Stand: 13.06.2019 15:09 Uhr

"Gentleman der Nachrichten": Wilhelm Wieben ist tot

von Peter Bartelt

Im Alter von 84 Jahren ist der ehemalige Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben gestorben. Der gebürtige Dithmarscher war besonders wegen seiner korrekten und stets stilsicheren Art bekannt und beliebt. Ein echter Gentleman mit vielen Talenten und einer großen Liebe zum Plattdeutschen.

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25 Jahre war Wilhelm Wieben das Gesicht der Tagesschau. Am 13. Juni ist er im Alter von 84 Jahren gestorben.

"Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau" - mit diesem Leitsatz haben wir ihn erlebt, und 25 Jahre lang hat Wilhelm Wieben der Tagesschau ein Gesicht, eine Stimme und einen ganz bestimmten Stil gegeben. Und obwohl er vor seiner Radiokarriere die Max-Reinhardt-Schauspielschule in Berlin absolvierte, spielte Wilhelm Wieben nie den Gentleman, der die Nachrichten präsentiert - er war es. Und genau das schätzten nicht nur die Zuschauer, sondern auch Kollegen wie Jo Brauner an ihm.

"Er hat den Nachrichten eine besondere Würze gegeben. Man sagt immer, Nachrichtenmenschen sind immer nüchterne, pragmatische Leute. Er hat das verbunden mit diesem Anderen, mit dem Schauspielerischen, mit dem Leichten. Das war wahrscheinlich das Besondere - oder wie Dagmar Berghoff gesagt hat: Der 'Elder Statesman', die Ikone des Deutschen Fernsehens." Jo Brauner, Tagesschau-Kollege Wiebens

Versteckte Talente - nicht nur hinter den Kulissen

Doch diese Ikone war nicht nur der Gentleman der Nachrichten, er hatte viele versteckte Talente - auch hinter den Kulissen der Tagesschau-Redaktion, wie Dagmar Berghoff in ihrer Laudatio nach Wiebens letzter Sendung verriet.

"Außerdem konnte keiner wie Du Kaffee in der Maske zubereiten. Wir alle haben das so viele Jahre genossen, und es ist gar nicht vorstellbar, dass es in Zukunft nicht mehr so sein soll." Dagmar Berghoff in ihrer Laudation zu Wilhelm Wiebens letzter Tagesschau-Sendung

Nicht die einzige Lücke, die er dort nach 25 Jahren hinterließ - trotzdem hat Wilhelm Wieben es nie bereut, bereits mit 63 Jahren als Tagesschau-Sprecher aufzuhören. "Nein, nein, ich habe ja den Abgang bestimmt. Ich finde es schön, wenn man zu einem Zeitpunkt gehen kann, wenn das Bedauern, dass man geht, noch da ist. Und nicht unterschwellig: 'Naja, nun wurde es ja auch Zeit.'"

Wilhelm Wieben als Erzähler für den plattdeutschen 90. Geburtstag. © NDR/Sigrid Meixner

Nachruf auf Wilhelm Wieben

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Im Alter von 84 Jahren ist Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben in Hamburg gestorben. Unser Reporter Peter Bartelt hat ihn erlebt als "Gentleman der Nachrichten".

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Und da hatte er noch viel vor: Das Kaffeekochen war bei Weitem nicht sein einziges verstecktes Talent. Fortan bewegte er sich mit der ihm eigenen, souveränen Eleganz auf anderen Bühnen. Er überraschte mit Tanz und Gesangseinlagen, und er verblüffte seine Zuhörer auf der Bühne mit Witz, Lockerheit und seinem unvergleichlichen Charme.

Wieben sagte und machte, was er für richtig hielt

Aber er tauchte auch dort auf, wo man ihn bei Weitem nicht vermutet hätte: So übernahm er bei Falcos vermeintlichem Skandalsong "Jeanny" den Part des Nachrichtensprechers.

"Ich habe diesen Text nie als so besonders empfunden, und schon gar nicht als skandalträchtig. Ich bin auch der Meinung, dass daraus ein Skandal gemacht worden ist." Wilhelm Wieben zu Falcos Lied "Jeanny"

Er sagte und machte, was er für richtig hielt - auch in seinem Privatleben. Auch als Inge Meisel nur zufällig erwähnte, sie habe nur schwule Freunde und verreise beispielsweise mit Wilhelm Wieben sehr gern, blieb er der distinguierte, vornehme Herr und nahm es ihr überhaupt nicht krumm. Das wiederum respektierte sein Publikum bis zuletzt. "Ich bin nie unangenehm angesprochen worden. Ich habe nie polarisiert, insoweit war die Ansprache bis zum heutigen Tag nie unangenehm." Das lag sicher auch daran, dass der in Hennstedt geborene Dithmarscher Jung Plattdüütsch als seine Muttersprache ansah. Hochdeutsch habe er erst in der Schule gelernt, und wenn er Plattdeutsch sprach, dann war es kein Platt von der Stange, sondern eines im Maßanzug, das die ganze Würde dieser Sprache transportierte.

NDR Intendant Marmor: "Wir werden ihn vermissen"

NDR Intendant Lutz Marmor ehrte den Dithmarscher: "Wilhelm Wieben hat über Jahrzehnte die Tagesschau geprägt. Stets seriös, kompetent und hoch professionell. Als Sprecher hat er Generationen begleitet. Wilhelm Wieben gehörte zu den prägenden deutschen Fernsehpersönlichkeiten, immer freundlich, zugewandt und nah bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Darüber hinaus beeindruckte Wilhelm Wieben unter anderem durch Lesungen, als Moderator und Schauspieler - und durch seinen persönlichen Einsatz für hilfsbedürftige Menschen. Wir werden ihn vermissen."

Weitere Informationen
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Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben ist tot

Der ehemalige tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in Hamburg. Der gebürtige Dithmarscher schrieb auch Bücher auf Plattdeutsch. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.06.2019 | 14:00 Uhr

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