Stand: 30.10.2019 14:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Machtkampf bei der Pinneberger CDU

von Stefan Böhnke

Kommenden Freitag kommt es bei der CDU zur Machtprobe. Nein, die Rede ist diesmal nicht von Annegret Kramp-Karrenbauer. Es geht um Christian von Boetticher. Ex-Minister, Ex-CDU-Landeschef, Ex-Spitzenkandidat der Union in Schleswig-Holstein. Er stürzte im August 2011 über eine Affäre mit einer Minderjährigen. Jetzt könnte er auch noch das Amt als CDU-Kreisvorsitzender von Pinneberg verlieren. Sein Herausforderer ist ausgerechnet ein ehemaliger Weggefährte: Nicolas Sölter, ein 31-jähriger Jurist aus Elmshorn. Sölter hat für von Boetticher einst Wahlkämpfe bestritten, für ihn Plakate geklebt. Jetzt tritt er gegen ihn an.

Sölter will Kreisverband beleben

Sölter will frischen Wind in den Kreisverband bringen, in dem aus seiner Sicht zu wenig passiert. Der 31-Jährige sieht die Partei vor großen Herausforderungen. Die Frage, wie kann die CDU in 20 Jahren noch Volkspartei sein, sei keine, die nur in Berlin beantwortet werden könne, sagte Sölter NDR Schleswig-Holstein. "Eine meiner Antworten wäre es da zu sagen, wir machen mehr als einen jährlichen Neujahrsempfang und einen Kreisparteitag." Er mache der CDU ein Angebot für einen attraktiveren Kreisverband.

Viele Mitglieder - wenig Einfluss

Der CDU-Kreisverband Pinneberg ist einer der Mitgliederstärksten im Land - doch längst nicht mehr einer der Wichtigsten. Das zeigte sich unter anderem bei den letzten Wahlen zum Landesvorstand, an dem die Pinneberger kaum zum Zuge kamen. Ob es etwas damit zu tun hat, dass in der CDU Pinneberg die bislang größten Kritiker von Landeschef Ministerpräsident Günther sitzen, darüber lässt sich nur spekulieren. Das schlechte Verhältnis zwischen Günther und dem Kreisvorsitzenden von Boetticher reicht in eine Zeit zurück als von Boetticher noch als Kronprinz von Peter Harry Carstensen galt.

Sölter will das Verhältnis zum Landesverband auf neue Beine stellen: "Ich möchte, dass die CDU Pinneberg wieder eine größere Bedeutung erhält. Momentan gibt es ein stabiles Arbeitsverhältnis mit der Landespartei. Aber wir sehen eben auch, dass wir auf dem letzten Landesparteitag, bei dem gewählt wurde, zwei von drei Vertretern im Landesvorstand verloren haben", so Sölter.

Ausgang des Machtkampfes ist offen

Die Kritik, er wolle nur Kreisvorsitzender werden, um beim nächsten Mal für den Bundestag zu kandidieren, weist Sölter zurück. Es gehe ihm um die Verbandsarbeit.

Freitag fällt die Entscheidung beim CDU-Kreisparteitag in Hemdingen. Der Ausgang gilt als offen. Beide Seiten mobilisieren derzeit ihre Anhänger. Danach, so hofft Sölter, werde er mit von Boetticher wieder an einem Strang ziehen und die politische Auseinandersetzung suchen. Dann aber gemeinsam gegen die politischen Gegner außerhalb der CDU.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.10.2019 | 12:00 Uhr

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