Stand: 07.02.2019 09:59 Uhr

Polizei: Mehr Sicherheit durch Bodycams

Sieben Monate nach dem Start des Bodycam-Pilotprojektes hat die Landespolizei in Schleswig-Holstein eine überwiegend positive Zwischenbilanz gezogen und erste Einsatzzahlen genannt. Hintergrund des Projekts ist Gewalt gegen Polizeibeamte im Einsatz. Die Hoffnung der Befürworter des Projekts ist, dass die Kameras potentielle Täter abschrecken - oder mögliche Straftaten so gut dokumentierten, dass sie besser geahndet werden können.

Die Bodycam-Zwischenbilanz in Zahlen

  • Anzahl: 40 Bodycams hat die Landespolizei in Kiel, Lübeck und bei der Einsatzhundertschaft Eutin im Probebetrieb benutzt.
  • Einsätze: Fast 3.600 Mal waren die Kameras vor allem bei Volksfesten oder Fußballspielen dabei.
  • Aufnahmen: 130 Mal ließen die Polizisten die Kameras mitlaufen, weil sie sich bedroht fühlten oder eine gefährliche Situation festhalten wollten.
  • Speicherungen: In knapp 50 Fällen wurden die Videos für die Strafverfolgung gespeichert, in allen anderen Fällen aus Datenschutzgründen gelöscht.

Abschließendes Fazit im Juli

Insgesamt sei zu erkennen, dass die Kameras im Einsatz deeskalierend wirken, sagte ein Sprecher der Landespolizei. Ein abschließendes Fazit wollen die Beamten aber erst im Juli ziehen, wenn das einjährige Pilotprojekt endet.

Strenge Regeln für den Einsatz

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) begleitet den Test und sichtet auch die ersten Aufnahmen. Denn es gelten klare Regeln: Kameras dürfen nur in einer Gefahrensituation eingeschaltet werden, wenn Leib und Leben der Beamten oder andere Menschen bedroht sind. Ist die Gefahr vorbei, muss die Aufnahme enden. In Wohnungen sind Aufnahmen generell tabu.

"Komplexe Aufgabe"

Eine weitere Regel: Alle müssen Bescheid wissen, dass die Kamera läuft. "Das ist eine offene Maßnahme", sagt Barbara Körffler, die stellvertretende Leiterin des ULD. Ein Beamter mit Kamera trägt deshalb das Schildchen "Video", eine rote Lampe geht an bei einer Aufnahme und ein Display zeigt sichtbar, was die Kamera filmt. Darüber hinaus müssen die Beamten die Aufnahme ankündigen. "Das ist eine verantwortungsvolle und komplexe Aufgabe", sagt Körffler. Ihr Eindruck: Trotz aller optischen Hinweise ist die Ansage der Beamte vor der Aufnahme wichtig - und führt durchaus auch zur Beruhigung der Situation. "Das macht Eindruck auf die Betroffenen".

Gewerkschaft: "Beamte fühlen sich sicherer"

Laut der Deutschen Polizeigewerkschaft zeigen erste Zwischenergebnisse, dass die an der Testphase teilnehmenden Beamten die kleinen Kameras als Bereicherung ansehen: "Die Kolleginnen und Kollegen der betroffenen Dienststellen fühlen sich in dem Wissen einer laufenden Dokumentation des Einsatzes sicherer", sagt der Stellvertretende Landesvorsitzende Thomas Nommensen NDR Schleswig-Holstein.

Mancher Angreifer lassen sich nicht beeindrucken

Nommensen sieht grundsätzlich durchaus Potential bei den Geräten: Sie könnte ein "wertvolles Mittel zur Bekämpfung von Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte sein. Nommensen ist allerdings skeptisch, ob sich die Angriffe auf Polizisten durch den Einsatz der kleinen Kameras verhindern lassen. Erste Erfahrungen würden zeigen, dass sich Angreifer, die unter Einfluss von Alkohol oder illegaler Drogen stehen, nicht von Kameras abhalten lassen.

Weitere Informationen

Polizei testet Bodycams auf Kieler Woche

14.06.2018 17:00 Uhr

374 Polizeibeamte sind im vergangenen Jahr in SH im Dienst durch körperliche Gewalt im Einsatz verletzt worden. Die Landespolizei will deswegen den Einsatz von Bodycams testen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.02.2019 | 08:00 Uhr

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