Stand: 25.09.2018 05:00 Uhr

Medikamentenversuche: Aufarbeitung mit Hindernissen

von Constantin Gill

Zwei Jahre ist es her, dass die Medikamentenversuche an Heimkindern in Schleswig bekannt wurden. Nun will das Land damit beginnen, das Ganze wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Lübecker Forscher sollen klären, was in den psychiatrischen Einrichtungen zwischen 1945 und 1975 passiert ist. Eine Wissenschaftlerin hatte herausgefunden, dass es in den 1960er- und 1970er-Jahren bundesweit systematische Medikamententests an Heimkindern gab - auch in Schleswig-Holstein.

Bundesweite Aufarbeitung ohne Schleswig-Holstein

Die frühere Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst auf die Pläne für eine bundesweite Aufarbeitung verwiesen. Doch später stellte sich heraus, dass Schleswig-Holstein darin keine Rolle spielt. Anfang 2018 wollte das Sozialministerium dann eine eigene Untersuchung beauftragen, in der sämtliche psychiatrische Einrichtungen, die zwischen 1945 und 1975 tätig waren, erforscht werden sollten. Allerdings meldete sich kein Wissenschaftler.

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Garg verteidigt Aufarbeitung

Die Studie wurde ein zweites Mal ausgeschrieben - und nun sollen Forscher an der Uni Lübeck mit der Aufarbeitung starten. Sozialminister Heiner Garg (FDP) bedauert die Verzögerung, sagt aber auch: "Mir ist viel wichtiger, dass wir ein Institut gefunden haben, das mit viel Interesse und großem Engagement daran geht." Es gehe nicht darum, ob eine Studie sechs Monate früher oder später starte, sondern "da geht's darum, vernünftige Ergebnisse zusammenzutragen, auf deren Basis man zusammen diskutieren kann."

Betroffene bemängeln Verzögerung

Andere Bundesländer sind mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung weiter. So hat etwa in Hessen die Uni Gießen schon im Februar erste Ergebnisse veröffentlicht. In Nordrhein-Westfalen ist ein Teil der Aufarbeitung schon abgeschlossen. Und in Niedersachsen läuft sie seit einem Jahr.

Für Betroffene wie Günter Wulf ist die Aufarbeitung wichtig. Die Verzögerung in Schleswig-Holstein findet er "sehr ärgerlich. Und ich hab manchmal das Gefühl, dass wir gar nicht für voll genommen werden." Minister Garg kann die Enttäuschung nachvollziehen: "Trotzdem habe ich den Eindruck, dass das Wichtigste für die Betroffenen ist, dass es stattfindet und dass es auch seriös stattfindet." Mit einem Ergebnis der wissenschaftlichen Aufarbeitung rechnet Garg im Jahr 2020 oder Anfang 2021.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.09.2018 | 08:00 Uhr

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