Stand: 23.04.2018 16:52 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Norderstedts Kampf gegen die Obdachlosigkeit

Wohnen in begehrter Lage - das ist teuer. Besonders teuer ist das in der Nähe zu Hamburg. 9,45 Euro pro Quadratmeter kalt - so viel kostet im Durchschnitt eine Mietwohnung in Norderstedt. Laut einer Studie ist die Stadt damit landesweit am teuersten - Inseln ausgenommen. Wer da nicht das nötige Geld mitbringt, hat schlechte Karten, eine Wohnung zu finden. Mindestens 1.300 Menschen in Norderstedt haben schlechte Karten. Denn so viele leben in den städtischen Notunterkünften - und gelten damit als obdachlos. Um ihnen eine Chance auf dem Wohnungsmarkt zu geben, hat die Stadt - als erste in ganz Schleswig-Holstein - eine Wohnungsvermittlerin eingestellt. Katrin Fasel kümmert sich in ihrem Job um nichts anderes, als Obdachlosen eine Wohnung zu vermitteln.

Vor allem große günstige Wohnungen sind rar

"Es ist wirklich sehr schwierig, weil nur wenige Wohnungen auf dem Markt sind. Die Menschen, die in einer günstigen Wohnung sitzen, bleiben da auch", sagt Fasel. Sie sucht auf dem freien Wohnungsmarkt. Ob vom Land geförderte oder nicht geförderte Wohnung, das ist Katrin Fasel egal. Hauptsache der Preis stimmt. Beispiel: Das Jobcenter in Norderstedt übernimmt bei einer vierköpfigen Familie maximal 820 Euro Miete inklusive Betriebskosten. "Vor allem große Wohnungen zu diesem Preis sind in Norderstedt schwer zu finden", sagt Fasel.

Vorurteile gegenüber Geflüchteten

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Osama Hamzeh Alamam hat selbst nach Wohnungen gesucht - ohne Erfolg.

Große Wohnungen sucht Fasel vor allem für geflüchtete Familien, wie die von Osama Hanzeh Alamam. Er arbeitet als Kurierfahrer, war vor drei Jahren aus Syrien geflohen und lebt mit Frau und drei Kindern in einer Notunterkunft - in einem Container. Nach monatelanger Suche hat Katrin Fasel der Familie jetzt eine geförderte 85-Quadratmeter-Wohnung vermitteln können - für knapp 7 Euro kalt pro Quadratmeter. "Viele Vermieter haben vor allem bei Geflüchteten Vorurteile. Oft höre ich die Geschichte, dass arabisch-stämmige Nationalitäten Schafe in der Küche schlachten würden", sagt Fasel.

Viele Vermieter wollen lieber Berufstätige

Aber auch im Fall einer deutschen Obdachlosen konnte Katrin Fasel vermitteln: Nicole möchte anonym bleiben. Sie lebt seit acht Monaten mit ihrer sieben Jahre alten Tochter in einer Notunterkunft, weil ihr damaliger Freund sie vor die Tür gesetzt hatte. "Dadurch, dass ich vom Jobcenter Leistungen bekommen, winken viele Vermieter ab. Sie wollen lieber Berufstätige. Und mit Kind ist es auch nochmal schwieriger", sagt Nicole. Dank ihrer guten Kontakte zu einer Norderstedter Wohnungsverwaltung konnte Katrin Fasel eine günstige Zweizimmerwohnung in der Nähe des Busbahnhofs für die kleine Familie besorgen.

Betreuer vereinbaren Termine für Obdachlose

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Etwa 200 Obdachlose sind auf Katrin Fasels Warteliste.

Ihre Stelle im Rathaus hat Katrin Fasel seit acht Monaten. In dieser Zeit konnte sie 72 Menschen eine Wohnung vermitteln. Knapp 200 sind zurzeit noch auf der Warteliste. Dabei bekommt nicht jeder Obdachlose bei ihr einen Termin. Wer ihre Hilfe und damit ihr Netzwerk in Anspruch nehmen darf, entscheiden die Betreuer in der jeweiligen Notunterkunft. Alkohol- oder Drogenprobleme sind Ausschlusskriterien. "Der Vorteil bei der Vermittlung über mich ist, dass die Vermieter eine Rückmeldung bekommen, wie der Mensch sich beim Wohnen verhält. Denn er ist in der Notunterkunft zum Teil über Jahre beobachtet worden", sagt Fasel.

"Auch Nicht-Obdachlose haben Probleme"

Bei anderen Gemeinden scheint die Arbeit von Katrin Fasel Interesse geweckt zu haben. Es hätten sich schon einige mit Fragen zu ihrer Arbeit im Rathaus gemeldet, sagt sie. Aber auch Menschen, die nicht obdachlos sind und gerade eine Wohnung suchen, melden sich bei ihr. "Ich weiß, dass auch Nicht-Obdachlose Probleme haben eine Wohnung zu finden", sagt Fasel. Ihre Hilfe gelte aber denjenigen, die es ihrer Meinung nach am nötigsten haben.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.04.2018 | 19:30 Uhr

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