Luftbild des Elbehafens © Brunsbüttel Ports

Hafengesellschaft Brunsbüttel: Weg von der Kohle, hin zum Recycling

Stand: 03.02.2022 05:00 Uhr

Der Umschlag von Kohle sinkt und sinkt. Die Hafengesellschaft Brunsbüttel Ports hat sich umorientiert - und setzt nun auf Recycling-Material, das beim Straßenbau anfällt.

von Carsten Rauterberg

Die Energiewende hat auch Folgen für die Häfen in Schleswig-Holstein, zum Beispiel den Brunsbütteler Hafen. Vor einigen Jahren noch war Kohle bei den Massengütern eines der wichtigsten Produkte. Nun ist alles anders - Kohle hat an Bedeutung verloren. "Der Kohle-Umschlag ist in den vergangenen fünf Jahren um mehrere hunderttausend Tonnen zurückgegangen", sagt der Chef der Hafengesellschaft Brunsbüttel Ports, Frank Schnabel. Ein Grund sei die Schließung des Kraftwerkes Moorburg.

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Material entsteht, wenn Straßenbelag abgefräst wird

In Gesprächen mit einem langjährigen Kunden, einem Baustoff-Unternehmen aus dem Landkreis Cuxhaven, entstand bei der Hafengesellschaft in Brunsbüttel folgende Idee: der Umschlag von teerhaltigem Asphalt-Fräsgut. Dieses Material entsteht, wenn Straßen in Schleswig-Holstein neu gebaut werden. Dann muss der alte Straßenbelag abgefräst werden. Der teerhaltige Teil dieses abgetragenen Materials wird dann von Lastwagen abgeholt und nach Brunsbüttel gebracht, wo es in einer Halle des Elbehafens zwischengelagert wird. Erst kürzlich hatte Schleswig-Holstein ein neues Straßenbauprogramm vorgestellt.

Fräsgut enthält poly-aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Bei der Sanierung von Straßen entsteht laut Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) einerseits unbelasteter Asphalt, der in Mischanlagen zur Produktion von neuem Asphalt eingesetzt wird. Zum Anderen ensteht das teerhaltige Asphalt-Fräsgut, in dem poly-aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten sind. Dieser Stoff darf nicht bei der Neuproduktion von Asphalt eingesetzt werden, weil beim notwendigen Erhitzen krebserregende Dämpfe entstehen können.

Chef der Hafengesellschaft Brunsbüttel Ports, Frank Schnabel, lächelt für ein Foto in die Kamera © Brunsbüttel Ports
Laut Chef Frank Schnabel ist der Hafen in Brunsbüttel einer von wenigen in Norddeutschland, in denen das Fräsgut gelagert werden darf.

Daher muss dieser Stoff speziell aufbereitet oder auf dafür zugelassenen Deponien gelagert werden. Weil es auf Deponien in Schleswig-Holstein aber nur eine geringe Kapazität gibt, strebt der LBV an, dass ein möglichst großer Teil des Fräsguts wiederverwertet wird.

Lagerung muss Bundesimmissionsschutzgesetz entsprechen

Weil das Fräsgut ein Gefahrstoff ist, muss eine Genehmigung beim Landesamt für Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) beantragt werden. Eine Sprecherin des Umweltministeriums sagte, für das Lagern des gefährlichen Stoffes müssten die Richtlinien des Bundesimmisionsschutzgesetzes befolgt werden. Dabei gehe es darum, dass sichergestellt wird, dass keine gefährlichen Stoffe in den Boden, das Grundwasser und in die Luft gelangen können. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass benachbarte Naturschutzgebiete nicht beeinträchtigt werden. Brunsbüttel Ports musste auch Umwelt- und Naturschutzverbände in der Region informieren.

Dieser umfangreiche Genehmigungsprozess hat mehrere Monate gedauert. Zu dem Prozess gehörte laut Schnabel auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Inzwischen dürfe man in Brunsbüttel zeitgleich 15.000 Tonnen des Fräsguts lagern, so Schnabel: "Und damit sind wir einer von wenigen Häfen in Norddeutschland, die diesen Stoff überhaupt lagern dürfen."

Material landet in Verarbeitungsanlage in Rotterdam

Mit der Genehmigung begann der Umschlag des Fräsguts im Elbehafen vor zwei Jahren. Zunächst waren es 100.000 Tonnen pro Jahr, mittlerweile schlägt Brunsbüttel Ports pro Jahr 250.000 Tonnen davon um. Konkret läuft es so, dass Lastwagen das Material bei den Straßen-Baustellen in Schleswig-Holstein aufnehmen und dann nach Brunsbüttel bringen. Dort wird es so lange gelagert, bis die genehmigte Menge erreicht ist.

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Hafenchef Schnabel erklärt den weiteren Weg des Fräsguts: "Dann bringen wir das Material auf ein Schiff, das unser Kunde gechartert hat. Und das Schiff bringt das Fräsgut dann in die Niederlande. In Rotterdam ist eine thermische Verarbeitungsanlage, die daraus Sand, Kies und Gips macht." Diese Produkte können dann wieder in der Bauindustrie eingesetzt werden.  

Zurückgewonnen werden Sand, Kies und Gips

Laut Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) werden bei der Verbrennung in der Anlage die poly-aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) vernichtet und die Bestandteile Sand, Kies und Gips bei der thermischen Aufbereitung zurückgewonnen. Der gesamte Prozess der Zwischenlagerung in Brunsbüttel und dann der Transport und die Verarbeitung in Rotterdam sei insgesamt ein guter Weg, weil man so das teerhaltige Asphalt-Fräsgut im Rahmen der laufenden Straßenbaumaßnahmen entsorgen könne, so eine LBV-Sprecherin. Laut Umweltministerium gibt es in Deutschland derzeit keine derartige Verwertungsanlage, von daher sei nur der Weg nach Rotterdam möglich.

Brunsbüttel will nicht von einem Produkt abhängig sein

In Brunsbüttel ist das Fräsgut Teil einer sogenannten Universalhafen-Strategie. Wenn ein Produkt wegfalle - wie die Kohle in Zeiten der Energiewende -, sei man nicht von diesem einen Produkt abhängig, so der Chef der Hafengesellschaft, Schnabel.

Die Hafengruppe Brunsbüttel Ports beschäftigt etwa 400 Mitarbeiter. Sie betreibt drei Häfen in Brunsbüttel und hat weitere Standorte in Hamburg, Glückstadt, Rendsburg sowie in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) und in Schweden.   

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.02.2022 | 19:30 Uhr

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