Stand: 27.05.2019 09:30 Uhr

Steigert Terra Preta den Ernte-Ertrag?

Terra Preta  Foto: Udo Tanske
Die ursprüngliche Terra Preta ist zwischen 300 und 1.000 Jahre alt. Eine nachgemachte Variante testet Gärtner Peter Rasch in seinem Garten.

Ein fruchtbarer Gartenboden, der ganz ohne Kunstdünger auskommt - ist das möglich? Gartenprofi Peter Rasch will es ausprobieren. Für gesundes Pflanzenwachstum soll Terra Preta sorgen. Der Begriff kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet "schwarze Erde". Forscher entdeckten im 19. Jahrhundert im Regenwald meterdicke Schichten humosen Bodens in eigentlich als unfruchtbar geltenden Gebieten am Amazonas. Das Prinzip der "schwarzen Erde" nutzten die Indios in Südamerika im 16. Jahrhundert, um den nährstoffarmen Boden am Amazonas fruchtbar zu machen. Mit dem Aussterben der Ureinwohner ging auch ihr Wissen verloren. 

Kohlenstoff als Superspeicher für Nährstoffe und Wasser

In der Analyse eines Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin zeigte sich, dass der schwarze Boden eine Mischung aus Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Mist, Kompost, Tonscherben sowie einigen Knochen und Fischgräten enthält. Entstanden ist die Erde durch menschliche Besiedlung und Brandfeldbau vor mehreren Hundert Jahren. Was Terra Preta so wertvoll macht, ist der große Kohlenstoffanteil. Die riesige Oberfläche des Kohlenstoffs sorgt für einen hohen Nährstoffgehalt und ein hohes Wasserspeichervermögen. Terra Preta hält ungefähr doppelt so viel Stickstoff und viermal so viel Phosphor im Vergleich zu normaler Gartenerde. In Terra Preta gepflanzte Tomaten sollen so zum Beispiel viermal mehr Ertrag bringen. Ist der Kohlenstoff einmal im Boden, bleibt er mehr als 1.000 Jahre verfügbar.

Terra Preta selbst herstellen

Eine ähnliche Mischung kann man sich selbst für den Garten herstellen. Mit den richtigen Zutaten soll die Erde sofort für den Einsatz bereit sein.

Ein Sack Urgesteinsmehl, Urin in einem Behälter, EM-A-Lösung in Flaschen und ein Sack Kohle stehen in einem Garten.  Foto: Udo Tanske
Einer der besten Stickstofflieferanten ist kostenlos und selbst gemacht: Urin ist ein wertvoller Dünger.

Wichtig ist, dass man Pflanzenkohle nicht einfach durch Grillkohle ersetzen kann. Diese ist oft mit Schadstoffen belastet. Pflanzen- oder Biokohle entsteht bei der Verkohlung von pflanzlichen Materialien. Das in den Pflanzen enthaltene Kohlendioxid wird in der Kohle gebunden. Die Kohle muss mit Nährstoffen sozusagen aufgeladen werden. Wenn sie pur in den Boden eingebracht werden würde, würde sie ihm viele Stoffe entziehen. Zum Aufladen eignen sich "Stickstoffbomben" wie Urin, Gülle, Pflanzenjauche oder Mist. Das Urgesteinsmehl und die EM-Lösung, die effektive Mikroorganismen enthält, sollen die Nährstoffe für die Pflanzen besser verfügbar machen. Wenn die Mischung fertig ist, sollte sie noch ein paar Stunden ruhen, damit die Kohle den Stickstoff richtig gut aufnehmen kann.

Nicht direkt an die Wurzeln geben

Peter Rasch hockt neben Tomatenpflanzen.  Foto: Udo Tanske
Beim Einpflanzen sollten ein paar Zentimeter Erde zwischen der Terra Preta und den Wurzeln liegen.

Die Wirkung der selbst hergestellten Terra Preta testet Peter Rasch in seinem Garten auf einem Versuchsbeet. Das Pflanzloch für die mit Terra Preta versorgten Tomatenpflanzen gräbt er zehn Zentimeter tiefer. In jedes gibt er zwei Hände voll Terra Preta und vermischt sie mit Pflanzerde. Wichtig ist, dass die Pflanze nicht gleich mit der Schwarzerde in Berührung kommt. Ein paar Zentimeter Erde sollen zwischen Terra Preta und der Wurzel liegen. Der Urin in der Mischung ist noch ziemlich frisch und könnte den jungen Wurzeln schaden. Bis diese durch die Trennschicht gewachsen sind, haben schon die ersten Umsetzungsprozesse stattgefunden und es besteht keine Gefahr mehr für das Wurzelwerk. Fortsetzung folgt.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 23.05.2019 | 19:30 Uhr

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