Transall: Emotionaler Abschied nach 10.000 Flugstunden

Stand: 14.12.2021 05:00 Uhr

Das LTG63 aus Hohn bei Rendsburg ist von Mittwoch an Geschichte. Denn das Geschwader mit seinen Transall-Flugzeugen wird aufgelöst. Pilot Hartmut Schwerdtfeger war fast 30 Jahre lang dabei.

von Christian Wolf

Das Wetter in Hohn bei Rendsburg passt an diesem Dienstag zu der bevorstehenden Auflösung des Lufttransportgeschwaders 63 (LTG63). Es nieselt, es ist kalt und die Wolken hängen tief über dem Fliegerhorst. Einsam und verlassen, stehen zwei Flugzeuge vom Typ Transall auf der Parkfläche neben der Start- und Landebahn.

Hartmut Schwerdtfeger geht ein letztes Mal um eine der parkenden Maschinen. Es scheint, als wolle er sich jedes Detail der Transall einprägen. Denn für den 56 Jahre alten Piloten ist es das letzte Mal, dass er mit der C-160 von Hohn aus abhebt. Für Hartmut Schwerdtfeger ein emotionaler Moment: "Ich muss ehrlich sagen, dass ich das lange verdrängt habe. Klar ist das eine traurige Geschichte, aber am Ende habe ich hier eine wunderschöne Zeit erlebt."

Von Hohn aus in die ganze Welt

Das Bundeswehrflugzeug Transall während eines Starts auf dem Fliegerhorst Hohn. © NDR Foto: Christian Wolf
Mit der Transall hat Pilot Hartmut Schwerdtfeger viel erlebt. Auch mit über hundert Löchern im Rumpf hat ihn das Flugzeug aber sicher nach Hause gebracht.

Fast 30 Jahre lang ist Hartmut Schwerdtfeger von Hohn aus zu Einsätzen rund um die Welt gestartet. Nordamerika, Afrika, Asien oder Europa - es gibt nur zwei Kontinente, die der Pilot des LTG63 nicht angeflogen ist - Antarktika und Australien. Unvergesslich bleibt für ihn vor allem die Ausbildung im Tiefflug: " Das haben wir im kanadischen Labrador und in Norwegen gemacht. Das ist einfach unglaublich durch die Fjorde zu fliegen. Wo sonst hätte ich so etwas machen können." Mit der Transall war der 56-Jährige am liebsten in Europa unterwegs. Er habe hier jedes Land mit der Transall bereist. Außerdem gibt es hier auch seine Lieblings-Strecke: "Ich mochte immer den Flug von Deutschland nach Griechenland. Das ist schon schön, wenn Kreta auftaucht. Das fand ich immer toll."

Krieg und Humanitäre Hilfe

Es sind aber nicht nur die schönen Momente, die das Leben eines Piloten der Luftwaffe prägen. Das LTG63 war ständig unterwegs, beispielsweise bei humanitären Einsätzen in Afrika. "Man sieht dann einfach eine ganz andere Welt, die man so bisher nicht kannte" erklärt Schwerdtfeger. Im Kopf habe er dann immer nur den Auftrag gehabt. "Verarbeitet habe ich das immer erst danach, in Gesprächen mit der Besatzung oder meiner Frau."

Das Bundeswehrflugzeug Transall während eines Starts auf dem Fliegerhorst Hohn. © NDR Foto: Christian Wolf
Fast 30 Jahre lang hat Hartmut Schwerdtfeger die Transall geflogen. Insgesamt kommt der Pilot der Luftwaffe auf rund 10.000 Flugstunden.

Auch den Krieg auf dem Balkan hat der 56-Jährige erlebt. "Wir sind damals nach dem Start in Zagreb beschossen worden. Die Transall hatte 103 Löcher im Rumpf, hat uns aber sicher nach Hause gebracht", erinnert sich der zweifache Familienvater. Das Flugzeug bekam später den Namen Phoenix, weil es trotz der Schäden wieder in Dienst gestellt werden konnte. "Das fand ich toll und das war auch irgendwie mein Flugzeug danach. Ich habe immer versucht, so oft es geht mit dieser Transall zu fliegen", erzählt Hartmut Schwerdtfeger.

Künftig nur noch Passagier

Als Pilot will Hartmut Schwerdtfeger künftig nicht mehr arbeiten. "Ich habe mir das sehr lange überlegt. Ich hatte viele gute Landungen und will das nicht ausreizen. Ich will daher nur noch als Gast an Bord gehen", erklärt der 56-Jährige. Als Pensionär will er sich nun vor allem um die Freiwillige Feuerwehr Rendsburg kümmern, in der er seit Jahren Mitglied ist: "Mit jährlich 450 Einsätzen ist das keine kleine Feuerwehr. Da habe ich also genug Arbeit, außerdem bin ich da auch im Vorstand."

Mit dem Aus als Pilot und der Auflösung des LTG63 hat er sich abgefunden. "Klar schwebt da Wehmut mit, aber ich habe damit meinen Abschluss gefunden", erklärt Hartmut Schwerdtfeger. Dann steigt der Pilot mit einem Grinsen in eine der wartenden Transall-Maschinen, lässt ein letztes Mal die laut brummenden Triebwerke an und verschwindet mit der Maschine nach dem Take-Off in den tief hängenden Wolken - zu einem letzten Flug, den der Pilot nach eigenen Worten, einfach nur genießen möchte.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.12.2021 | 08:00 Uhr

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