Beschädigte Stelzenbauten am Strand von Sankt Peter-Ording © NDR Foto: Sven Jachmann

Mehr als 3.000 Einsätze nach Orkan "Zeynep" in SH

Stand: 19.02.2022 17:37 Uhr

Orkan "Zeynep" hat Schleswig-Holstein am Sonnabend in Richtung Baltikum verlassen. Geblieben sind entwurzelte Bäume, abgedeckte Häuser und erschöpfte Einsatzkräfte.

Orkan "Zeynep" hat Schleswig-Holstein in der Nacht von Freitag auf Sonnabend mächtig durchgerüttelt. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 154 Kilometern pro Stunde fielen etliche Bäume um, Teile von Gebäuden lösten sich, Keller standen unter Wasser. Die Rettungs- und Feuerwehrleitstellen im Land zählten bis zum frühen Samstagabend mehr als 3.000 Einsätze. Schwerverletzte gab es demnach nicht.

Unfall auf der Fehmarnsundbrücke

Nach einem Unfall auf der Fehmarnsundbrücke kam es dort am Samstagvormittag zu erheblichen Behinderungen und einem langen Stau. Der Orkan hatte in den frühen Morgenstunden zwei Lastwagen umgeweht. Einsatzkräfte mussten sie bergen. Autos wurden erst nach Stunden wieder an der Unfallstelle vorbeigeleitet.

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Beschädigte Stelzenbauten am Strand von Sankt Peter-Ording © NDR Foto: Sven Jachmann

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Bäume krachen in Hauswand

In Wesseln (Kreis Dithmarschen) stürzten am Freitag zwei Bäume in die Wand eines Hauses. Dabei wurde ein Fenster und ein tragender Balken beschädigt. Das Technische Hilfswerk (THW) stützte das Gebäude von innen ab. In St. Peter Ording (Kreis Nordfriesland) zerstörte der Sturm den hinteren Teil der Seebrücke. Auch die Brücke zum Café 54 in einer der Pfahlbauten wurde stark beschädigt. Der Orkan riss die letzten Meter zum Eingang komplett weg. Auch einige sturmbedingte Unfälle auf der A7 und der A21 beschäftigten Polizei und Rettungskräfte. Alle Autobahnen - auch die Strecke zwischen der Insel Fehmarn und dem Festland - sind inzwischen wieder freigegeben.

Sturm deckt Dach eines Reihenhauses ab

Am AKN-Bahnhof Meeschensee in Norderstedt erfasste ein Triebwagen nach Feuerwehrangaben einen umgestürzten Baum und sprang im Bahnhofsbereich aus dem Gleis. Verletzt wurde niemand. Ebenfalls in Norderstedt deckte der Sturm das Dach eines Reihenhauses auf einer Fläche von 350 bis 400 Quadratmetern ab.

Orkanböen an den Küsten

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte im Laufe des Freitagabends in Kiel, Hamburg, auf Sylt und auf Helgoland Windstärken zwischen 9 und 11 gemessen, in Büsum (Kreis Dithmarschen) wurde eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde festgestellt. Die Wetterstation auf der Halbinsel Nordstrand bei Husum (Kreis Nordfriesland) maß eine Windböe mit einer Geschwindigkeit von 154 Kilometern pro Stunde. Das war der höchste gemessene Wert im Land. Auch in Noer-Lindhöft (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sowie auf Fehmarn (Kreis Ostholstein) waren die Windböen mehr als 140 Kilometer pro Stunde schnell.

Schwere Sturmflut an der Nordseeküste

In Dagebüll (Kreis Nordfriesland) und Büsum (Kreis Dithmarschen) gab es mit 2,92 und 2,86 Metern über dem mittleren Hochwasser jeweils eine schwere Sturmflut. Die nordfriesischen Halligen erlebten Landunter mit schwerer Brandung. Dort stieg die Nordsee deutlich höher als erwartet. Bürgermeisterin Ruth Hartwig-Kruse von der Hallig Nordstrandischmoor sagte, dass die Prognose des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zu spät nach oben korrigiert worden sei. Auf ihrer Warft sei das Wasser bis ins Haus geschwappt. Auf der Hallig war die Sturmflut mit 3,20 Meter über normal angekommen.

"Es war eine richtige Brandung"

Hooges Bürgermeisterin Katja Just berichtete von einer unruhigen Nacht. "Es war sehr beeindruckend, weil sehr viel Kraft im Wasser war. Es war eine richtige Brandung." Die vergleichsweise hohe Ockenswarft, auf der sie wohnt, sei etwa zur Hälfte im Wasser gewesen. Ab einem Pegelstand von 7,38 Metern laufe die Hallig voll, das Hochwasser habe 9,04 Meter erreicht.

Regionalverkehr rollt wieder an

Die Deutsche Bahn, die Nordbahn und die AKN hatten am Freitagnachmittag den Personenverkehr in Norddeutschland eingestellt. Der Regionalverkehr rollte bei den Unternehmen am Sonnabendnachmittag wieder an, war zunächst aber noch stark eingeschränkt. Zum Teil fuhren ersatzweise Busse. Im Fernverkehr stand bis Samstagabend alles still.

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Reisen nach Sylt wieder möglich

Der blaue Autozug vom RDC fährt nach Auskunft des Unternehmens seit Samstagfrüh wieder vom Festland nach Sylt und umgekehrt, nachdem der Verkehr am Freitag zunächst wegen des Sturms eingestellt worden war. Das Gleiche gilt auch für den Sylt-Shuttle der Deutschen Bahn.

Viele Fähren fahren nicht

Auch die Fährbetriebe hatten ihre Verbindungen wegen des Sturms eingestellt. Die Wyker Dampfschiffs-Reederei strich zunächst die Verbindungen nach Dagebüll, Amrum und Föhr. Seit Samstagmorgen gibt es wieder einige Fahrten, so ging es um etwa 8.30 Uhr von Amrum nach Dagebüll oder um 10.15 Uhr von Dagebüll nach Amrum. Zwischen Schlüttsiel und den Halligen wurden am Sonnabend keine Verbindungen mehr angeboten.

Die Elbfähre Glückstadt - Wischhafen teilte auf ihrer Webseite mit, dass der Betrieb für den gesamten Sonnabend eingestellt sei - aufgrund des anhaltenden Windes sowie des Hochwassers. Auch die Fördefährlinie F1 und die Schwentinelinie F2 in Kiel stellten aufgrund des Wetters den Betrieb ein.

Besserung erst am kommenden Wochenende

Zeit zum Durchatmen bleibt kaum: Für die nächsten Tage haben sich bereits weitere Stürme angekündigt. "Wir bleiben in einer Tiefdruck-Autobahn stecken", so Sebastian Wache von der WetterWelt. Spätestens am kommenden Wochenende, so der Experte, könne aber mit einer deutlichen Entspannung der Sturm-Situation im Land gerechnet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 19.02.2022 | 18:00 Uhr

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