Stand: 03.08.2018 12:10 Uhr

Insekten, Würmer und Co als neue Protein-Quellen

von Daniela Remus, NDR Info
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In anderen Ländern ganz normal, für uns gewöhnungsbedürftig: frittierte Heuschrecken.

Esskultur ist ein Spiegel der Gesellschaft und entwickelt sich mittlerweile ähnlich rasant wie Mode, Kunst oder Musik. Ein neuer Trend sind Würmer, Käfer, Heuschrecken und Maden als Proteinquellen. Sie stehen vor allem in tropischen Ländern häufig auf dem Speiseplan. Rund zwei Milliarden Menschen essen dort Insekten. Bei uns ist die Ekelschwelle aber ziemlich hoch. Eignen sich Insekten als Nahrungsmittel und wie schmecken sie überhaupt?

"Das sieht so aus wie Sesamkräcker, aber hier sind so kleine Würmchen. Wenn man auf die achtet, dann ist das im ersten Moment schon befremdlich." Auf dem Tisch vor Simon Remus liegt ein Energieriegel. "Bug Break", auf Deutsch etwa Käfer-Pause, besteht aus Sesam, Mandeln, Karamell und zehn Prozent gerösteten Buffalo-Würmern. Im Großen und Ganzen sieht er aus wie ein Kornriegel und schmeckt auch ähnlich: "Der schmeckt lecker, schmeckt nicht nach etwas anderem."

Kaum Eigengeschmack und vielseitig in der Küche einsetzbar

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Auch für Süßspeisen eignen sich Insekten - hier sind es Schokoberge mit Mehlwürmern.

Kaufen kann man den Energieriegel nur in ausgewählten Läden oder im Online-Handel, etwa bei Folke Dammann. Er bietet Grillen, Buffalo-Würmer, Mehlwürmer und Heuschrecken an. Alle sind in Europa gezüchtet und zum Verzehr geeignet. "Man kann die frittieren, rösten, backen, würzen - eigentlich gibt es da kaum eine Grenze. Der Grundgeschmack ist relativ unspektakulär, Mehlwürmer schmecken ein bisschen wie Esspapier oder Reiswaffeln, Buffalo-Würmer leicht nussig. Grillen haben den intensivsten Eigengeschmack, bei Heuschrecken ist es entscheidend, wie man sie zubereitet."

Deshalb entwickelt Folke Dammann in seiner Versuchküche in Witzeeze in Schleswig-Holstein ständig neue Rezepte. Eine Auswahl davon hat er in einem Insekten-Kochbuch veröffentlicht, zum Beispiel frittierte Heuschrecken mit Chili oder Grillen mit Sesam und Honig. Denn immer mehr Menschen interessieren sich für diese Ernährungsalternative. "Gerade am Anfang war das schon eher Dschungelcamp, mittlerweile ist das die Ernährung der Zukunft, das Image hat sich verbessert", sagt Dammann.

Insekten sind nahrhaft mit bis zu 70 Prozent Proteinanteil

Und das mit gutem Grund: Insekten und Algen sind ausgesprochen nahrhaft, sagt der Lebensmittelforscher Alexander Mathys, Assistenzprofessor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. "Wir haben hier einen Rohstofflieferanten, der bis zu 70,77 Prozent Protein in der Trockenmasse haben kann - das ist enorm. Algen schaffen das auch, aber bei Insekten haben wir auch einen Fettgehalt bis zu 33 Prozent und einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, und die sind ja mit Gesundheitsvorteilen verbunden."

Umweltfreundliche Alternative zu Fleisch

Mit einem höheren Insektenanteil an der täglichen Nahrung könnten der hohe Fleischkonsum in den Industrieländern und die daraus folgenden Umweltprobleme reduziert werden, meint Lebensmittelforscher Alexander Mathys: "Ich würde sagen, wir haben hier eine Rohware, die mit Fleisch konkurrieren kann, wir haben einen Energiewert ähnlich wie beim Fleisch. Aber der Hauptvorteil bei Insekten ist gerade für Europa und Deutschland, dass wir hier eine viel nachhaltigere Wertschöpfungskette darstellen und aufbauen können als bei der Fleischproduktion."

Keine Massentierhaltung, bessere Umweltbilanz, gesund und proteinhaltig, so könnte die Ernährung der Zukunft also aussehen, wenn demnächst mehr Insekten auf unseren Tellern landen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 06.08.2018 | 06:55 Uhr

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