Stand: 04.03.2019 12:51 Uhr

Die zehn Jahreszeiten des phänologischen Kalenders

Kalendarisch und meteorologisch wird das Jahr in vier Jahreszeiten eingeteilt, die jeweils zu einem festen Datum beginnen. Phänologen ist diese Einteilung allerdings zu ungenau, sie unterscheiden zehn Jahreszeiten, vom Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling bis hin zum Winter.

Die Zeigerpflanzen des phänologischen Kalenders

"Lehre von den Erscheinungen"

Das Wort "Phänologie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Lehre von den Erscheinungen". Als Teilgebiet der Meteorologie beschäftigt sich die Phänologie mit den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt. Bei Tieren sind dies zum Beispiel bestimmte Verhaltensweisen wie der Vogelzug, bei Pflanzen die Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife und der Blattfall. Phänologen beobachten die Natur über das Jahr hinweg und halten bei sogenannten Zeigerpflanzen die Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien fest. Diese Zeigerpflanzen sind Wild-, Nutz- und Zierpflanzen, die überall leicht zu beobachten sind. Zum Beispiel steht die Blüte der Hasel für den Beginn des Vorfrühlings, die Apfelblüte für den Vollfrühlingsbeginn und die Blüte des Lindenbaums für den Start in den Hochsommer.

Hasel-Blüte zeigt den Vorfrühling

Die Vegetationsperioden der Zeigerpflanzen werden auch Leitphasen genannt. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Daneben gibt es sogenannte Ersatzphasen mit alternativen Zeigerpflanzen für die jeweiligen phänologischen Jahreszeiten. Dies ist zum Beispiel im Vorfrühling die Blüte des Schneeglöckchens.

Die Zeigerpflanzen der phänologischen Jahreszeiten
JahreszeitLeitphaseErsatzphase
VorfrühlingHasel (Blüte)Schneeglöckchen (Blüte)
ErstfrühlingForsythie (Blüte)Stachelbeere (Blattentfaltung)
VollfrühlingApfel (Blüte)Stiel-Eiche (Blattentfaltung)
FrühsommerSchwarzer Holunder (Blüte)Robinie (Blüte)
HochsommerSommerlinde (Blüte)Rote Johannisbeere (Früchte)
SpätsommerFrühapfel (Fruchtreife)Eberesche (Früchte)
FrühherbstSchwarzer Holunder (Fruchtreife)Kornelkirsche (Früchte)
VollherbstStiel-Eiche (Fruchtreife)Rosskastanie (Früchte)
SpätherbstStiel-Eiche (Blattverfärbung)Eberesche (Blattfall)
WinterStiel-Eiche (Blattfall)1. Apfel, spätreifend (Blattfall) 
2. Europäische. Lärche (Nadelfall)

(Quelle: DWD)

Phänologie im Fokus der Klimaforschung

Weil sich anhand der Beobachtungen auch längerfristige Klimaveränderungen erkennen lassen, ist die Phänologie in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Klimaforschung gerückt. Denn Pflanzen entwickeln sich eben nicht nur abhängig von ihrem regionalen Standort und dem Witterungsgeschehen des jeweiligen Jahres, sondern auch abhängig von Klima und Klimawandel. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sammelt und erstellt mithilfe eines phänologischen Beobachtungsnetzes seit Jahrzehnten genaue Datenreihen. 1.250 ehrenamtliche Helfer beobachten dabei, wie sich bestimmte Pflanzen im Laufe des Jahres entwickeln - und geben ihre Erkenntnisse an den Wetterdienst weiter. "Es zeichnet sich ab, dass phänologische Daten in Zukunft verstärkt für Trendanalysen zur Klimadiagnostik herangezogen werden", heißt es beim DWD. Die Eintrittsdaten vieler phänologischer Phasen ließen sich sehr gut in Beziehung zu Temperatur-Trends setzen.

Phänologische Uhr verdeutlicht Verschiebungen

Mithilfe der phänologischen Uhr des DWD werden die Jahreszeiten des aktuellen Jahres mit dem langjährigen Mittel verglichen. So beginnt die Hasel-Blüte im langjährigen Mittel in Deutschland am 12. Februar. Ob der diesjährige Zeitpunkt früher oder später liegt, zeigt sich, sobald Daten des aktuellen Jahres zur Hasel-Blüte vorliegen.

Die Datensammlung zeigt: Die Blütezeit vieler Pflanzen wie etwa der Hasel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich nach vorne verschoben. Frühjahr, Sommer und Herbst beginnen immer früher, die Vegetationsperiode wird länger, der Winter, in dem die Vegetation pausiert, wird kürzer. Allein im Vergleich der Zeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2017 wies der DWD eine Verlängerung der Vegetationsperiode um 17 Tage nach.

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Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt

Wissenschaftler rechnen mit massiven Folgen für die biologische Vielfalt und die Nahrungsbeziehungen in der Natur, wenn die Vegetationsperiode immer länger und die Winterpause immer kürzer wird. So haben sich die Rückkehrdaten vieler Zugvögel in den vergangenen Jahren bereits verschoben. Das Brutverhalten vieler Vögel verändert sich - mit positiven und wie auch negativen Auswirkungen, wenn zum Beispiel das Nahrungsangebot für die Aufzucht der Brut fehlt.

Das Umweltbundesamt befürchtet drastische Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung einiger Arten, wenn die zeitliche Abstimmung zum Beispiel von Blüten und bestäubenden Insekten oder in Räuber-Beute-Systemen verloren geht. Bisher sei allerdings nur ansatzweise geklärt, wie sich die Verschiebungen phänologischer Phasen auf die Bestände von Tieren und Pflanzen auswirken.

Veränderungen auch für den Menschen

Auch die Landwirte müssen sich für Aussaat und Ernte auf die veränderten Bedingungen einstellen. Eine schlechte Nachricht sind die Klimaveränderungen für Pollenallergiker, denn durch die längere Vegetationsperiode verlängert sich auch die Pollensaison und das wärmere Klima ermöglicht die Ansiedelung neuer Arten wie beispielweise Ambrosia.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Wiswedel & Mahrhold – Der NDR 2 Nachmittag | 17.01.2019 | 14:05 Uhr

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