Stand: 13.02.2019 16:13 Uhr

Baggern für die Elbvertiefung beginnt vor Brokdorf

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Baggerfahrer beluden das Klappschiff "Lemsterland" im Hafen von Brunsbüttel mit einem Steingemisch.

Nach 17 Jahren Vorlauf haben in der Elbmündung die Bauarbeiten für die Elbvertiefung begonnen. Baggerfahrer beluden im Hafen von Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) am Mittwoch ein Schiff mit einem Steingemisch. Es begann anschließend mit dem Bau eines etwa 3,5 Meter hohen Unterwasser-Damms vor Brokdorf (Kreis Steinburg). Dort entstehe ein 1,7 Kilometer langer und bis zu 3,60 Meter hoher Randdamm mit einer Fläche von rund 24 Hektar, teilte die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt mit. Das entspricht 34 Fußballfeldern.

Fläche für 670.000 Kubikmeter Baggergut

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Das Klappschiff "Lemsterland" brachte das erste Steingemisch am Mittwoch nach Brokdorf.

Die Fläche, eine sogenannte Unterwasser-Ablagerungsfläche (UWA), soll später rund 670.000 Kubikmeter Baggergut aus der Elbe aufnehmen. Später wird im Zuge der Elbvertiefung ausgebaggerter Sand und Schlick auf die UWA abgekippt. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) ist es eine der kleineren von vielen in der Elbe geplanten Flächen.

Der Damm soll den Fluss auch lenken

Der als Rand dienende Damm soll außerdem die Strömungsverhältnisse in der Elbe stabilisieren, den Fluss lenken und den Tidenhub begrenzen. Auf der anderen Elbseite vor Cuxhaven wird eine weitere Fläche vorbereitet.

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Das Steingemisch, das per Bagger auf einem Schiff landete, wird zu einem Damm aufgeschichtet.

Ebenfalls bereits vergeben ist ein Auftrag für eine Fläche am Neufelder Sand für 25 Millionen Euro, der an eine belgische Firma ging. Allein diese 6,7 Kilometer lange Fläche soll 9,5 Millionen Kubikmeter Baggergut aufnehmen. Insgesamt stehen Deponierungsflächen von deutlich mehr als 20 Millionen Kubikmetern zur Verfügung. Ein Kapazitätsproblem gibt es laut WSA nicht.

Ausbau der Fahrrinne ab Sommer

Im zweiten Quartal 2019 soll nach den derzeitigen Planungen mit dem Ausbau der Fahrrinne begonnen werden. Durch die Maßnahmen sollen Schiffe künftig bei Hochwasser mit einem Tiefgang von 14,50 Metern den Hamburger Hafen erreichen und verlassen können. Bei Ebbe soll das noch bis zu einem Tiefgang von 13,50 Metern möglich sein. Dazu muss die Fahrrinne um bis zu 2,42 Meter ausgebaggert werden.

Aktuell können Containerriesen mit einem Tiefgang von 12,50 Metern die Unterelbe tidenunabhängig befahren. Künftig sollen sie ihre Kapazität um je 1.300 Standardcontainer (TEU) erhöhen können. Allein dadurch ergibt sich für den Hamburger Hafen ein zusätzliches Umschlagpotenzial von rund drei Millionen TEU jährlich.

Elbvertiefung: Wo gebaggert werden soll

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen laufen an

Neben den Vorarbeiten für die Elbvertiefung laufen ökologische Ausgleichsmaßnahmen an. Die seltene Pflanze Schierlings-Wasserfenchel soll im Naturschutzgebiet Zollenspieker eine neue Heimat finden. Umweltschützer sagen allerdings, dass bisher angedachte Ausgleichsflächen nicht ausreichen, um einen adäquaten Ersatz als Lebensraum für diese Pflanze zu bieten. Ein Zusammenschluss aus drei Umweltverbänden klagt deswegen erneut.

Sogenannte Begegnungsbox bei Wedel

Auf den letzten Kilometern vor dem Hamburger Hafen wird die Fahrrinne - ungeachtet des Streits vor Gericht - zusätzlich verbreitert. Zwischen Wedel und Blankenese wird eine rund sieben Kilometer lange, sogenannte Begegnungsbox entstehen. Damit zukünftig hier auch breite Schiffe aneinander vorbei fahren können, wird die Fahrrinne von 300 auf 385 Meter verbreitert. Diese Arbeiten sollen bereits Ende 2019 fertig sein.

Bisher müssen besonders große Schiffe, die in den Hamburger Hafen einfahren oder diesen verlassen wollen, aufeinander warten. Die Elbe ist für sie über weite Strecken eine Einbahnstraße. Durch die Begegnungsbox können mit bis zu vier Schiffen pro Tide fast doppelt so viele die Stelle passieren wie momentan.

Im Verkehr mit Fernost sind Schiffe mit einem Fassungsvermögen von mehr als 15.000 TEU heute Standard - oft sind es 18.000 oder noch mehr TEU. Schiffe dieser Größe waren noch gar nicht vorstellbar, als Hamburg 2002 den ersten Antrag auf eine weitere Elbvertiefung stellte.

Gesamtkosten von knapp 800 Millionen Euro

Die neunte Vertiefung der Fahrrinne soll im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten der Elbvertiefung sind noch nicht offiziell beziffert, weil die Ausschreibungen noch laufen. Im Bundeshaushalt sind 776 Millionen Euro vorgesehen, von denen Hamburg 286 Millionen übernehmen soll. Zu Beginn der Planungen vor mehr als einem Jahrzehnt war nur von Gesamtkosten von rund 350 Millionen Euro die Rede gewesen.

Stephan Heller zur Elbvertiefung. © NDR Foto: Screenshot

Darum geht's: Elbvertiefung

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Die erneute Elbvertiefung ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen der Hafenwirtschaft und Umweltschützern. Doch warum ist sie überhaupt notwendig und was genau passiert da?

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2019 | 17:00 Uhr

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