Menschen befinden sich im Plenarsaal des Landtags.  Foto: Axel Heimken/dpa

Impfstrategie in SH: Landtag streitet über richtigen Weg

Stand: 07.01.2021 17:54 Uhr

Das Thema Impfen hat am Donnerstag in einer Sondersitzung des schleswig-holsteinischen Landtages für hitzige Debatten gesorgt. Wie kann es künftig effizienter und schneller laufen?

Nicht alles lief bisher rund beim Corona-Impfen in Schleswig-Holstein. Die SPD fordert deshalb, umzustellen auf ein bürgerfreundliches und adressatengerechtes Einladungsverfahren für die Impftermine. Ralf Stegner kritisierte am Donnerstag im Landtag die Impfstrategie, die bei älteren Menschen aus seiner Sicht für Frust sorgt. "Es ist absolut klar, dass nicht jeder sofort geimpft werden kann", sagte der SPD-Fraktionschef und Oppositionsführer.

Es gebe zurzeit noch zu wenig Impfstoff. Aber mit Einladungen und einem dann folgenden Termin über eine ausreichend besetzte Hotline würde das Impfsystem besser laufen. Mecklenburg-Vorpommern habe mit diesem Verfahren bereits mehr Menschen geimpft als Schleswig-Holstein, sagte Stegner. "Und mit adressatengerecht meine ich, dass man sich an hochbetagte Mitbürger ein bisschen anders wenden muss als vielleicht an Studierende."

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Stegner: Impfung ist Mammutaufgabe

"Alternativ könnte man zumindest die Möglichkeit für eine Online-Registrierung bereitstellen", führte Stegner weiter aus. So könnten Senioren einmal angemeldet werden, um danach per Post die Einladung zum Impftermin zu bekommen. Papiere, die ausgefüllt werden müssten, könnten dann ebenfalls schon im Vorfeld verschickt werden. Das spare Zeit bei der eigentlichen Impfung. "Die Organisation der Impfung ist eine Mammutaufgabe, und ich habe davor auch Respekt." Man befinde sich erst am Anfang, warnte Stegner.

SSW: Systemänderung halten wir für kontraproduktiv

Der SSW machte ebenfalls deutlich, dass bei der Impfstrategie nachgebessert werden muss. "Eine Systemänderung, wie es im Antrag der SPD gefordert wird, halten wir für kontraproduktiv. Der Aufbau eines neuen Systems lässt uns wertvolle Zeit verlieren", sagte Jette Waldinger-Thiering und fügte an: "Ebenso sehen wir in einem adressatengerechten Einladungsverfahren zu Impfterminen die Gefahr, dass es bei der Nichtannahme eines solchen Termins zu unnötigen Leerläufen in den Impfzentren kommt. Auch das würde ein Zeitverlust bedeuten."

Vogt: Nachbessern, aber wir stehen ganz gut da

"Ich kann den Frust der nicht zum Zuge Gekommenen absolut nachvollziehen", sagte Christopher Vogt von der FDP. Aber: "Es sollten nur Termine vergeben werden, die auch gehalten werden können." Schleswig-Holstein sei das erste Bundesland gewesen, in dem eine Online-Terminvergabe möglich war. Natürlich müsse hier noch optimiert werden. "Wir stehen im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern gut da." Mehr als 20.000 Schleswig-Holsteiner sind nach Angaben der Landesregierung bereits geimpft. 80 Prozent in den Impfzentren waren dabei über 80 Jahre alt. Auch medizinisches Pflegepersonal wird in Schleswig-Holstein gleich mitgeimpft.

Kalinka: Senioren empfinden psychischen Druck

Werner Kalinka (CDU) mahnte, man müsse die Sorgen der über 80-Jährigen ernst nehmen. "Unsere Senioren und Seniorinnen wollen sich impfen lassen und sie empfinden psychischen Druck, weil sie das nicht schnellstmöglich machen können." Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte in seiner Regierungserklärung, dass diejenigen, die bisher noch keinen Impftermin bekommen haben, keine Angst haben sollten. Damit sprach er die über 80-Jährigen an. "Sie können auch mal eine Woche verstreichen lassen, weil Sie definitiv drankommen werden." Er kündigte auch an, Informationsbriefe an alle Haushalte zu verschicken, um zu erklären, wie der Weg zur Impfung aussieht. 

Grüne: Alle Vorschläge auf den Tisch

Auch die Grünen wollen den Ablauf bei der Terminvergabe für die Impfung verbessern. "Deswegen steht für uns Grüne fest, dass alle Vorschläge, die zu einer Verbesserung des Verfahrens beitragen können, auf den Tisch gehören. Das Ziel ist doch, die Impfungen so bald wie möglich durchzuführen", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Marret Bohn.

Impfungen gegen das Coronavirus

Seit dem 27. Dezember 2020 werden Menschen in Schleswig-Holstein gegen das Coronavirus geimpft. Die Impfquote zeigt an, wie viel Prozent der Bevölkerung bereits die erste von derzeit zwei nötigen Impfung erhalten haben.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.01.2021 | 15:00 Uhr

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