Eine Frau sitzt in einem Neuwagen, hinter ihr steht der Autoverkäufer © colourbox Foto: Pressmaster

Gebrauchtwagen kaufen: Schutz vor Abzocke

Stand: 03.09.2021 12:57 Uhr

Beim Kauf eines Gebrauchtwagen gilt es einige Dinge zu beachten. Bei Schäden, Laufleistung und Vertragsgestaltung wird nicht selten zu Lasten von Käuferinnen und Käufern manipuliert.

Top-Qualität zum kleinen Preis: Damit werben viele Verkäufer von Gebrauchtwagen. Aber nicht alle Angebote sind seriös: Tachos werden manipuliert, Unfälle verschleiert und im Kleingedruckten des Kaufvertrages können unfaire Klauseln stehen. Laut ADAC ist an jedem dritten Gebrauchtwagen in Deutschland der Tacho manipuliert worden. Weniger Kilometer steigern den Verkaufspreis für das Auto. Der verfälschte Kilometerstand führt nach ADAC-Angaben im Durchschnitt zu einer illegalen Wertsteigerung von 3.000 Euro pro Fahrzeug. Das alles mit dem Ziel, den Verkaufspreis für das Auto zu steigern. Wer einen Gebrauchten sucht, egal ob von privat oder vom Händler, sollte die wichtigsten Tricks der Verkäufer kennen.

Tipps für den Autokauf

Ein Autokauf braucht Zeit und ein seriöser Verkäufer drängt den möglichen Kunden nicht. Zur Besichtigung sollte man immer zu zweit gehen - im Idealfall mit einem Fachmann oder einem erfahrenen Laien. Eine Checkliste, wie sie Autoclubs und Gebrauchtwagenbörsen im Netz bereitstellen, ist eine hilfreiche Gedankenstütze. Dort gibt es auch Musterverträge für private Autokäufe.

  • Auto von außen begutachten: Der Wagen sollte im Hellen bei trockenem Wetter besichtigt werden und rundum gut zugänglich sein. Steht der Wagen in einer Halle, muss sie gut ausgeleuchtet sein. Nasse Fahrzeuge erschweren den Blick auf reparierte Teile und Lackschäden. Rost lauert in verborgenen Ecken wie Radkästen, Kofferraum und unter Teppichen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. Wenn möglich, schauen Sie auch unter das Auto. Ölflecken am Boden sind ein Alarmsignal.

  • Unfallschäden: Verdächtig sind ungleichmäßige Spalten zwischen einzelnen Bauteilen: Sind zum Beispiel die Abstände zwischen Motorhaube und Kotflügeln auf beiden Seiten unterschiedlich breit, hat sich die Karosserie vermutlich verzogen. Gut reparierte Lackschäden sind mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen. Ein schwacher Magnet deckt gespachtelte Stellen auf, denn dort haftet er nicht.

  • Daten abrufen: Nach dem Kauf kann man über das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft Angaben über das eigene Auto anfordern. Bei Totalschäden werden die Daten lange gespeichert, bei kleineren Schäden werden sie in der Regel nach kürzerer Zeit gelöscht, zum Beispiel nach einer Reparatur.

  • Steuergeräte auslesen: In modernen Fahrzeugen stecken viele kleine Computer. Tachotrickser manipulieren in der Regel nur die Anzeige im Cockpit. Mit Hilfe einer App und eines sogenannten OBD2-Adapters können auch Laien die Daten der Steuergeräte auslesen.

  • Lackstärke messen: Wenn das Fahrzeug in einen Unfall verwickelt wurde, wird in der Regel nachlackiert. Mit Hilfe eines Lackstärkemessers kann man betroffene Stellen selbst identifizieren. Die Geräte gibt es ab ca. 30 Euro.

  • Unter die Motorhaube schauen: Ein zu sauberer, frisch gereinigter Motor sollte stutzig machen. Mit einer Motorwäsche könnte der Verkäufer Spuren beseitigt und undichte Stellen kaschiert haben. Schläuche und Dichtungen sollten trocken und nicht brüchig sein. Gibt es Spuren von ausgelaufenen Flüssigkeiten? Ist die Kühlflüssigkeit im Ausgleichsbehälter trüb, kann das auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hindeuten. Suchen Sie nach Aufklebern oder Anhängern, auf denen Kilometerstand und Datum von Flüssigkeitswechseln vermerkt sind und vergleichen Sie die Angaben mit dem Tachostand.

  • Papiere prüfen: Wichtig ist ein Serviceheft, in dem die Fahrzeugwartung möglichst lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Reparaturnachweise und Prüfberichte der Hauptuntersuchungen. Wann muss der Wagen wieder zum TÜV? Mithilfe der Einträge in den Papieren lässt sich auch der Kilometerstand überprüfen - zuverlässiger als mit dem Tachostand, denn der lässt sich einfach manipulieren. Viele Vorbesitzer können ein Hinweis darauf, sein, dass das Auto wegen seiner Pannenanfälligkeit häufig weiterverkauft wurde. 

  • Funktionen und Innenraum prüfen: Testen Sie die wichtigsten elektrischen Funktionen wie Beleuchtung, Klimaanlage, elektrische Außenspiegel, Sitzheizung und das Radio. Der Innenraum sollte sauber und gepflegt wirken. Ein stark abgegriffenes Lenkrad, verschlissene Sitze und abgenutzte Pedalgummis deuten auf sehr hohe Laufleistungen hin.

  • Probefahrt machen: Der Motor sollte kalt sein und sofort anspringen. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit (ABS, ESP, Airbags) aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Einige Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich erst bei hohem Tempo bemerkbar: Das Auto zieht zur Seite oder liegt schlecht in der Kurve. Daher auch außerhalb einer Ortschaft fahren und alle Gänge nach oben und wieder zurück durchschalten.

Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin. Auch auf schlechten Straßen sollte der Wagen gut auf der Fahrbahn liegen und nicht schwimmen, scheppern oder knacken.

  • Seriöse Anbieter erkennen: Stimmt das Umfeld des Verkäufers? Ein Hof mit Bastlerautos ist keine gute Werbung. Stand der Wagen in einer Garage? Ist der angeblich private Verkäufer laut Fahrzeugpapieren auch der Eigentümer? Ein vertrauenswürdiger Verkäufer antwortet nachvollziehbar auf alle Fragen, spricht offen über Mängel und Schäden an einem Auto. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen und ausführlich Probe fahren. Ist das Angebot im Vergleich zu ähnlichen Autos sehr günstig, ist besondere Vorsicht geboten.

  • Gewährleistung: Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Gewährleistung besagt, dass ein gewerblicher Verkäufer zwei Jahre für Produktmängel haftet. Bei Gebrauchtwagen darf die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzt, jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Gibt der Händler zusätzlich eine Garantie, kann er den Umfang selbst festlegen. Lesen Sie sich die Garantiebedingungen genau durch. Ein privater Verkäufer darf die Haftung für das Auto im Kaufvertrag komplett ausschließen. Mängel, die er kennt, darf er jedoch nicht arglistig verschweigen. Nehmen Sie wichtige Zusagen des Verkäufers in den Kaufvertrag auf.

  • Sachverständige fragen: Automobilclubs, TÜV, Dekra und Kfz-Sachverständige bieten Gebrauchtwagen-Checks an. Alternative: Eine neue Hauptuntersuchung machen lassen. Auch die eigene Werkstatt des Vertrauens kann den Wagen prüfen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 06.09.2021 | 20:15 Uhr

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