Stand: 01.08.2020 17:14 Uhr

Hass gegen queere Menschen: Zwei Polizisten klären auf

Beleidigungen wie "schwule Sau" oder "Scheiß Lesbe" oder Körperverletzungen, Drohungen, Nötigung, Erpressung, Volksverhetzung - seit September 2018 hat Jens Puschmann mit diesen Straftaten regelmäßig zu tun. Er arbeitet im Team der Zentralen Ansprechstelle LSBTIQ bei der schleswig-holsteinischen Landespolizei in der Eutiner Hubertushöhe. Die Abkürzung LSBTIQ beschreibt das Tatigkeitsfeld der Beamten. Sie sind für lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle sowie queere Menschen im Land da, kümmern sich um angezeigte Straftaten, die sich gegen die sexuelle Orientierung oder Identität richten. Die beiden Beamten leisten Aufklärungsarbeit gegen Hasskriminalität - auch in den eigenen Reihen. "Die Polizei ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Da werden wir Menschen haben, die nicht so tolerant aufgestellt sind", sagt ein Teilnehmer eines Seminars, das Puschmann gegen Hasskriminalität gibt.

Nur ein Viertel erstattet Anzeige

83 Prozent der Opfer befürchten nach Zahlen der Polizei noch immer, bei der Polizei nicht ernst genommen zu werden. Nur ein Viertel der Opfer erstattet Anzeige. Gleichzeitig gibt es in Schleswig-Holstein jeden Tag mindestens ein Gewaltdelikt aufgrund sexueller Orientierung, so die Statistik für Hasskriminalität 2019. Es gibt also auch nach mehr als einem Jahr LSBTIQ noch viel zu tun für Puschmann. Er erklärt das Misstrauen in die Polizei auch mit der Vergangenheit.

"Die Polizei ist ja Jahre lang Strafverfolger gewesen, wir haben den Paragraphen 175 erst im Jahr 1994 abgeschafft. Das steckt ja in Teilen auch noch in den Köpfen drin, so dass wir als Polizei nicht als Partner gesehen werden, sondern in Teilen eben noch als Strafverfolger." Der Paragraph 175, auch Schwulenparagraph genannt, ist eigentlich ein Relikt aus der Kaiserzeit. Das NS-Regime verschärfte ihn. Und so wurde der Paragraph später von der Bundesrepublik unverändert übernommen.

Angst gibt es bis heute

Die Angst vor Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung gibt es noch immer, auch in Schleswig-Holstein. Jens Puschmann weiß das. Für ihn war es kein leichter Weg. Erst mit über 50 hatte er bei der Polizei sein Coming-out. "Für mich war das auch langjährig ein Verstecken, wo ich mich nicht getraut habe, mich zu outen. Irgendwann war dieser Prozess abgeschlossen. Man entscheidet sich, mit diesem Thema rauszugehen." Puschmann wird weiter zuhören und aufklären. Nur so, glaubt er, wird sich nach und nach etwas ändern in den Köpfen der Menschen.

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Jens Puschmann und Tobias Kreuzpointner lächeln in die Kamera © NDR Foto: Astrid Wulf

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.08.2020 | 19:30 Uhr

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