Stand: 17.04.2020 10:06 Uhr

Elektroauto laden: Tipps für Autofahrer

von Christian Lang
Elektroauto an der Ladestation. © fotolia Foto: estations
Verbraucherschützer kritisieren die Vielfalt an Preisen und Tarifen an Ladestationen für Elektroautos.

Im Februar und März 2020 wurden in Deutschland so viele Elektroautos zugelassen wie nie zuvor. Etwa 1.000 Unternehmen bauen und betreiben öffentliche Ladestationen für E-Autos. Derzeit stehen in Deutschland circa 19.000 sogenannte Ladepunkte zur Verfügung. Doch die Ladesysteme, Preise und Abrechnungsmodelle sind nicht einheitlich. Was Autofahrer wissen müssen.

VIDEO: Elektroautos: Tank-Chaos an Ladesäulen (8 Min)

Elektroauto zu Hause laden

Zu Hause können Elektroautos mit einer fest installierten sogenannten Wallbox geladen werden. Eine Box kostet rund 500 Euro zuzüglich Installation. Mieter brauchen für den Einbau die Zustimmung ihres Vermieters, Eigentümer die aller Miteigentümer. Vom Laden an einer herkömmlichen Steckdose raten Experten ab: Durch langes Laden kann das Stromnetz im Haus überhitzen.

Elektroauto unterwegs laden

Unterwegs können Besitzer eines Elektroautos die Batterie an derzeit etwa 19.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkte aufladen. Eine Ladesäule lässt sich per Smartphone-App mit einem sogenannten QR-Code freischalten.

Bezahlt wird per Kreditkarte, EC-Karte, Rechnung, Smartphone-App, mit der Netzkarte des Anbieters oder mit einer sogenannten Mobilitäts- oder Roaming-Karte. Dabei handelt es sich um eine überregional einsetzbare Karte, die derzeit bei rund 300 Anbietern erhältlich ist.

Im Markt-Praxistest erwies sich die Nutzung der Ladesäulen mithilfe der Netzkarte eines großen Anbieters als schwierig. Sie wurde nicht überall angenommen.

Ladestationen finden

Die Abdeckung mit Ladesäulen ist regional sehr unterschiedlich. Im deutschen Ladenetz gibt es noch zahlreiche Lücken. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor einer Reise mit dem Elektroauto über die Standorte von Ladestationen zu informieren. Einen Überblick geben die Apps der Anbieter. Viele Navigationssysteme von E-Autos zeigen ebenfalls Ladestationen an.

Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur lieferte in einer Stichprobe von Markt fehlerhafte Informationen: Die interaktive Karte zeigte auch defekte und noch nicht in Betrieb genommene Ladestationen an.

Ladesysteme für E-Autos im Vergleich

Das Laden eines Elektroautos an Ladesäulen mit Wechselspannung (AC) dauert länger als mit Gleichspannung (DC):

  • An Ladesäulen mit Wechselspannung findet man eine Steckdose "Typ 2". Mit einem entsprechenden Adapter können auch E-Autos geladen werden, die über einen Stecker "Typ 1" verfügen.

  • Für das schnelle Laden mit Gleichstrom gibt es zwei Ladestecker-Varianten: CCS und CHAdeMO.

Die App des jeweiligen Ladesäulen-Betreibers gibt Auskunft, welche Varianten an der Ladesäule zu finden sind. Ein Ladekabel muss vom Kunden mitgebracht werden.

So lange dauert das Laden

Die Ladedauer hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:

  • Wie schnell fließt der Strom aus der Ladestation?
  • Welches Ladegerät ist im Auto verbaut?
  • In welchem Zustand befindet sich die Batterie?
  • Welches Kabel wird benutzt?

Die meisten privaten Wall-Boxen kommen auf Fließgeschwindigkeiten von 11 Kilowattstunden (kWh). An öffentlichen AC-Ladestationen fließt der Strom mit 22 kWh. DC-Stationen liefern Strom mit 50 bis 150 kWh.

Beispiel: Beim BMW i3-e mit einer Batteriegröße von 37,9 kWh dauert eine 80-Prozent-Ladung bei 11 kWh circa 3,5 Stunden, bei 50 kWh nur etwa 40 Minuten. Die restlichen 20 Prozent laden langsamer. Laut Hersteller reicht ein voller Akku für etwa 260 Kilometer.

Was das Laden der E-Autos kostet

Während der Strom an einer Ladesäule zu Hause etwa 30 Cent pro Kilowattstunde kostet, werden an einigen Schnell-Ladesäulen bis zu 79 Cent pro Kilowattstunde berechnet. Das Laden von Strom ist dort nicht günstiger als das Tanken von Benzin.

Preise und Tarife an Ladestationen

An öffentlichen Ladestationen sind die Preise und Tarife für viele Verbraucher verwirrend. Einige Kritikpunkte von Verbraucherzentralen:

  • Nicht immer kassieren die Anbieter nur für die abgegebene Menge Strom. Teilweise müssen Verbraucher pauschal pro Ladevorgang zahlen - bis zu 14,88 Euro, egal wie viel Strom geflossen ist.

  • Teilweise wird zu den Gebühren pro Kilowattstunde auch die Ladezeit berechnet.

  • Für die Zahlung per Mobilitätskarte verlangen einige Anbieter sogenannte Roaming-Gebühren hinzu.

Auffällig ist, dass die Preise nicht an allen Ladestationen angezeigt werden. Hierzu sind die Anbieter gesetzlich nicht verpflichtet. Auf Anfrage teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, keine Änderung dieser Regelung vornehmen zu wollen.  

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 20.04.2020 | 20:15 Uhr

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