Ein Landwirt erntet mit einem Mähdrescher ein Gerstenfeld bei Sehnde in der Region Hannover. © picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Unbeständiges Wetter sorgt für durchwachsene Erntebilanz

Stand: 23.08.2021 12:25 Uhr

Zu warm, zu kalt, zu nass - die Landwirte in Schleswig-Holstein ziehen eine durchwachsene Erntebilanz. Laut Landwirtschaftskammer fiel das Ergebnis in diesem Jahr unter- bis mitteldurchschnittlich aus.

Noch nie hätten Wetterextreme so sehr im Fokus der Ernte gestanden, wie in diesem Sommer, heißt es von der Landwirten. Nachdem die Gerste zunächst fast problemlos von den Feldern geholt werden konnte, änderte sich das Wetter dann und erschwerte zum Beispiel die Ernte von Raps und Weizen. "Durch den anhaltenden Regen mussten wir das Getreide und den Raps geradezu vom Acker stehlen", sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Beides musste aufwendig getrocknet werden. Die Folge: Steigende Preise. Der Doppelzentner Raps - also 100 Kilogramm - kostet in diesem Jahr mit 55 Euro jetzt 19 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Ähnlich fallen die Preissteigerungen auch bei den anderen Feldfrüchten aus.

Die Preise für Dünger seien jedoch ebenfalls gestiegen. Laut Statistikamt Nord stand Getreide im Jahr 2021 auf einer Fläche von 302.400 Hektar - acht Prozent mehr als 2020. Es werde mit rund 2,4 Millionen Tonnen Getreide gerechnet. Das wäre ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Betriebe müssen sich auf Klimawandel einstellen

Der Klimawandel sei auf den Feldern angekommen, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Mit vielfältigem Ackerbau, erweiterten Fruchtfolgen und gutem Betriebsmanagement müssten sich die Betriebe intelligent aufstellen. Als Beispiel nannte Albrecht ein landesweites digitales System zur Wettererfassung, das die Landwirte bei Aussaat und Ernte unterstützen soll. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft bereits.

Wie mit dem Wetter umzugehen sei, sieht Bauernverbandspräsident Schwarz etwas anders als der Minister. "Ich halte überhaupt nichts von Alarmismus", sagte er. Hitzewellen im Juni habe es immer gegeben, viel Regen im Juli und August sei auch nicht ganz außergewöhnlich. "Wir Bauern können derzeit mit dem Unbill des Wetters leben." Auch seien die Erträge kein echter Grund zum Jammern und die Erlöse schon gar nicht. Schwierig für die Landwirte seien steigende Kosten durch staatliche Vorgaben, sagte Schwarz und verwies auf Umweltauflagen, Einschränkungen beim Pflanzenschutz, Tierwohl-Label und den Umbau von Tierställen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.08.2021 | 12:00 Uhr

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