Stand: 22.08.2019 06:00 Uhr

Ufermann: "Wandel braucht Zeit, Geduld und Willen"

Als Kommandeur des Marinestützpunktkommandos und Standortältester hat Bernd Ufermann Einblick in die Prozesse des Standortausbaus in Eckernförde. Im Interview erzählt er, was die Bundeswehr plant - und warum es auch länger dauern könnte.

Um wie viele Dienstposten wird der Marinestützpunkt in Eckernförde wachsen?

Bernd Ufermann: Seit Beginn der Trendwende Personal im Jahre 2017 erfährt der Stützpunkt hier einen kontinuierlichen Aufwuchs an Personal. Seit 2017 haben wir etwa 3.000 Mitarbeiter hier gehabt - wobei das Verhältnis von Militär zu zivilem Personal etwa 80 zu 20 Prozent ist. Wir werden auf circa 4.000 aufwachsen. Das heißt: etwa 3.000 Soldaten und 1.000 zivile Angestellte. Wann wir das letztendlich erreichen können, ist von vielen Faktoren abhängig. Wir als Bundeswehr müssen unser Personal auch auf dem zivilen Arbeitsmarkt generieren. Da stehen wir natürlich ordentlich in Konkurrenz mit der Industrie, mit dem zivilen Arbeitgebern und anderen Behörden. Wann wir also diese Zahlen tatsächlich erreichen, wird sich zeigen.

1.000 Menschen mehr - das ist ein verhältnismäßig großer Schritt.

Ufermann: Wir kommen aus einer Periode des ständigen Abbaus hin zu einer Periode, wo wir jetzt wirklich wieder personell und auch materiell anwachsen. So muss der Wandel hin zu einer modernen und einsatzfähigen Bundeswehr im täglichen Dienstbetrieb praktisch vorangetrieben werden. Das könnte man vergleichen mit einer Operation am offenen Herzen. Der Wandel benötigt wirklich Zeit, Geduld und den Willen aller Beteiligten, praktisch vom kleinen Soldaten bis hin in die hohe Politik.

Wie viel Geld hat die Bundeswehr für den Ausbau eingeplant?

Ufermann: Eckernförde gehört mit Gewissheit zu einem der Marinestandorte, die das größte Investitionsvolumen bekommen. Die aktuellen Zahlen für die land- und natürlich auch wasserbaulichen Baumaßnahmen belaufen sich auf etwa 300 Millionen Euro. Das ist natürlich eine große Summe. Aber wer sich ein bisschen mehr in der Infrastruktur auskennt, weiß, dass, wenn man zum Beispiel eine Sanierung eines Hafens vor sich hat, das sehr schnell in einen sechsstelligen Millionenbereich gehen kann. Und in der Vergangenheit wurde in den Standort nicht so viel investiert, so dass hier auch reichlich Nachholbedarf besteht. Dazu kommt, dass viele Instandsetzungen und Sanierungsmaßnahmen auch aus diversen Gründen verschoben werden. Jede Verschiebung zieht dann auch eine Kostenerhöhungen nach sich, weil der Preis natürlich auch mitwächst - und von Jahr zu Jahr wird's dann eben teurer.

Woran liegt es, dass Bauvorhaben der Bundeswehr länger dauern als vorgesehen?

Ufermann: Wie überall unterliegen wir auch festen und oftmals sogar sehr starren Regelwerken, die aus gesetzlichen und verfahrensbedingten Vorgaben bestehen. Das fördert nicht unbedingt die Flexibilität in diesem Bereich. Dementsprechend ziehen sich die Prozesse der Planungen bis hin zur Fertigstellung oftmals über viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Wir haben tatsächlich Projekte, die wir schon seit Jahrzehnten bearbeiten.

Der Bund als Auftraggeber verfügt über keine eigene Bauverwaltung und muss sich abstützen auf die Bauverwaltungen der Länder. Und so wie die Bundeswehr ja auch in der Vergangenheit abgerüstet, auch personell abgebaut hat, haben auch die Bauverwaltungen ihr Personal langsam aber sicher heruntergefahren.

Was war die Konsequenz?

Mit der Trendwende Personal und der Trendwende Material kam es jetzt auf einmal zu einem Bauboom, in dem alle Seiten, ob die militärische oder zivile Infrastruktur und Organisation, eine Rolle spielen. Oder auch, dass die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig Holstein, Anm. d. Red.) einfach gar nicht mehr personell in der Lage war, diesen Boom abzudecken. Die GMSH hat durchaus auch die Möglichkeit, Aufträge zivil zu vergeben, ist natürlich aber bemüht, das im eigenen Hause zu lassen und auch dort dann entsprechend zu kontrollieren. Aber auch die GMSH - wie auch alle anderen Beteiligten - haben hier extreme Probleme mit dem Personal, um dieses große Aufkommen tatsächlich zu bewältigen.

Das Interview führte Maja Bahtijarević, NDR Schleswig-Holstein.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.08.2019 | 06:00 Uhr

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