?

Der Wirkstoff Glyphosat ist Bestandteil von Unkrautvernichtungsmitteln. Er hemmt ein für das Pflanzenwachstum wichtiges Enzym. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen werden durch Glyphosat nicht geschädigt. In Deutschland kommt das Mittel Schätzungen zufolge auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen zur Anwendung.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, die EU und weitere Experten kommen zu einem anderen Ergebnis.

Kürzlich hat ein amerikanisches Gericht entschieden, dass der Hersteller Monsanto, der zum Bayer-Konzern gehört, einem Krebskranken 285 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen muss. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass der Lymphdrüsenkrebs, unter dem der Kläger leidet, auf  das Monsanto-Produkt Roundup zurückzuführen ist.

Das Urteil des US-Gerichts bringt allerdings keine neuen Erkenntnisse im Wissenschaftsstreit. Es ist lediglich Bewertung eines Schwurgerichts, welches durch Laienrichter gefällt worden ist.

Fördert Glyphosat Resistenzen gegen Antibiotika?

Monsanto hat Glyphosat in der 70er-Jahren patentieren lassen, unter anderem als Antibiotikum. Die Biologin Dr. Brigitta Kurenbach von der Universität Canterbury in Neuseeland hat herausgefunden, dass Bakterien durch Glyphosat Resistenzen gegenüber Antibiotika bilden können. Dass multiresistente Keime auf dem Vormarsch sind, könnte auch an Pestiziden wie Glyphosat liegen.

In allen Bereichen, in denen Glyphosat eingesetzt wird, könnte es problematisch werden - zum Beispiel, wenn Tiere auf Weiden grasen, die mit Glyphosat saniert worden sind oder durch Abdrift belastet sind, und mit Antibiotika behandelt werden müssen. Oder wenn der Landwirt, der den Stoff auf die Felder ausbringt mit einem Antibiotikum behandelt werden muss.

Unter Abdrift versteht man den Vorgang, der während der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vorkommen kann, wenn die Pestizide nicht nur innerhalb des behandelten Felds landen, sondern zum Beispiel durch Verwehungen in Arealen, die eigentlich nicht behandelt werden sollten.

Glyphosat-Einsatz auf Grünflächen und Äckern

Allein in Deutschland spritzen Bauern rund 5.000 Tonnen Glyphosat pro Jahr. Glyphosat kommt in vielen verschiedenen Bereichen zur Anwendung. Es wird in privaten Gärten eingesetzt, manche Kommunen halten mit dem Wirkstoff Grünflächen unkrautfrei, die Bahn setzt es auf ihren Gleisen ein und Landwirte sprühen es auf ihre Felder. In der EU ist der Stoff weiterhin bis 2022 zugelassen.

Getreide-Produkte ohne Glyphosat

Kein Glyphosat nachweisbar war in der Stichprobe in diesen Produkten:

Aldi: Ideal Haferflocken, Sonnenbratzen, Weizenmilde
Alnatura: Keimling BD
Backhus: Hamburger Kante, Rhein Vollkornbrot
Bell‘s: Haferflocken
Bio Company: Dinkelkasten, Korn an Korn,
Gut und Günstig: Haferflocken
Harry: Das Volle Korn Katen mit Keim und Randschicht, Vollkorn Toast
Junge: Kerngesund, Urbrot
Lidl: Kornachter
Nur hier: Vollkorn Sonne
Penny: Bauernbrot, Volle Korn Kate
Rewe: Bio Dinkel Vollkornmehl, Vollkorn Sonnenbatz
von Allwörden: angeschoben, Bio Dinkel

Weitere Informationen

Die Suche nach Alternativen zum Glyphosat

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist in der EU stark umstritten. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Forscher suchen nach Alternativen im Pflanzenschutz. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 20.08.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

10:30
Mein Nachmittag

Birnbäume pflanzen: Welche Sorten eignen sich?

18.09.2018 16:10 Uhr
Mein Nachmittag
08:00
Markt
07:29
Mein Nachmittag

Training gibt Problem-Hunden zweite Chance

19.09.2018 16:20 Uhr
Mein Nachmittag