Stand: 24.03.2014 16:02 Uhr

Rader Hochbrücke: Schock über neue Prognose

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Wie lang hält sie noch? Die Rader Hochbrücke bei Rendsburg.

Sie ist eine der wichtigsten Autobahnbrücken im Norden - die Rader Hochbrücke, die östlich von Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal führt. Erst im vergangenen Herbst wurden marode Stützpfeiler aufwendig saniert. Nun droht neuer Ärger. Statik-Berechnungen aus einem vorläufigen Gutachten haben ergeben, dass die Brücke schon in zwölf Jahren an ihre Belastungsgrenze stoßen könnte. Der Grund: Materialermüdung. Schleswig-Holsteins Unternehmer und Spediteure sind entsetzt.

Unternehmer: "Hiobsbotschaft" für die Wirtschaft

Eigentlich sollte die Rader Hochbrücke 100 Jahre halten. Davon waren zumindest die Architekten ausgegangen, als das Bauwerk 1972 eröffnet wurde. Nun droht möglicherweise schon 2026 die Abrissbirne. "Das ist eine Hiobsbotschaft für die norddeutsche Wirtschaft", sagte Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände. Seine Organisation sei sehr besorgt. Er ist nicht davon überzeugt, dass innerhalb von zwölf Jahren ein Ersatzbau möglich sein wird. "Ich befürchte, dass sich viele Unternehmen von Schleswig-Holstein abwenden", so Fröhlich.

Spediteure befürchten Isolation

Die Spediteure in Schleswig-Holstein fordern, sofort mit der Planung und dem Neubau einer neuen Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal zu beginnen. Das sollte jetzt parallel erfolgen, sagt Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik: "Die A 7 ist die wichtigste Wirtschaftsverbindung zwischen Skandinavien und Hamburg". Wenn diese Verbindung wegfalle, dann gehe Schleswig-Holstein wieder einen Schritt weit in die Isolation. "Das wäre schlichtweg eine Katastrophe", sagte Rackow. Er befürchtet große Einbußen für seine Branche - schon während der viermonatigen Sanierung der Rader Hochbrücke habe seine Branche mehr als 40 Millionen Euro verloren.

Droht die Infrastruktur eines Schwellenlandes?

Auch SPD und CDU in Schleswig-Holstein fordern eine zügige Neuplanung. SPD-Landeschef Ralf Stegner sagte, die skandinavischen Nachbarländer müssten zudem langsam den Eindruck gewinnen, die deutsche Infrastruktur entspreche der eines Schwellenlandes. CDU-Landeschef Reimer Böge forderte eine große Koalition der Verkehrsverantwortung. Sowohl Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) als auch sein Kieler Kollege Reinhard Meyer (SPD) verwiesen darauf, dass das Gutachten noch nicht fertig sei. Das Dokument liege erst in zwei Monaten vor. "Wenn die Lebensdauer erheblich kürzer ist, als ursprünglich angenommen, dann müssen wir mit dem Bund über ein Ersatzbauwerk reden und das werden wir dann auch tun", sagte Meyer.

Spediteur Thomas Rackow sieht nur eine Möglichkeit: nämlich, dass sofort über Alternativen nachgedacht wird. Hier sei vor allem der Bund gefragt. Seiner Meinung nach können weder der Rendsburger Kanaltunnel noch die Kanalfähren die knapp 45.000 Fahrzeuge, die täglich die Rader Hochbrücke queren, aufnehmen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.03.2014 | 17:00 Uhr

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