Geflügelpest im Kreis Plön: 76.000 Hühner getötet

Stand: 09.03.2021 14:53 Uhr

Die Geflügelpest - auch Vogelgrippe genannt - ist im Kreis Plön nachgewiesen worden. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hat den Erreger H5N8 in einer Geflügelhaltung in der Gemeinde Kühren festgestellt.

Ein Spezialbetrieb hatte am Montagmittag damit begonnen, die rund 76.000 Legehennen zu keulen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Am Abend war die Keulung beendet. Wie das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium am Sonntagabend mitgeteilt hatte, darf das Betriebsgelände nicht betreten werden. Die Region wurde in einem Radius von drei Kilometern zum Sperrbezirk und in einem Umkreis von zehn Kilometern zum Beobachtungsgebiet erklärt. Es ist bisher der größte in Schleswig-Holstein von der Geflügelpest betroffene Betrieb.

Der Sperrbezirk umfasst folgende Gemeinden (komplett oder in Teilen):

  • Ascheberg
  • Kühren
  • Löptin
  • Postfeld
  • Preetz
  • Stolpe
  • Wahlstorf

Tierarzt verständigt Veterinäraufsicht

Der Hoftierarzt des Betriebes hatte am Freitag die Veterinäraufsicht des Kreises Plön verständigt, da in dem Betrieb mehr Tiere als üblich gestorben waren. Anschließend wurde der Erreger H5N8 im Landeslabor Neumünster und vom Friedrich-Löffler-Institut bestätigt. "Bereits vor der offiziellen Bestätigung des Falls haben wir alle notwendigen Schritte vorbereitet. Die Beteiligten haben extrem gut und reibungslos zusammengearbeitet", betonte Landrätin Stephanie Ladwig. 

Betreiber erschüttert und betroffen

Bei dem Betrieb handelt es sich um eine Bodenhaltung, in dem sich die Hühner über mehrere Etagen frei bewegen können, teilte der Betreiber am Montag mit. Er habe strenge Hygiene- und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, "da man ja weiß, dass in dieser Zeit des Vogelflugs das Risiko der Vogelgrippe besteht". Er sei erschüttert und betroffen darüber, dass das Virus dennoch in den Bestand gelangt ist.

Verband: Schon ein "Vogelschiss" kann ausreichen

"Der Erreger ist hochinfektiös. Da kann bereits ein 'Vogelschiss' ausreichen, um das Hausgeflügel anzustecken. Absolute Sicherheit gibt es da leider nicht, auch nicht bei größtmöglicher Sorgfalt", sagte der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg, Hans-Peter Goldnick. Er rechnet damit, dass die Stallpflicht aufrecht erhalten wird: "Wir wissen, was diese Maßnahme für die betroffenen Tiere bedeutet und auch die Tierhalter zunehmend vor Herausforderungen stellt. Allerdings ist die Gefahr eines Eintrags nicht eingrenzbar." Da man nicht wisse, in welcher Region das Virus in der Wildvogelpopulation kursiere, halte er das landesweite Vorgehen weiterhin für geboten, so Goldnick.

Albrecht: Situation verschärft sich wieder

"Das ist ein schwerer Schlag für den betroffenen Betrieb und zeigt, dass sich die Situation im Land in Bezug auf das Geflügelpestgeschehen leider wieder verschärft", sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). "Nachdem wir seit Ende Dezember keine Fälle in Geflügelhaltungen mehr verzeichnen mussten, zeigt die derzeitige Zunahme von Fällen bei Wildvögeln und Hausgeflügel, dass der Infektionsdruck wieder deutlich zugenommen hat."

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In Schleswig-Holstein ist damit in bislang neun Geflügelhaltungen mit insgesamt rund 81.000 Tieren die Geflügelpest nachgewiesen worden. Weiterhin gilt eine landesweite Aufstallungspflicht. Im Kreis Plön sind mehr als 1.500 Geflügelhalter mit rund 880.000 Tieren (Stand: September 2020) registriert.

Weitere Wildvögel verendet

Darüber hinaus hat das FLI aktuell 22 weitere Nachweise der Geflügelpest bei Wildvögeln in den Kreisen Dithmarschen, Ostholstein, Plön, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg, Stormarn und der Hansestadt Lübeck bestätigt. Die Gesamtzahl der im aktuellen Geschehen bestätigten Nachweise bei Wildvögeln erhöht sich damit auf rund 485.

In den Jahren 2016/17 hatte es bundesweit eine Geflügelpest-Epidemie gegeben. Die Saison war als schwerste, am längsten dauernde und am weitesten verbreitete Geflügelpest seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte eingegangen. Schleswig-Holstein ist als Drehscheibe des Vogelzuges im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders stark betroffen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.03.2021 | 19:30 Uhr

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