Mit roter Farbe steht auf einem Radweg "Camp" mit einem Pfeil der nach links zeigt. © NDR Foto: Laura Albus

Brunsbüttel: Entspannte Stimmung vor Demo gegen LNG-Terminal

Stand: 30.07.2021 15:34 Uhr

Am Sonnabend wollen zahlreiche Gegner des geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel demonstrieren. Weil sie zum Teil aus weiter entfernten Orten kommen, zelten Hunderte in einem Camp im Bürgerpark - die Stimmung dort: entspannt und friedlich.

von Oliver Kring

Nach Angaben der Veranstalter sind mittlerweile rund 2.000 Teilnehmer in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) eingetroffen, die Sonnabend an der Demonstration gegen das geplante Terminal für Flüssigerdgas teilnehmen wollen. Damit ist nach Angaben der Organisatoren des Bündnisses "Ende Gelände" die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Polizei vor Ort spricht von etwa 1.000 Teilnehmern.

Aktionen geplant

Die Demonstranten wollen am Sonnabend laut einer Sprecherin zwar ausdrücklich gewaltfrei gegen das geplantes LNG-Terminal im Brunsbütteler Elbehafen protestieren. Allerdings soll es spontane Aktionen des "zivilen Ungehorsams" geben. Was darunter zu verstehen ist, wollte die Sprecherin nicht mitteilen. In der Vergangenheit hatten sich Teilnehmer unter anderem an Toren oder Zäunen angekettet oder sind an Gebäuden oder Brücken hoch geklettert. Im Camp selbst ist die Stimmung nach Angaben eines NDR-Reporters sehr gelassen, entspannt und friedlich.

VIDEO: Flüssiges Erdgas - was ist eigentlich LNG? (4 Min)

Forderung: Kein Bau eines LNG-Terminals

Das Bündnis "Ende Gelände" fordert einen sofortigen Gas-Ausstieg. Ihre Begründung: Erdgas stoße neben CO2 auch klimaschädliches Methan-Gas aus. Mehrere Bürgerinitiativen, Umweltschutzorganisationen, Klimagruppen - darunter die Fridays-for-Future-Bewegung - und weitere Jugendverbände wollen deswegen zusammen mit "Ende Gelände" bei der Demonstration am Sonnabend ihre Kritik an dem Vorhaben unterstreichen.

Auf einer grünen Wiese stehen zahlreiche Zelte aufgebaut. © NDR Foto: Laura Albus
Der Bürgerpark Brunsbüttel dient vorübergehend als "Klima-Camp".
Erste Teilnehmer seit Mittwoch im "Klima-Camp"

Die ersten Teilnehmer der Protestaktion waren bereits am Mittwoch in Brunsbüttel eingetroffen. Neben den Schlafzelten gibt es Versorgungszelte der Veranstalter sowie Dusch-/WC-Parzellen aus Holz, Wasserstellen und große Solarmodule zur Stromversorgung. Der Kreis Dithmarschen hat nach eigenen Angaben im Bürgerpark Brunsbüttel ein Camp mit bis zu 2.000 Teilnehmern nach dem Versammlungsgesetz erlaubt.

Polizei-Camp auf der anderen Kanal-Seite

Die Polizei wiederum hat in Brokdorf (Kreis Steinburg) ein Containerdorf eingerichtet und ist nach eigenen Angaben mit mehreren Hundertschaften aus Schleswig-Holstein, anderen Bundesländern sowie der Bundespolizei im Einsatz. Dort auf dem Gelände einer Eissporthalle sollen die Kräfte sowie die Einsatzfahrzeuge untergebracht werden, um für die Proteste am Sonnabend vorbereitet zu sein.

LNG-Terminal soll Flüssiggas von Schiffen aufnehmen und verteilen

Das Flüssigerdgas-Terminal soll in der Nähe eines Chemie-Parks am Elbehafen in Brunsbüttel entstehen. Das tiefgekühlte, flüssige Erdgas, auch LNG (Liquide Natural Gas) genannt, soll nach den Vorstellungen der Firma German LNG Terminal unter anderem per Schiff angelandet und über das Terminal sowohl auf andere Schiffe verteilt, als auch auf spezielle LKW für Transporte innerhalb Deutschlands geladen werden. Bei Bedarf soll es auch den nahegelegenen Chemiepark versorgen.

Betreiber will Austausch mit Interessierten - und Kritikern

Eine Sprecherin von German LNG Terminal teilte zur geplanten Demonstration auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein schriftlich mit: "Die German LNG Terminal GmbH steht seit Beginn an für einen Austausch mit allen Interessierten (…) - auch mit Kritikern (…), und wir rufen jeden auf, sich daran konstruktiv zu beteiligen. Bereits in der Vergangenheit haben wir uns für den Austausch mit unseren Kritikern eingesetzt. (…) Darüber hinaus führen wir Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu unseren Plänen für ein Terminal in Brunsbüttel auf lokaler Ebene und darüber hinaus durch."

Beginn der Demo am Sonnabend um 12 Uhr

Der Beginn der Demonstration ist für 12 Uhr geplant. Dann wollen die Terminal-Gegner vom Bürgerpark zum Elbehafen ziehen und nach eigenen Angaben die Zufahrten zum Chemie-Park mit gezielten Aktionen blockieren. Im Anschluss ist in der Nähe eine Kundgebung am künftigen Standort des geplanten LNG-Terminals vorgesehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.07.2021 | 15:00 Uhr

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