Stand: 04.06.2020 17:24 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Sig Sauer schließt Standort Eckernförde

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125 Mitarbeiter werden ihre Jobs in Eckernförde verlieren.

Der Waffenhersteller Sig Sauer schließt seinen Betrieb in Eckernförde. Knapp 130 Mitarbeiter sind betroffen. Das hat Geschäftsführer Tim Castagne NDR Schleswig-Holstein bestätigt. Die Belegschaft und den Betriebsrat hatte Castagne am Donnerstag über die Situation informiert. Nach Informationen von NDR-Schleswig-Holstein sind die Gesellschafter von Sig Sauer nicht mehr bereit, weiteres Geld in das finanziell angeschlagene Unternehmen zu investieren.

Geschäftsführer kritisiert Waffenmarkt-Regeln

Castagne nannte im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein mehrere Gründe für den Rückzug. Er sagt, der Waffenmarkt in Deutschland sei immer stärker reguliert worden, entsprechend sei der Absatz deutlich gesunken. Außerdem lohne es sich finanziell nicht mehr, in Eckernförde Sport- und Dienstwaffen für die Polizei herzustellen. Dazu kommt laut Castagne, dass Großaufträge zum Beispiel von der Bundeswehr ausgeblieben sind. Sein Unternehmen werde diskriminiert, beklagt Castagne: "SIG Sauer wird wegen seiner internationalen Ausrichtung von den Ausschreibung systematisch ausgeschlossen". Internationale Ausrichtung heißt in diesem Fall, dass die meisten Waffen in den USA entwickelt werden. Zusätzlich belasteten die Auswirkungen der Coronakrise das Unternehmen.

Alle Mitarbeiter werden entlassen

Den Mitarbeitern soll laut Castagne gekündigt werden. Aktuell prüft das Unternehmen, welche Aufträge noch abgearbeitet werden können. Außerdem werden Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für die Beschäftigten aufgenommen. Wann genau der Standort geschlossen werden soll, ist noch offen. Klar ist laut Castagne nur, dass dies in diesem Jahr geschehen soll. Das Traditionsunternehmen stellt in Eckernförde seit 1951 Waffen her. Seit dem Jahr 2000 gehört es zur L&O Holding, zu der auch die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington in New Hampshire gehört.

In der Branche wird nun erwartet, dass Teile der Waffenherstellung aus Eckernförde von einem anderen Hersteller der L&O Holding übernommen werden. Andere Bereiche der Waffenproduktionen würden dann aus den USA (Sig Sauer USA) geliefert.

Wirtschaftsministerium: "Bittere Nachricht"

Schleswig-Holsteins Landesregierung sei von der angekündigten Schließung des Standorts in Eckernförde "kalt erwischt worden", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs. "Das ist eine ganz bittere Nachricht für die Region, aber auch für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein insgesamt." Erst im Februar hatte die amtliche Beschussstelle für Waffen und Böller in Eckernförde nach einer Modernisierung wieder ihren Betrieb aufgenommen. Das Land investierte dafür 400 000 Euro, auch um ein klares Signal in Richtung Sig Sauer zu setzen, sagte Rohlfs. Noch sei unklar, ob der Fortbestand der Einrichtung Sinn ergebe.

Illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien

In den vergangenen Jahren war Sig Sauer in den Schlagzeilen wegen illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien. Drei inzwischen ehemaligen Manager wurden deshalb 2019 zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie gestanden in dem Verfahren, für die Lieferung von fast 50.000 Pistolen vom Typ SP 2022 aus Deutschland an eine Schwesterfirma in den USA zwischen 2009 und 2011 verantwortlich zu sein. Von diesen Waffen wurden mehr als 38.000 nach Kolumbien weiterverkauft - ein Verstoß gegen das deutsche Außenwirtschafts- und das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft sind erneut Ermittlungen eingeleitet worden, weil mutmaßlich in Eckernförde produzierte Waffen von Sig Sauer in Ländern aufgetaucht sind, in die sie aus Deutschland nicht hätten geliefert werden dürfen - konkret nach Mexiko. Ermittelt wird aktuell noch gegen Unbekannt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.06.2020 | 17:00 Uhr

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