Stand: 24.01.2019 18:18 Uhr

Wohnen im Neubau - können sich viele nicht leisten

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Im Neubau zur Miete wohnen ist vor allem in Kiel und Flensburg ein Luxus, den sich nur wenige leisten können.

In Kiel und Flensburg ist es besonders teuer in einer Drei-Zimmer-Neubauwohnung zur Miete zu wohnen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das ARD-Magazin Panorama in Auftrag gegeben hat. Demzufolge schluckt eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung in der Landeshauptstadt 36,4 Prozent vom Einkommen eines durchschnittlichen Haushalts, in Flensburg sind es 35,4 Prozent. In den beiden Städten ist die sogenannte Mietbelastungsquote besonders hoch. Im Vergleich: In Dithmarschen muss eine Familie 16,8 Prozent ihres Einkommens für drei Zimmer aufwenden. Der Kreis an der Westküste ist der günstigste in Schleswig-Holstein.

In Kiel fehlt sozialer Wohnungsbau

Der Mieterbund Schleswig-Holstein findet, dass maximal 25 Prozent des Einkommens für Miete ausgegeben werden sollten - wohnen im Neubau ist nach Ansicht des Verbandes also ein Luxus, den sich nur noch wenige leisten können. "Es sind tatsächlich viele Geringverdiener, aber auch immer stärker Menschen mit mittlerem Einkommen betroffen, weil auch diese zunehmend Probleme haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden", sagt Carsten Wendt vom Mieterbund. "Wenn es teuer ist, im Neubau zu wohnen, hat das auf das gesamte Mietengefüge der Stadt Einfluss. Wir haben in den letzten fünf Jahren einen Anstieg der Miete in Kiel um ungefähr 20 Prozent", erklärt er weiter.

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Das sei das Ergebnis davon, dass Kiel seit fast 20 Jahren keinen eigenen sozialen Wohnungsbau betreibe. An diesem Punkt hat die Stadt laut Wohndezernent aber reagiert und eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Jetzt würden 4.000 Wohnungen gebaut.

Bodenpreise und Baukosten beeinflussen Mietpreise

Laut den Panorama-Recherchen sind nicht nur angespannte Wohnungsmärkte in Städten für die hohe Mietbelastungsquote verantwortlich. Zu den Hauptkostentreibern gehörten auch die hohen Bodenpreise. Ein weiterer wichtiger Faktor: die Baukosten. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Baupreise seit 2005 um 33 Prozent gestiegen. Seitdem haben sich viele Bauvorschriften aus den Bereichen Brandschutz, Schallschutz oder für das Dämmen verschärft.

Kaltmieten kosten laut dem Panorama-Bericht mindestens zehn Euro pro Quadratmeter, mehr als sich viele leisten können. Durchschnittsverdiener können sich in Kiel und Flensburg nach Panorama-Recherchen mehr als 66 Prozent der Wohnungen nicht leisten. Allerdings - so kritisiert der Bericht: Die Kosten sind politisch beeinflussbar. Eine Kommission der Bundesregierung, die die Kosten hätte reduzieren sollen, habe bisher wenig erreicht, kritisiert ein ehemaliges Mitglied der Kommission, das Panorama interviewt hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.01.2019 | 17:00 Uhr

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