Stand: 09.11.2019 10:00 Uhr

Demenz: Wenn Technik das Leben leichter macht

von Anne Passow

Erst vergisst man, wo man die Schlüssel hingelegt hat, dann gelingt der Apfelkuchen nicht mehr. Irgendwann fällt einem der Namen der eigenen Tochter nicht mehr ein. Wenn ein Mensch dement wird, geschieht das meist schleichend. Als die Demenz bei der Frau von Günther Quaas schon weiter fortgeschritten war, da wollte sie oft von zu Hause weglaufen. "Sie hatte diese Weglauftendenz. Und dann kam bei ihr noch das Misstrauen durch. Sie hat angefangen, meine Schlüssel zu verstecken, das Portemonnaie zu verstecken. Da hab ich mir schon ein GPS-System gewünscht, um sie und die Dinge einfacher wiederzufinden", berichtet Quaas. Der 71-Jährige war am Freitag auf dem Fachtag "Technik und Demenz" in Norderstedt unterwegs - und konnte dort viele technische Lösungen bestaunen, die ihm in den zwölf Jahren, in denen er seine Frau pflegte, sehr geholfen hätten.

Digitale Lösungen für Demente

Klangkissen und Roboter-Robben

So zeigten die etwa 15 Aussteller dort zum Beispiel Ortungssysteme, die in Schuhsohlen oder Spazierstöcken oder auch in einem Pflaster versteckt sind. Auch Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) informierte sich auf der Veranstaltung über die digitalen Möglichkeiten. Andere Produkte waren zum Beispiel Kissen, die Musik machen, wenn man sie berührt; eine Roboter-Robbe, die Demente dazu bringen soll, sie zu streicheln; Tische mit digitalen Animationen, die Demente anregen sollen, auf digitale Blüten oder Puzzleteile zu tippen; Herdsysteme, die sich bei Überhitzung selbst abschalten; Apps, die bei Stürzen Notrufe auslösen.

Auch neue Produkte waren dabei. So zum Beispiel ein Ein-Knopf-Computer. Den können Demente einfach bedienen und so mit ihrer Familie in Kontakt  bleiben. "Sie können mit bestimmten Familienmitgliedern mit Bild telefonieren und von ihnen auch Fotos oder Ähnliches geschickt bekommen", erklärt Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. "So kann die Tochter aus München immer mit ihrer Mutter in Pinneberg in Kontakt sein. Und wenn die Mutter keine Lust mehr darauf hat, dann stellt sie einfach den Knopf am Computer aus." Etwa 1.000 Euro kostet dieser Computer, den es bisher nur in Norwegen gibt. In Deutschland soll er nun erprobt werden.

Digitale Hilfsmittel sind eher teuer

Der Spazierstock mit Ortungssystem kostet knapp 400 Euro für ein Jahr. Die digitalen Hilfsmittel sind also eher teuer - und wohl nicht für jeden erschwinglich. Laut Swen Staack vom Kompetenzzentrum bezuschussen Kranken- oder Pflegeversicherungen längst nicht alle digitalen Hilfsmittel. "Bei einer automatischen Herdabschaltung ist die Chance ganz gut, Geld zu bekommen. Bei anderen Dingen könnte das schwierig werden", sagt er.

Zwei Prozent der Schleswig-Holsteiner mit Demenz

Etwa 60.200 Menschen mit Demenz leben nach Angaben des Kompetenzzentrums in Schleswig-Holstein, etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Die Zahlen sind Hochrechnungen, enthalten sind Menschen, die Demenzen des Typs Alzheimer haben sowie die, die andere Formen wie Parkinson-Demenz haben. Deutschlandweit gibt es etwa 1,7 Millionen Betroffene. Mit dem demographischen Wandel werden es nach Angaben des Kompetenzzentrums in Zukunft auch mehr demente Menschen geben. Für 2050 gehen Schätzungen von etwa drei Millionen betroffenen Menschen aus. Technische Lösungen für Betroffene und Angehörige werden damit also immer wichtiger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.11.2019 | 16:30 Uhr

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