Ein Mann verdeckt vor Gericht sein Gesicht © NDR Foto: Axel Heimken

Tod in Ostsee vorgetäuscht: Haftbefehl aufgehoben

Stand: 04.02.2021 15:22 Uhr

Im Kieler Betrugsprozess um einen vorgetäuschten Tod in der Ostsee ist der Hauptangeklagte aus der Untersuchungshaft freigelassen worden. Das Gericht sieht keinen dringenden Tatverdacht mehr.

Der 53-Jährige soll zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter versucht haben, Versicherungen zu betrügen. Im Oktober 2019 täuschte der Mann einen tödlichen Unfall mit seinem Motorboot auf der Ostsee vor. Danach versteckte er sich monatelang, bis er Anfang Mai 2020 im Haus seiner Mutter in Schwarmstedt (Niedersachsen) auf dem Dachboden festgenommen wurde. Konkret wurden 14 Lebensversicherungen abgeschlossen, die beim Tod des Mannes mehr als vier Millionen Euro auszahlen sollten.

Das Kieler Landgericht meint, dass 13 Versicherer das Geld erst zahlen, wenn eine amtliche Sterbebescheinigung vorgelegt wird. Diese Urkunde gibt es aber nicht, weil der Mann offiziell nie für tot erklärt worden ist.

Kein tragfähiger Haftgrund

Demnach "liegt ein tragfähiger Haftgrund aus Sicht der Kammer nicht mehr vor, da nach derzeitigem Verfahrensstand der dringende Tatverdacht überwiegend entfallen ist", sagte der Sprecher. Die Entscheidung fiel nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits am Mittwoch. Das Gericht hob den Haftbefehl gegen den Mann auf und verfügte die Entlassung aus der Untersuchungshaft. Die Anklage kündigte Beschwerde gegen den Beschluss an.

Die Kammer meint, dass der Vorwurf des versuchten Versicherungsbetrugs nicht mehr eindeutig ist. Nur eine Versicherung verlangt diese Bescheinigung nicht pauschal. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.02.2021 | 17:00 Uhr

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