Mit Drohne und VR-Brille: Suche nach der perfekten Rapssorte

Stand: 21.05.2021 13:23 Uhr

In einem Forschungsinstitut in Holtsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) werden Rapssorten gesucht, die sich optimal an das Klima, die Umwelt und den Boden anpassen. Dabei werden die Methoden immer futuristischer.

Jährlich werden in Schleswig-Holstein 10.000 Hektar Raps angebaut. Die Pflanzen liefern Öl, stecken in Diesel-Kraftstoff und sind wichtige Ackerpflanzen im Rahmen der Fruchtfolge. Ab und zu gibt es allerdings Jahre, in denen Landwirte mit Schädlingen und Trockenheit zu kämpfen haben. Um widerstandsfähigen Raps zu erzeugen, wird deshalb bei der Norddeutschen Pflanzenzucht NPZ Innovation GmbH in Holtsee geforscht. Hier stehen viele Raps-Parzellen mit unterschiedlichen Sorten. Die Forscher wollen wissen: Welcher Raps blüht früher und wann ist er erntereif? Auf welchem Boden wächst er am besten? Welcher ist robust und kommt gut mit Wind, Kälte, Trockenheit oder Schädlingen klar?

Drohne liefert Unmenge von Daten

Früher waren die Forscher tagelang zu Fuß auf den Feldern unterwegs. Heutzutage ist eine Drohne im Einsatz und fliegt über die "Testkandidaten". Es sind bis zu 15.000 Parzellen. Die Drohne braucht nur 20 Minuten und liefert Fotos in hoher Auflösung. Blütenstand, Wuchshöhe - all das wird ermittelt. Mit Algorithmen können die Wissenschaftler sogar die Zustände der Pflanzen zwischen den Flügen errechnen. Die Drohne mache ganz viele überlappende Aufnahmen, erklärt Projektkoordinator Matthias Enders. "Aus den verschiedenen Blickwinkeln kann die Drohne tatsächlich ein 3D-Modell über das gesamte Feld ausrechnen."

Handarbeit beim Kreuzen der Pflanzen

Matthias Enders, Projektkoordinator beim Forschungsinstiut in Holtsee.
Matthias Enders ist der Projektkoordinator. Mit Hilfe modernster Technik versuchen er und seine Kollegen die perfekte Rapssorte zu entwickeln.

Es ist sogar möglich, dass der Zuchtgarten zum Züchter kommt - statt umgekehrt. So setzt sich Matthias Enders eine Virtual-Reality-Brille auf und kann vom Schreibtisch aus die Rapsparzellen begehen und beurteilen. Handarbeit ist aber bei allem technischen Fortschritt auch noch notwendig. Die agrarwissenschaftlich-technische Assistentin Rieke Thomsen kreuzt zum Beispiel die Pflanzen. "Wir brauchen Pflanzen, die gesund im Feld stehen nachher. Die eine verträgt Trockenheit, die andere hat eine Krankheitsresistenz, und wenn die beiden sich miteinander kombinieren, entsteht daraus vielleicht eine Sorte, die alles kann." Und genau solch eine Rapssorte wird gesucht.

Immer wieder neu zugelassene Sorten aus Holtsee

Von den 15.000 Testkandidaten in Holtsee kommen am Ende im Schnitt drei Sorten auf den Markt. Bis es soweit ist - inklusive der offiziellen Zulassung - kann es 10 bis 15 Jahre dauern. Von den 100 in Deutschland zugelassenen Sorten Winterraps kommen 15 aus Holtsee.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.05.2021 | 19:30 Uhr

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