VIDEO: Gaspreisbremse ab Januar und Bürgergeld sollen kommen (6 Min)

Gaspreiserhöhung: Was können Verbraucher tun?

Stand: 23.11.2022 14:47 Uhr

Gaspreiserhöhungen und Kündigungen durch Energieversorger beschäftigen viele Gaskunden. Gaspreisbremse und Soforthilfe sollen sie entlasten. Welche Rechte haben Verbraucher? Tipps zum Energiesparen.

Die Energiekosten steigen massiv und die Gaspreise schießen in die Höhe. Sie könnten sich ab 2023 verdreifachen. Verbraucherschützer raten Gaskunden deshalb, ihren Verbrauch zu senken und Geld für mögliche Nachzahlungen und höhere Abschlagszahlungen zurückzulegen. Verbraucher sollten zudem ihre Heizungsanlage modernisieren oder optimal einstellen lassen.

Gaspreisbremse und Soforthilfe sollen Bürger entlasten

Die Bundesregierung plant eine Gaspreisbremse für Verbraucher, um finanzielle Belastungen abzufedern. Sie wird vermutlich schon im Januar eingeführt. Haushalte sollen im neuen Jahr für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs einen garantierten Gas-Bruttopreis von zwölf Cent pro Kilowattstunde bekommen. Für die restlichen 20 Prozent des Verbrauchs soll der Vertragspreis gelten. Für Fernwärme soll der garantierte Bruttopreis bei 9,5 Cent liegen. Zusätzlich erhalten Gas- und Fernwärmekunden im Dezember eine Soforthilfe als staatliche Einmalzahlung.

Anbieter dürfen Preise nicht einfach erhöhen

Viele Menschen befürchten Preissteigerungen oder eine plötzliche Kündigung durch den Energieversorger - verbunden mit hohen Gasrechnungen in der Ersatzversorgung. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen erhält zahlreiche Anfragen zum Thema und kennt Fälle für rechtswidrige Vertragsbeendigungen sowie Preis- und Abschlagserhöhungen. Sie weist darauf hin, dass Verbraucher, die einen Vertrag mit Preisgarantie über eine feste Laufzeit abgeschlossen haben, keine plötzlichen Kostensprünge befürchten müssen. Energieversorger sind weiterhin an die vereinbarten Verträge und Preise gebunden. Das gilt nicht für Verbraucher, die sich in der Grundversorgung befinden, also keinen Sondervertrag mit einem Anbieter geschlossen haben. Hier kann der Versorger die Preise erhöhen.

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Bei Vertrag mit Preisbindung Erhöhung widersprechen

"Anbieter sind weiter an ihre Preise gebunden. Ob eine uneingeschränkte oder eingeschränkte Preisgarantie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht, macht da keinen Unterschied", so Tiana Schönbohm von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Einschränkung gelte in der Regel für staatliche Preisbestandteile wie die EEG-Umlage, nicht aber für gestiegene Beschaffungskosten. Betroffene mit einem Vertrag mit Preisgarantie sollten höheren Abschlagszahlungen widersprechen und können dafür einen Musterbrief nutzen. Keinesfalls sollten sie geforderte Abschläge eigenständig kürzen.

Für Mitteilungen über Preiserhöhungen gelten bestimmte Regeln

Wer eine Mitteilung des Versorgers über Preiserhöhungen erhält, sollte sie aufmerksam lesen. Denn oft sind die Schreiben nicht nur unzulässig, sondern auch fehlerhaft, so die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Wer in der Grundversorgung ist, muss durch den Versorger sechs Wochen vorab schriftlich über eine Preiserhöhung informiert werden. Bei anderen Tarifen reicht eine Ankündigung vier Wochen im Voraus. In beiden Fällen muss der Versorger "transparent und hervorgehoben" auf das Sonderkündigungsrecht bei einer Preiserhöhung hinweisen.

Wurde die Frist nicht eingehalten oder das Sonderkündigungsrecht versteckt, sollten Betroffene widersprechen, auch wenn die Preiserhöhung rechtens ist. Der Versorger muss dann erneut und korrekt informieren. Das Datum dieser Mitteilung ist maßgeblich für die Erhöhung oder das Sonderkündigungsrecht.

Nach Kündigung besteht Recht auf Grundversorgung

Wer einen Sondervertrag kündigt - zum Ende der Vertragslaufzeit oder bei einer Preiserhöhung - und keinen neuen Energievertrag abschließt, hat ein Recht auf Grundversorgung bei seinem Energieversorger. Die Verbraucherzentrale erreichen viele Beschwerden, dass Betroffene in die Ersatzversorgung aufgenommen werden. Sie kann mit höheren Kosten verbunden sein. "Die Ersatzversorgung greift nur, wenn etwas schiefläuft - etwa ein Anbieterwechsel misslingt, die Belieferung aufgrund einer Insolvenz eingestellt oder die Netznutzung durch den Netzbetreiber gekündigt wird", so Julia Schröder, Energierechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie rät, beim Energieversorger schriftlich Widerspruch einzulegen und die Aufnahme in die Grundversorgung zu fordern.

Bei Ersatzversorgung möglichen Neuvertrag prüfen

Wer eine Kündigung erhalten hat, etwa aufgrund von Insolvenz des Anbieters, und in der Ersatzversorgung des Grundversorgers gelandet ist, steht vor der Frage, ob er sich nach einem günstigeren Tarif umsehen und einen Neuvertrag abschließen soll. "Die Preise sind zwar gerade sehr hoch. Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist aber nicht vorhersehbar, mit welchem Preisanstieg noch zu rechnen ist. Ein Neuvertrag kann daher die bessere Lösung sein", rät Schönbohm. Verbraucher sollten aber grundsätzlich darauf achten, sich nicht unnötig lange vertraglich an einen Energieanbieter zu binden.

Was bedeutet Grundversorgung?

Verbraucher werden automatisch von ihrem örtlichen Grundversorger mit Gas oder Strom beliefert, wenn sie keinen Vertrag mit einem alternativen Anbieter abgeschlossen haben. Das ist die Grundversorgung.

 

Tipps zum Heizkostensparen

Heizen verbraucht im Haushalt am meisten Energie, laut Umweltbundesamt 70 Prozent. Neben baulichen Maßnahmen lässt sich mit einfachen Mitteln Geld sparen und so gleichzeitig der CO2-Ausstoß senken.

  • Ältere Fenster abdichten: Am preiswertesten sind Dichtungsbänder, die sich ausdehnen, oder selbstklebende Dichtungsstreifen aus Schaumstoff, die im Baumarkt erhältlich sind. Langlebiger und für Kunststofffenster geeignet sind Gummidichtungen.
  • Dämmen: Alte Fenstersimse sind häufig ungedämmt, unter ihnen finden sich Hohlräume, die sich mit Dämmstoff ausfüllen lassen. Auch Decken können gedämmt werden, wenn sich über ihnen ein ungedämmter Raum, etwa ein Dachboden, befindet oder es sich um ein Flachdach handelt.
  • Richtig lüften: Morgens und abends Stoßlüften statt Dauerlüften. Fenster von gegenüberliegenden Zimmern weit öffnen. Im Herbst und Frühjahr 15 Minuten lang für Durchzug sorgen, im Winter 5 Minuten. Während des Lüftens die Heizkörper abdrehen.
  • Richtig heizen: Auf die Raumtemperatur achten. Ein Grad weniger Wärme spart rund sechs Prozent Energie. In Wohnbereichen sollte sie bei 20 Grad liegen, im Schlafzimmer reichen 16 bis 18 Grad. Mit elektronischen Thermostaten an jedem Heizkörper lässt sich die gewünschte Temperatur für jeden Raum einstellen.
  • Heizung entlüften: Wenn sich Luft in der Heizung sammelt, wird sie auch bei voll aufgedrehtem Ventil nicht mehr richtig warm. Dann das Entlüftungsventil an der Seite des Heizkörpers aufschrauben, Becher unterhalten und Luft ablassen. Es gibt auch spezielle automatische Entlüftungsventile, die sich am Heizkörper anbringen lassen.
  • Gaspreise vergleichen: Prüfen sollte man die Tarife immer dann, wenn der Anbieter die Preise erhöht. Ein Anbieterwechsel lohnt sich derzeit eigentlich nur, wenn man deutlich zu viel bezahlt.

Heizung erneuern und modernisieren

Sinnvoll, wenn auch teuer, ist es, eine neue Heizung anzuschaffen. Ein Austausch der alten Heiztechnik rentiert sich angesichts deutlich steigender Gaspreise gerade besonders. Wer seine alte Heizungsanlage umfassend erneuern möchte, kann unter bestimmten Voraussetzungen Kredite und Zuschüsse für energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen der KfW oder des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erhalten. Auch Bundesländer, Kommunen und sogar Energieversorger bieten Förderungen an.

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Heizungstausch frühzeitig planen

Häufig sind auch ältere Heizkessel zu groß dimensioniert, was unnötige Kosten beim Heizen verursacht. Modelle, die älter als 15 Jahre sind, können ausfallen. Nach etwa 20 Jahren ist die Lebensdauer eines Kessels erreicht. Muss die alte Heizung repariert werden, gibt es zudem meist keine Ersatzteile mehr. Deshalb sollte ein Austausch frühzeitig geplant werden, noch bevor die Heizung kaputtgeht. So können sich Eigentümer in Ruhe über die verschiedenen Techniken und passende Fördermittel informieren.

Wärmepumpe oder Blockheizkraftwerk: Beratung zur neuen Heizung

Die Auswahl neuer Heizungstechniken reicht von der Wärmepumpe über Brennstoffzelle oder Blockheizkraftwerk bis hin zu verschiedenen hybriden Systemen. Diese kombinieren zwei Energieträger, also eine Erdgasheizung mit erneuerbaren Energien, beispielsweise mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie. Doch nicht jede Technik ist für jedes Haus geeignet. Eigentümer sollten sich ausführlich informieren. Viele Verbraucherzentralen bieten Beratungen und Eignungs-Checks zur Heizungserneuerung an.

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NDR Info | 22.11.2022 | 21:45 Uhr

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