Zeitreise: Vergabe der Olympische Segelwettbewerbe 1972 an Kiel

Stand: 21.08.2022 12:58 Uhr

Kann eine Stadt grinsen? Wenn sie es könnte, hätte Kiel das am 18. März 1967 getan, denn da hat sich die Stadt mit seinem Olympiazentrum Schilksee gegen Lübeck-Travemünde durchgesetzt.

Mit 15 zu sechs Stimmen entschied sich das Olympische Organisationskomitee für Kiel. Zum einen half die Tradition, denn schon 1936 war die Stadt Ausrichter Olympischer Segelwettbewerbe, und die jährliche Kieler Woche war unter den Seglerinnen und Seglern beliebt. Zudem versprachen die Kielerinnen und Kieler sehr niedrige Kosten. Der Hafen sollte nur 1,6 Millionen Mark kosten, obwohl es damals in Schilksee nur ein paar Liegeplätze für Fischerboote und einige Bundeswehrbaracken am Strand gab. Am Ende kostete der neue Segelhafen 95 Millionen Mark, wie der Bayerische Rundfunk fast empört im September 1972 berichtete - fast das 60-fache der veranschlagten Kosten.

Kaum eine Straße ohne Bauzaun

Eine alte Aufnahme zeigt Bauarbeiten vor dem Kieler HBF. © NDR
In ganz Kiel wurde damals gebaut, unter anderem vor dem Kieler Hauptbahnhof.

Insgesamt standen für die Olympia-Vorbereitungen mehr als 500 Millionen Mark zur Verfügung. Die Verantwortlichen konnten das größte Ausbauprogramm der Nachkriegsgeschichte verwirklichen. Kiel bekam ein neues Gesicht. Es gab kaum eine Geschäftsstraße, in der es nicht einen Bauzaun gab. So entstand zum Beispiel ein neuer Omnibusbahnhof, der alte Markt rund um die Nikolaikirche wurde bebaut, der Rathausplatz umgestaltet und ein neuer repräsentativer Opernhausanbau errichtet.

Kiel bekommt eine Autobahn und ein Segelzentrum

Vor allem aber wurde das Straßensystem vollkommen neu gestaltet. Kiel war bei der Vergabe der Wettbewerbe noch nicht an das bundesdeutsche Autobahnnetz angeschlossen - als einzige Landeshauptstadt der Republik. Nun wurde erst die A7 Richtung Flensburg verlängert und dann ein eigener Autobahnzubringer nach Kiel gebaut: die A215. In der Stadt selbst gab es einen neuen Verkehrskreisel und eine Stadtautobahn - auch um den Olympiahafen Schilksee rascher zu erreichen, der bisher nur über kleine gewundene Straßen mit Kiel verbunden war, die eher Feldwegen glichen. Und der Bund und das Land machten das Geld locker für ein schickes Segelzentrum im ehemaligen Fischerdorf Schilksee. Es wurde hier nicht nur ein neuer Hafen, sondern auch Appartement-Anlagen, Bungalows und Hochhäuser gebaut. So entstanden hunderte neue Wohnungen in dem erst 1959 in Kiel eingemeindeten Ortsteil.

Jahrhundertchance genutzt

Für Kiel hat sich 1972 die Ausrichtung der Olympischen Wettbewerbe auf alle Fälle gelohnt. Noch bevor die Medaillen vergeben wurden, war die Stadt der große Gewinner. Der damalige Oberbürgermeister Günther Bantzer (SPD) sprach von einer Jahrhundertchance, die Kiel ergriffen hat. Als am 28. August 1972 die Olympischen Segelwettbewerbe in Schilksee feierlich eröffnet wurden und die Olympische Flamme auf dem neuen Turm, mitten in der Segelanlage, entzündet wurde, zeigte Kiel der Welt ein freundliches und repräsentatives Gesicht, mit einem frischen Make-Up auf den Straßen und Plätzen der Stadt.

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