Stand: 17.04.2019 16:09 Uhr

Wohnungslosigkeit weiterhin großes Problem in SH

In Schleswig-Holstein sind Tausende Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht. Im vergangenen Jahr haben etwa 7.500 Menschen bei der Diakonie Hilfe gesucht - etwa in Beratungsstellen, Tagestreffs und Notunterkünften. Das waren zwar rund 100 Menschen weniger als noch 2017, jedoch knapp 2.000 mehr als noch vor fünf Jahren. "Wir haben überhaupt keine Entspannung", sagte Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß. Er sprach von dramatischen Zahlen.

Gründe: Arbeitslosigkeit, Krankheit und Überschuldung

Hauptgrund neben Arbeitslosigkeit, Krankheit und Überschuldung sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Einer Studie zufolge würden im Land 41.000 Wohnungen für Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen benötigt. Die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt trifft laut dem Hilfswerk zunehmend auch Frauen. Etwa 2.300 Frauen sind im vergangenen Jahre die Beratungsstellen der Diakonie gekommen, um sich beraten zu lassen. "Somit war jeder dritte Hilfesuchende eine Frau", sagt der Sprecher des Diakonie-Vorstands und Landesbischhof Naß. Vor fünf Jahren lag der Frauenanteil noch bei rund 17 Prozent. Naß erklärte den Anstieg damit, dass es Beratungsangebote speziell für Frauen gebe.

Dunkelziffer ist höher

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"Wir haben überhaupt keine Entspannung", sagt Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß zum Thema Wohnungslosigkeit.

Die Dunkelziffer in Sachen Wohnungslosigkeit ist nach Einschätzung der Diakonie hoch: Betroffene kämen bei Verwandten oder Bekannten unter, ohne anderweitig Hilfe zu suchen. Offizielle landesweite Zahlen gibt es nicht. Als größter Anbieter von Notunterkünften und Beratung hat die Diakonie den besten Überblick über das Ausmaß von Wohnungslosigkeit im Land. Sie hilft unmittelbar nicht nur mit landesweit gut 200 Notunterkünften, sondern zum Beispiel auch dadurch, dass sie Wohnungen mietet und sie für ein Jahr auf Probe an Menschen weiter vermietet, die sonst wohnungslos wären.

"Unsere Beratungsstellen und Notunterkünfte können diese Menschen zwar auffangen, die erste Not lindern und gemeinsam mit ihnen Perspektiven entwickeln", erklärte Naß. Gelöst werden könne das Problem aber nur mit deutlich mehr Anstrengungen im sozialen Wohnungsbau. "Da sehen wir die Landesregierung und die Kommunen in der Pflicht."

Schwerpunkt in großen Städten

Als Brennpunkte der Wohnungslosigkeit nannte die Diakonie Lübeck, Kiel, Flensburg und Neumünster. Aber auch der ländliche Raum wie Nordfriesland sei betroffen. Verschärft werde das Problem unter anderem dadurch, dass Investoren Wohnungen kauften und an Touristen vermieteten. Die Diakonie forderte Land und Kommunen auf, die Zweckentfremdung von Wohnungen einzudämmen. Sie müssten zudem eigene, brachliegende Flächen kostengünstig für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen und mit einer Quote von mindestens 30 Prozent für den sozialen Wohnungsbau verbinden. Flächen, die spekulativ brachliegen, sollten mit Negativzinsen belegt werden, fordert die Diakonie.

Kritik und Lob für die Politik

An die Politik appellierte Naß, die Mietpreisbremse nicht, wie von der Landesregierung beschlossen, auslaufen zu lassen. Außerdem sollen brachliegende Bauflächen, um spekulativ den Grundstückspreis nach oben zu treiben, stärker besteuert werden. Lob gab es für die Verdopplung der Landeszuschüsse für die Wohnungslosenhilfe auf eine Million Euro. Damit könnten Beratungsstellen personell aufgestockt und zusätzliche Projekte angeschoben werden, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.04.2019 | 17:00 Uhr

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