Stand: 11.09.2020 21:04 Uhr

Land und Kommunen wollen Moria-Flüchtlinge aufnehmen

Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will Deutschland bis zu 150 Flüchtlinge aus dem abgebrannten Flüchtingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufnehmen und auf die Bundesländer verteilen. Für Eka von Kalben sind das viel zu wenig. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Schleswig-Holsteinischen Landtag sprach von einer "peinlich kleinen Zahl". Sie ist der Meinung, dass die Länder, die bereit sind zu helfen, vom Bund auch die Möglichkeit bekommen sollten zu helfen. "Und Schleswig-Holstein ist bereit dazu", sagte von Kalben.

SPD: Land soll sich auf Bundes- und EU-Ebene einsetzen

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wollte sich zu den Ankündigungen Seehofers am Freitag nicht äußern. Er hatte aber bereits erklärt, dass das Land bereit sei, insbesondere Familien mit kleinen Kindern aufzunehmen. Die SPD-Fraktion im Landtag will die Flüchtlingssituation in der nächsten Sitzung zum Thema machen. In ihrem Antrag fordert sie die Landesregierung auf, sich auf Bundes- und EU-Ebene dafür einzusetzen, dass Deutschland einen "maßgeblichen Anteil" der Menschen aus dem Flüchtlingslager Moria aufnimmt.

Kiel bietet 40 Plätze, Lübeck bis zu 20

Auch Kommunen erklärten sich bereit Flüchtlinge aufzunehmen. Kiel stünden zum Beispiel 40 Plätze zur Verfügung, sagte Stadtsprecherin Kerstin Graupner: "Einige davon sind auf dem MFG-5-Gelände, also dort, wo auch Geflüchtete 2015 untergebracht worden sind und auch immer noch dort leben." Die Stadt Lübeck würde nach Angaben eines Sprechers 15 bis 20 Menschen aus dem Flüchtlingslager eine Unterkunft anbieten. Und auch Flensburg signalisiert grundsätzliche Bereitschaft. Der Flüchtlingsbeauftragte von Schleswig-Holstein, Stefan Schmidt, fordert, dass bundesweit mehrere Tausend Menschen aufgenommen werden und nicht nur 150.

Demonstranten: Politik sieht seit Jahren weg

In Kiel wurde am Freitag für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager demonstriert. Ursprünglich wollten die Demonstranten gegen die Kreuzfahrtschiffe im Hafen der Landeshauptstadt mobil machen. Nach dem Feuer auf der Insel Lesbos schwänkten sie aber um und forderten von der EU, Menschen aus Moria und anderen Flüchtlingslagern aufzunehmen. "Wir haben den Platz, wir haben die Möglichkeiten, wir haben die Ressourcen. Das einzige was uns im Weg steht, sind Politiker*innen, die das Ganze immer wieder ablehnen", sagte eine Sprecherin des Kollektivs Afroamerikanischer Frauen Kiel. Schon seit Jahren würde die Politik immer wieder wegsehen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 250 Menschen an der Demo.

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Schleswig-Holstein Magazin | 11.09.2020 | 19:30 Uhr

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